Zimmerservice

7. August 2014 Mehr

 

Die Verwandlung eines Bankgebäudes in ein Luxushotel: Das Park Hyatt am Hof ist definitiv Wiens neue Referenz im Luxussegment.

 

 

Manche sagen ja, dass viele Köche den Brei verderben. Aber, in Zeiten der kulturumspannenden Fusionsküche wird bewiesen, dass das Zusammenspiel verschiedenster Einzelzutaten unerwartet köstliche Genüsse bereiten kann. So geschehen bei einem äußerst komplexen Projekt, dem Park Hyatt Vienna: der Bauherr Signa Holding mit höchsten Ansprüchen, die internationalen Qualitätsstandards der Hyatt-Gruppe für 6* Top-Hotellerie mit Spitzengourmettempel (es kocht Stefan Resch und sein Team), in Verbindung mit dem Anspruch des Bundesdenkmalamtes und der besten Restauratoren des Landes, die historische Substanz zu schonen und in ihrer Authentizität zu wahren, dazu die Visionen der Innenarchitekten von FG Stijl aus Amsterdam unter der Leitung von Colin Finnegan und schließlich die Aufgabe der Lichtplaner, ein zu jeder Tageszeit stimmungsvolles Lichtambiente zu schaffen.
Die Haustechnik in ihrer Komplexität ist echt beeindruckend. Alle Fachplaner waren gefordert, wesentlich zum Gelingen beizutragen, allein für die Lichtplanung wurden gleich drei Büros engagiert: Pokorny Lichtarchitektur für das Lichtkonzept, die Hotelzimmer, den Wellnessbereich, Sanitäranlagen und die Gänge, podpod design für alle historischen Bereiche sowie das renommierte deutsche Büro Kardorff Ingenieure für die Fassadenbeleuchtung.
Der Hotelbereich ist besonders sensibel, was Lichtstimmungen betrifft, weil die Gäste sich in den Zimmern und öffentlichen Bereichen rundum wohlfühlen sollen. Betritt man die Lobby tagsüber, sieht das Hotel toll aus. Aber betritt man die Lobby bei Dunkelheit, wird man von der angenehmen Lichtstimmung eingenommen und man vermutet nicht, dass das gesamte Licht mit LEDs generiert wird. Unter diesem Aspekt war es besonders spannend, ob sich solch stimmungsvolle Lichträume auch mit LED-Lampen erreichen lassen, und zwar (auf ausdrücklichen Wunsch von Bauherr und Betreiber) flächendeckend.

Und ist das auch gelungen? Ja, es hat überzeugend funktioniert. Aber, nur mit großem Planungseinsatz, mit Prüfung jeder einzelnen Lichtquelle, und das bedeutet, LEDs sind nicht nur nach Datenblättern zu beurteilen. Die Abweichungen in den feinen, aber wahrnehmbaren Bereichen sind stark materialabhängig (Perlmutt, Gold/Silber, Holz, Textil, Stein) und es musste im Detail bemustert werden, mit welchen LEDs welche Oberfläche schön zur Geltung kommt. Tendenziell betraf diese Unverlässlichkeit in der Lichtqualität eher Produkte im unteren bis mittleren Preissegment, Lichtschläuche, die eher grünliches als warmweißes Licht geben, nicht nur einmal waren die Musterleuchten visuell anders als die schließlich verbauten Exemplare – sei es, weil inzwischen eine neue Generation von LEDs auf den Markt gekommen war, der Chip-Hersteller gewechselt worden war oder dass einfach die Charge ein abweichendes Binning und die damit einhergehende Farbverschiebung aufwies.

Für die Programmierung der Lichtszenen waren nächtelange Einstellarbeiten durch podpod design und dem Programmierer von Klenk & Meder erforderlich. Nutzerseitig erfolgt der Abruf der Lichtszenen jedoch vollautomatisch nach Tageszeit, kann aber bei Bedarf einfach per Touch-Paneel overruled werden. Besonders in Bereichen wie dem Ballsaal oder den Konferenzräumen kann so zwischen Ball, Konferenz, Vortrag etc. unterschieden werden.
In einem Top-Restaurant gelten andere Regeln für die Qualität der Beleuchtung. Besonders beim ‚Show Cooking‘ werden ausreichende Lichtniveaus für die Köche für ihre präzise Arbeit benötigt, gleich daneben aber stimmungsvolles Ambiente für die erlesenen Gäste.

Weil sich die Gerichte in all ihren Farbnuancen zeigen müssen, ist perfekte Farbwiedergabe extrem wichtig: warmes Licht, das auch beim Dimmen seine Wärme behält und nicht ins Grau abdriftet. Es kamen daher in den historischen Bereichen hochwertigste LED-Leuchten mit 2.700K zum Einsatz.

 

Fassadenanstrahlung

Bei der Fassadenbeleuchtung wurde hingegen (zum Entzücken des Denkmalamtes) auf Reduktion und Zurückhaltung gesetzt. Nur einige wenige Elemente wurden akzentuiert, vor allem der Eingangsbereich, der Balkon der Präsidentensuite und der Dreiecksgiebel. Man wird sich ansehen müssen, inwieweit das der visuellen Position im architektonischen Umfeld gerecht wird. Schon wegen seiner zentralen Lage am Hof eine Klasse für sich, bietet das Hotel für alle an Lichtkunst interessierten ein weiteres Schmankerl: die Licht-Nebel-Installation ‚Yellow Fog‘ des dänisch-isländischen Konzeptkünstlers Olafur Eliasson, die man bequem von der Cigar Lounge aus bei einem Glas Whisky genießen kann.

 

Text: podpod design / Fotos: Jansenberger Fotografie

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Kategorie: Kolumnen, Licht

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