Architektur mit minimalsten Mitteln – Arata Isozaki

10. September 2019 Mehr

Architektur mit minimalsten Mitteln – Arata Isozaki

Nicht nur der diesjährige Pritzker Preisträger Arata Isozaki arbeitet mit der Leere, mit dem Zwischenraum, auch die Chinesen können das. Und zwar, fast ohne Architektur zu machen!

 

Ausstellungscenter China

 

Das ursprüngliche Projekt bestand aus einer Anhäufung von zehn Containern, in drei Ebenen übereinander geschlichtet und mit ein paar Stiegen verbunden, in einige waren Fenster- und Türflächen eingeschnitten. Die Umgestaltung zu einem kleinen Zentrum für Arbeit, Kommunikation und Freizeit bedeutete eine gewisse Herausforderung für das Team von Yiduan Shanghai Interior Design aus China. Einerseits stand das Ensemble ziemlich isoliert auf einem weiten Grasgebiet in Orenda auf der Insel Chongming in der Nähe von Shanghai, andererseits brachten die engen Innenräume der Container große Einschränkungen mit sich.

Statt nun dem gewöhnlichen Container einfach einen ungewöhnlichen Anstrich zu verpassen, um so das Projekt aufzuwerten, erweiterten die Planer die Innenräume durch die Schaffung von angeschlossenen Leerräumen nach außen. Diese Volumina werden durch Gitter, Lamellenwände und -decken gefasst, spürbar gemacht und erweitern so den nutzbaren Raum. Sie erfüllen auch funktionelle Bedürfnisse und bilden einen Kontrast mit der Masse und dem Körper der Container. Das durch die Gitterflächen eintretende Tageslicht generiert fast poetische Licht- und Schattenspiele. Die Container und die neuen „Körper“, die aus ihnen so entstanden sind, stellen nun eine überlappende und gestapelte architektonische Form dar – sie wirkt fast futuristisch, auf jeden Fall interessant und modern.

Der Gesamteindruck dieser, im Mai 2018 fertiggestellten Architektur spiegelt sich in einer wohl abgestimmten Palette von Weiß- und hellen Holztönen wider. Sie erzeugen einen sauberen, einfachen visuellen Eindruck. Außerdem fügen sich die Gebäude so recht harmonisch in die Weite der umgebenden Wiesenflächen ein. Ein mäandernder Flusslauf schlängelt sich in der Mitte der Gebäude durch, er symbolisiert Veränderung und Leben.

Auf den drei Ebenen befinden sich im Erdgeschoss der Empfang und eine Ausstellungsfläche, in der mittleren erhält man einfache Speisen, Kaffee und Tee und oben ist der Bereich für Arbeit, Treffen und geschäftliche Dinge. Die Wegführung durch die Räume nimmt Rücksicht auf die Umgebung, jeder Punkt bietet unterschiedliche Ausblicke und die verwendeten Zen-Elemente passen sich gut an den modernen und minimalistischen Designstil an. Innen- und Außenräume fließen ineinander, bilden ein Ganzes – immer mit kleinen Aufenthaltsbereichen und Unterbrechungen, die der Architektur eine Seele verleihen. Ein gutes Beispiel, wie sich ohne viel neu zuzubauen, eine vorhandene Substanz mit einfachsten Mitteln und nachhaltig zu einer interessanten, funktionalen Architektur (um)gestalten lässt. Man kann davon lernen!

 

Fotos:©Zhu Enlong

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kategorie: Magazin

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen