Die Closed Cavity Fassade

19. April 2019 Mehr

Der Ruf nach Nachhaltigkeit ist laut in der Architektur. Es sollen nicht nur die Energieeffizienz, sondern ebenso die Tageslichtnutzung verbessert, Betriebs- und Wartungskosten eines Gebäudes gesenkt und der Nutzerkomfort erhöht werden. Die Kriterien der Transparenz bei Glasfassaden standen dabei in einem gewissen Widerspruch zum Wärmeschutz. Um niedrige Ucw- und g-Werte zu erzielen, musste die Lichttransmission der Gläser durch Sonnenschutzbeschichtungen, die zudem Farbwerte verändern, eingeschränkt werden. Die erwähnten Probleme werden durch die Closed Cavity Fassaden (CCF) – eine Erfindung von Josef Gartner – gelöst.

 

CCF Closed Cavity

 

Die Closed Cavity Façade ist eine Zweite-Haut-Fassade, bei welcher der Zwischenraum zwischen Innen- und Außenhaut komplett geschlossen ist. Trockene, saubere Luft wird konstant dem Fassadenzwischenraum zugeführt, um Kondensat an der Fassade zu vermeiden. Das Außenklima wird ständig durch die Steuerelektronik überwacht und die erzeugte Trockenluftmenge entsprechend angepasst. Dadurch wird der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert. Im Unterschied zu offenen zweischaligen Fassaden muss der Zwischenraum auch nicht gereinigt werden. Reflektive Oberflächen von Sonnenschutzanlagen sind so dauerhaft wirksam. Außer dem sehr guten sommerlichen und winterlichen Wärmeschutz bietet die CCF eine Schalldämmung bis 50 Dezibel. Da eine CCF im Vergleich zu offenen zweischaligen Fassaden etwas günstiger ist, werden Green Buildings zunehmend mit diesem Typ verkleidet.

 

CCF Closed Cavity Fassade

 

Sowohl die Closed Cavity Façade als auch die Self Conditioning Façade (SCF) sind spezielle Varianten der Doppelfassade. Beide werden dann gewählt, wenn erhöhte Energieeffizienz und reduzierter Reinigungsaufwand gefragt sind, und immer dann, wenn Architekten oder Bauherren auf der Suche nach etwas Besonderem sind. Während die CCF von Josef Gartner zur Marktreife entwickelt wurde, stammt das autarke Belüftungssystem der SCF von seele.

 

CCF Closed Cavity Fassade

 

Die Zürcher Innenstadt gilt seit Jahrzehnten als renommierter Geschäftsstandort. Das Gebäudeensemble an der Brandschenkestrasse aus den 1960er und 1980er Jahren wurde nun durch die AXA Winterthur nach einem Entwurf des Zürcher Büros Romero & Schaefle Architekten (heute Romero Schaefle Partner) umfassend saniert – unter Einhaltung strenger energetischer Standards wie dem Schweizer Minergie. Entstanden sind moderne, maximal flexible Büroflächen in Neubauqualität. Ein besonderes Glanzstück und zugleich ein Meilenstein der Gebäudetechnologie ist die CCF-Fassadenkonstruktion.

 

CCF Closed Cavity Fassade

 

Die Konstruktion der Fassade stellte eine besondere Herausforderung dar. Es galt, auf die bestehende Beton-Struktur teilweise eine doppelschalige Fassade aufzusetzen. Während die Glasbrüstungen konventionell hinterlüftet und gedämmt wurden, sind die Kastenfenster als Closed Cavity Fassade ausgeführt. Von den rund 3.500 m2 Fassadenfläche bestehen zudem 365 m2 aus gebogenen Gläsern. Die energetische Performance des Gebäudes zu berechnen und zu simulieren, war daher ebenso aufwendig, wie die Auswahl der idealen Glaskonstruktion. Die geschwungenen Formen erforderten exakt ausgeformte Übergänge von geraden Schenkeln in eine Biegung und anschließend wieder in die Gerade. Um die Anforderungen an den Einbruchschutz einzuhalten, wurde im Erdgeschoss eine andere Glaskonstruktion gewählt. Der ausgezeichnete Gesamtenergiedurchlassgrad ist dabei für alle Glaseinheiten der gesamten Fassade identisch.

 

Fotos:©Karin Gauch und Fabien Schwartz

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Kategorie: Magazin

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