Digitalisierung aus der Luft – Gleisdorf

14. August 2017 Mehr

Ein neuer Forschungsansatz, der, statt wie bisher nicht die Energie- und Wärmeverluste einzelner Gebäude isoliert betrachtet, sondern einen ganzen Stadtteil einbezieht, wurde in Gleisdorf erstmals angewandt. Dadurch wird eine flächen­deckende und effiziente Analyse und damit auch Sanierung ermöglicht.

Siemens-Forscher aus Graz haben in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und der AEE INTEC (Institut für Nachhaltige Technologien) im Projekt HOTSPOTS die neue Technologie zum Erfassen von Energieverlusten in ganzen Stadtvierteln entwickelt. Mithilfe von Heißluftballons, die mit Farb-, Wärmebild- und Infrarotkameras ausgestattet waren, hat man zunächst Luftbilder der Stadt Gleisdorf erstellt. Mit einer Bildbearbeitungssoftware wurde daraus anschließend ein 3-D-Modell abgeleitet, das man mit Thermalaufnahmen überlagert hat. Diese thermische Grobanalyse zeigte bereits deutlich, wo die energetisch kritischen Areale einer Stadt liegen. Im nächsten Schritt wurden Detailaufnahmen mit Drohnen durchgeführt, um die Ursachen für die Wärmeabstrahlung genau zu analysieren und die betroffenen Gebäude zu identifizieren. Eine Begehung der Areale und die Befragung der Gebäudeeigentümer sowie Informationen aus bestehenden Energieausweisen vervollständigten die Datenbasis für die Analyse. Diese nun erprobten Methoden sind auf andere Städte übertragbar.

 

 

In jeder Stadt gibt es sogenannte „Hotspots“, das sind Gebäude oder Gebäudekomplexe, die besonders großes Potenzial für energetische Optimierungen aufweisen. Der Forschungsansatz, schlecht wärmegedämmte Gebäude im Verbund zu identifizieren, statt wie bisher nur Einzelgebäude zu analysieren, hat sich bewährt. Durch die Daten der Luftaufnahmen kann man den energetischen Zustand eines ganzen Stadtareals und damit verbundene Zusammenhänge erkennen. Zum Beispiel, in welchen Bereichen durch Hausbrand verstärkt Feinstaub erzeugt wird. Stadtverantwortliche erhalten dadurch eine Entscheidungshilfe für die Raum- und Energieplanung. Sie können ableiten, in welchen Gebieten beispielsweise künftig Fernwärmeanschlüsse gelegt werden sollen. Solche Maßnahmen werten die betroffenen Stadtteile auf, weil sich die Luftqualität sich verbessert und Immobilienwerte steigen.

 

 


Die Gebäudeeigentümer erhielten im Rahmen des Projektes konkrete Vorschläge für effiziente thermische Sanierungsmaßnahmen der Gebäudehülle und mögliche Umstellungen der Heizmethoden. Dabei kam eine Entscheidungssoftware zum Einsatz, die Effekte von verschiedenen Optimierungsschritten und baulichen Maßnahmen simuliert. Das Tool schlägt effiziente Sanierungsmaßnahmen vor und schätzt die damit verbundene Emissionsreduktion sowie die zu erwarteten Kosten ab. Die für ihre ambitionierten Klimaziele bekannte Stadt Gleisdorf plant, die Ergebnisse in eine künftige Sanierungsoffensive einfließen zu lassen.

Fotos & Grafiken: ©Siemens AG

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Kategorie: Magazin

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