Hinter einer denkmalgeschützten Schulfassade

18. Juni 2018 Mehr

Drei Besitzer in einer Reihe waren an der Fassade und dem Projekt schon gescheitert: Ein schmaler Schulbau mit einer denkmalgeschützten Fassade, nur zwei Fensterachsen und ein Eingang an der Straßenseite, was sollte man damit anfangen?

 

Schulfassade

 

Für die vierten Besitzer fand das Atelier Vens Vanbelle die architektonische Lösung, indem sie genau diese Fenster- und Achsteilung beibehielten, sie noch im Inneren der Architektur verstärkten. Tiefe Nischen ziehen sich nun von den Fenstern in die Innenräume, als ob meterdicke Wände die Außenseiten wären. Die erste (linke, von außen betrachtet) Nische bildet einen majestätischen Eingang, die mittlere bildet die Küche und rechts ist eine Art Bürobereich situiert. Das Prinzip der Nischen wiederholt sich auch an der hinteren Fassade – hier sind Sitznischen, Schrank­räume und Spielbereiche in den „Wänden“ untergebracht. Der Wohnbereich befindet sich zwischen diesen beiden weißen, extrudierten Zonen. So konnten auch die Fensterproportionen, die für ein Wohnhaus ja eher ungeeignet waren, beibehalten werden.

Da die Fenster der ehemaligen Schule relativ hoch (im Bezug auf die Straße) lagen, ging sich sogar ein Wirtschaftsbereich unter der Küche und dem Büro aus. Durch dieses Zusatzgeschoss im vorderen Bereich liegt der Wohnbereich etwas vertieft und bekommt so einen heimeligen und gleichzeitig sehr offenen Charakter. Die Nischen in den Fenstersäulen sind jeweils von beiden Seiten aus zugänglich. Alle Einrichtungen sind auf die Dimensionen der Fenster und den Raum dazwischen abgestimmt und entworfen.

Die Zonen bei den extrudierten Fenstern sind ganz weiß gehalten, alle anderen Räume leben von warmen Materialien. Es sollte ja keine Schule mehr, sondern ein Familienheim sein. Aufgrund der Materialwahl erscheint die Architektur einheitlich und als ob sie schon immer so gewesen wäre, dabei ist es eine komplett neue Konstruktion hinter einer renovierten, weil denkmalgeschützten Fassade. Ein Luftraum in der Mitte der Architektur verbindet Erd- und Obergeschoss, er ist im oberen Stock mit einseitig verspiegeltem Glas versehen. So erhält man oben Privatheit, während das Sonnenlicht hereinstrahlen kann und der Sichtkontakt nach unten möglich ist.

 

 

Fotos: ©Tim Van de Velde

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Kategorie: Magazin