Perspektive für die Zukunft – Landwirtschaftsschule

4. September 2019 Mehr

Perspektive für die Zukunft – Landwirtschaftsschule

Architektur kann, bzw. soll auch einen pädagogischen Aspekt haben und auch sensitiv etwas in der Rezeption der Nutzer ändern. Das Internat für die Landwirtschaftsschule in Bella Vista auf einem Agronomie-Campus im andinen Cochabamba, Bolivien ist ein gutes Beispiel dafür. Das Ausbildungszentrum mit dem neuen Internatsgebäude bietet Jugendlichen aus extrem armen Familienverhältnissen eine Perspektive, die über die in Bolivien übliche Subsistenzlandwirtschaft weit hinausreicht.

 

Landwirtschaftsschule Bolivien

 

Das Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion von Prof. Ralf Pasel, CODE widmet sich mit dem interdisziplinären und langfristig angelegten Projekt für das andine Dorf Bella Vista in Bolivien lokal wirksamen Lösungsvorschlägen zur Armutsbekämpfung, aber auch globalen Themen zur wachsenden Urbanisierung und der Landflucht. Darüber hinaus findet ein Wissenstransfer über mögliche Baukonstruktionen zwischen der TU Berlin und der Universidad Major de San Simon in Cochabamba, Bolivien sowie zwischen den Studenten und den lokalen Kooperativen, die handwerklich am Projekt ausgebildet werden, statt.

Das Internatsgebäude weist eine klare Gliederung zwischen Sockel, Wand und Dach auf. Diesen drei Schichten sind spezifische Materialien und die damit verbundenen Konstruktionsmethoden, mit welchen sich die Studierenden auseinandergesetzt haben, zugeordnet: Beton, Mauerwerk und Holz. Im Gespräch mit den Einheimischen und unter Verwendung ortsüblicher Materialien wurden innovative Lösungen auf Anforderungen der Statik und somit der Sicherheit, der Gebäudehülle und somit des Komforts und der Gebäudetechnik entwickelt. Das neue Gebäude ergänzt funktional die bereits in Betrieb genommene Schule u. a. mit einer Schlafstätte für die Schüler, einem Dozentenraum, einer Küche, Ess-, Lern- und Aufenthaltsbereichen sowie eigenständigen Nassbereichen. Es ermöglicht in seinem Grundriss Orte der Begegnung und der Ruhe. Ein privater Patio als kontemplativer Freiraum und ein kollektiv nutzbarer Hof erweitern zudem das Angebot von unterschiedlich qualitativen Außen- und Freiräumen auf dem Campus. Das bestehende Schulgebäude und der Neubau des Internats teilen sich die neu erstellte Pflanzenkläranlage und Frischwasseraufbereitung für die Felder, die Stromerzeugung durch eine Fotovoltaikanlage und die Warmwasserzubereitung durch die im Dachgefälle des Internats integrierte Thermo­siphonanlage. Aufgrund der Materialisierung weist das Gebäude für die Nutzer einen hohen Wiedererkennungswert auf und setzt architektonische Standards, die in Selbstbauweise von den Bewohnern auf andere Projekte übertragen werden können. Das Gebäude wird somit zum Lehrmodell selbst.

 

Fotos:©Cristóbal Palma

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Kategorie: Magazin

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