Zwischen Leuchtturm und Arche Noah – London

29. Juni 2018 Mehr

Eindeutig vom Bootsbau beeinflusst zeigt sich ein Wohnhaus in London, entworfen von Birds Portchmouth Russum Architects. Frei stehend presst sich der elliptische Grundriss zwischen die Nachbarhäuser in das schmale Grundstück. Die Form bewirkt – sowohl bei den Nachbarn wie auch beim Haus selbst – eine bessere Belichtung und mehr Sonneneintrag. Das große Volumen des Innenraumes bewirkt eine schwungvolle natürliche Ventilation. Die fensterlosen Seitenwände sind stark isoliert und sichern so, zusammen mit dem tonnenförmigen Dach, eine effiziente Energiebilanz.

 

London Bootsbauhaus

 

Betreten wird das Wohnhaus über eine Rampe – und hiermit ist auch schon das erste Zitat aus dem Bootsbau zu finden. Die Eingangsfassade ist leicht zurückgesetzt, um einen Parkplatz für ein kleines Auto zu schaffen. Nach unten gelangt man zum Ausgang in einen verwunschenen Garten und die Schlafräume, nach oben in die Wohnbereiche, zum Home Office und als Krönung in einen halbkreisförmigen Wintergarten. Überall begegnet man Zitaten aus der Welt der Seefahrt, relingähnliche Geländer, halbkreisförmige Sitzterrassen, bullaugenförmige Fenster und Lampen, wie man sie oft auf Schiffen finden kann. Die augenscheinliche, holistische und innovative Designstrategie erbrachte ein außergewöhnlich nachhaltiges Wohnhaus. Fast ausschließlich recyclierbare Baumaterialien wurden verwendet, eine hybride, natürliche und auch mechanische Strategie sichert Heizung, Kühlung und Lüftung. Ein Gasheizgerät erzeugt Heißwasser für die Fußbodenheizung, die durch Blechradiatoren unterstützt wird. Frischluft im Wohnbereich wird durch eine MVHR (Mechanical Ventilation with Heat Recovery) geliefert, dabei benutzt man den sogenannten Coanda-Effekt durch Umlenken der Luftströme an die Decke und die Kaminwirkung der Oberlichten. Sie bezieht ihre Frischluft aus den beschatteten Außenräumen und kann auf Kühlbetrieb umgeschaltet werden. Einem Hitzestau durch übermäßige Sonneneinstrahlung wird durch die laternenförmigen Oberlichten begegnet.
Um Kosten zu sparen, beschlossen die Eigner das Haus im Selbstbau zu errichten und nahmen dafür auch längere Bauzeiten in Kauf. So begann man die aus Ziegeln erbaute Konstruktion des Untergeschosses bereits 2007. Die vorfabrizierte Holzhülle wurde 2013 errichtet. Das Haus wurde 2014 als Rohbau zum ersten Mal bewohnt, allerdings provisorisch und mit Einschränkungen. 2016 deckte man das Dach mit Zinkblech und verputzte die Wände, alles zusammen mit einem Budget von 730.000 Euro. Heute ist der Bau mit diversen Preisen ausgezeichnet und für weitere bereits vorgeschlagen.

 

 

Fotos:©Nick Kane

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Kategorie: Magazin