Die Bücherkiste – Plaza Biblioteca Sur

11. Juli 2019 Mehr

Community Library in La Molina / Lima / Oscar Gonzalez Moix / Plaza Biblioteca Sur

Das Projekt der „Plaza Biblioteca Sur“ befolgt alle veröffentlichten Richtlinien der Stadtverwaltung zur Erhöhung von Lebensqualität und Gemeinschaft, die besagen, dass diese Werte durch Erziehung, Freizeit und Kultur angestrebt werden sollen. Eine interessante Voraussetzung und deshalb geht der Entstehung dieser Architektur auch ein acht Jahre dauernder Prozess des Managements und eines Wechsels verschiedener Bürgermeister voraus – ohne jedoch jemals den Geist der Kontinuität verloren oder der Politik eine zu große Wichtigkeit gegeben zu haben. Der Entwurf zu dieser öffentlichen Bibliothek stammt von Architekt Oscar Gonzalez Moix

 

Plaza Biblioteca Sur

Plaza Biblioteca Sur – Einen ganz einfachen Köper hat Architekt Oscar Gonzalez Moix für die öffentliche Bibliothek in Lima gewählt. Jedoch antwortet das Projekt auf alle Bedürfnisse der Nachbarschaft und lässt die Umgebung ins Innere eindringen. Eine Bücherkiste für alle!

 

Entstanden ist der Bau aus der Auseinandersetzung mit den verschiedensten Nachbarschaften und der Verwaltung, so vervollkommnete sich sein Programm durch eine ständige Anpassung an die Notwendigkeiten und Wünsche. Sogar jetzt, nachdem die Bibliothek bereits im Vollbetrieb steht, ist man immer noch auf der Suche nach weiteren Bedürfnissen der Anwohner. Die Bevölkerung ist begeistert und wild darauf, an den verschiedensten Aktivitäten teilzunehmen, um so eine Koexistenz zu zelebrieren: Es ist ein ständiger Prozess des Lernens und der dynamischen Erweiterung und Erfahrung. Gelernt wird und wurde also nicht nur in der Bibliothek, sondern auch im Entstehungs- und Meinungsbildungsprozess.

In den Wohngebieten der Stadt Lima ist es ein allgemeiner Brauch, einen bestimmten Prozentsatz der öffentlichen Flächen erzieherischen und kulturellen Belangen zu widmen. So wie in diesem Fall auch, sind diese Flächen oft ungenutzt, aber immer in der Nähe der Wohnblöcke. Deshalb hat man dieses Projekt in die Nähe eines Parks – die Bevölkerung nennt ihn Lunge des Häuserblocks – platziert. Die Nachbarschaft ist hier sehr dicht, bestehend aus den typischen offiziellen und inoffiziellen Erweiterungen und Bauten mit den unterschiedlichsten Werten und Gemeinschaftskulturen.
Der Baukörper liegt parallel zum Park, in Verbindung zu zwei angrenzenden Schulbauten, umrundet von diversen Wohnbauten und alle zusammen mit dem Park als Zentrum. Die Architekten entschlossen sich zu einem streng formalen, einfachen Körper mit einer simplen architektonischen Präsenz, konzeptuell geschlossen und würdevoll. Eine zeitlose Architektur, die als soziale Referenz für die Gemeinschaft wirken sollte. Eine weitere Charakteristik ist, dass Autos auf einem Parkplatz bleiben und der Park, die Bibliothek und die Umgebung als eine Fußgängerzone genutzt werden – eine neue Erfahrung in der Stadt Lima.

Durch die Orientierung entlang der Grünzone erzielten die Planer die bestmögliche Belichtung für den Bau, aber auch eine entsprechend angenehme Aussicht. Die Längsfassaden bestehen aus einer Reihe von Betonsäulen, die mit dem modularen Raster der Innenräume korrespondieren. Dieser entwickelt sich aus der Größe der Tische im Lesesaal. So wird als äußeres Bild ein zeitloser Rhythmus von Leere und Geschlossenheit kreiert. Dieses Image entspricht auch der Reihung von in den Regalen stehenden Büchern, und wenn zwei von ihnen aneinander gelehnt sind, weil das mittlere fehlt – wird die Ordnung gebrochen. In der Ansicht öffnet sich in diesem Fall der Eingang in die Bibliothek. Die beiden Längsfassaden sind miteinander durch die Betonträger vernäht, gleichsam zusammengeheftet. Dadurch entsteht auch ein flexibler und offener Innenraum. Zwei „Holzkisten“ aus furniertem, einheimischen Holz bilden jeweils den Abschluss des lang gezogenen Körpers und wirken als warm getönte Schmalfassaden.

Das Innere antwortet nun erfolgreich auf diese Struktur der Fassaden. Es benutzt das eintretende Licht wie eine rohe Materie und generiert daraus die unterschiedlichsten Wahrnehmungen im Tagesverlauf. Architekt Moix versuchte die Innengestaltung von der Tätigkeit des Lesens an einem Tisch aus zu entwickeln. So kann der Umraum von beiden Seiten in das Innere transitieren und vice versa. Der Außenraum wird von zwei Realitäten bestimmt: auf der einen Seite die pazifische Natur des Parkes und auf der anderen Seite die Wohngebäude mit ihren lokalen Identitäten.

Die Überlappung und Verbindung dieser beiden Realitäten hat auch Auswirkungen auf den Innenraum. Die Farbigkeit und Materialität ist sehr bescheiden und zurückhaltend. Betonflächen in Sichtqualität, weiße Metallteile und ganz wenig Holz bringen eine ruhige, kontemplative Atmosphäre mit sich. Im Außenraum versucht eine umlaufende, in einem zarten Pinkton gehaltene Umfassungsmauer, die Schwere des Baukörpers zu mildern, ihn am Ort zu verankern und ihn quasi auf einen Sockel zu setzen.

 

Community Library in La Molina
Lima, Peru

Bauherr: Municipality of La Molina
Planung: Oscar Gonzalez Moix

Grundstücksfläche: 1.300 m2
Planungsbeginn: 2010 – 2016
Bauzeit: 2016
Fertigstellung: 2017

 

Fotos:©Ramiro Del Carpio

Text:©Peter Reischer

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Kategorie: Newsletter, Projekte

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