Wald aus Farben – Emmanuelle Moureaux

12. Oktober 2017 Mehr

 

Creche Ropponmatsu Kindergarten / Fukuoka City / Emmanuelle Moureaux

 

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Manche Architekten schwören bei ihren Projekten mehr auf Farben und Storys als auf Materialien. Für sie ist die Emotion, das Sensorische wichtiger als die Funktion oder die Ratio. So ist es auch bei dem Kindergarten, den das Büro Emmanuelle Moureaux architecture + design in Japan, Fukuoka City errichtet hat. Der Creche Ropponmatsu Kindergarten fällt in erster Linie durch den davorgestellten, sehr stark abstrahierten Wald aus bunten Bäumen auf.

 

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In einem Wohnviertel der Stadt errichtet, hat der Kindergarten die Kapazität für 90 Kinder im Alter von
1 bis 5 Jahren. Die Architektin hat sowohl die Architektur, wie auch die Inneneinrichtung, das Logo und die grafische Signatur entworfen. Sie hatte – so ihre Aussage – dabei die Vision eines „neuen“ Kindergartens vor Augen, in dem die Kinder körperlich und geistig frei aufwachsen können. Also stellte sie vor den relativ einfach gehaltenen, zweigeschossigen Stahlbetonbau, eine zweite Ebene, einen Wald aus Bäumen. Es erscheint ein „Material“ vor der „Masse“. An den Fassaden befinden sich 63 abstrahierte Bäume mit je 4 Meter Höhe in insgesamt 22 verschiedenen Farben. Sie breiten ihre Äste aus und umhüllen die Architektur. Es ist eine interessante Idee, gerade in der Stadt den Menschen bereits im Kindesalter  wieder einen Bezug zur Natur zu bieten. Versteckt oder geschützt hinter diesem farbenfrohen Hain bietet der Ort den Kindern die Möglichkeit, wo immer sie sich im Gebäude befinden, mit einer reichen Wahrnehmung von Farben aufzuwachsen und so ihre Sensibilität dafür zu stärken.

 

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Kinder hinter einem Wald aus bunten Bäumen – das ist der erste Eindruck, den der Betrachter vom Creche Ropponmatsu Kindergarten in Fukuoka City, Japan erhält. Der einfache Stahlbetonbau der Architektin Emmanuelle Moureaux erhält durch diese zweite Haut aus Farbe eine fröhliche Note und fördert die sensorische Wahrnehmung der Kinder.

 

Die Farbkollektionen springen förmlich dem Betrachter (oder Benutzer) ins Auge, viele der Farben von der Fassade sind im Inneren weiterverwendet. Im Hort gibt es 200 Boxen und Fächer, die in 25 Farben gehalten, an der Wand aufgereiht sind. Jedes Fach gehört einem Kind, das seine persönlichen Dinge und Habseligkeiten darin aufbewahren kann. Wenn die Kleinen ihr Spielzeug suchen, oder sich umziehen, finden sie alles in ihrer färbigen Box. Ein gutes Ordnungs- und Orientierungssystem, das gleichzeitig die Wahrnehmung für Farben und deren leichte Nuancen schärft.

 

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Die bunten „Bäume“ an der Fassade verleihen der nüchternen Architetur des Kindergarten ein fröhliches Aussehen.

 

Während die vollflächigen Verglasungen der Fassaden ein Gefühl der Öffnung und Transparenz vermitteln, bringen die das Gebäude umhüllenden Bäume eine Möglichkeit der Distanzierung zur Außenwelt. Sie schirmen die Kinder auch visuell ab und schützen sie mit einer sanften Geste. Die Stiegenhäuser, welche die vier Ebenen verbinden, benutzen 18 verschiedene Farben. So ändern sich der Innenraum und die Wahrnehmung ständig, je nach dem, ob man hinauf- oder die Stiegen hinuntergeht.

 

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Die färbigen Bäume haben auch Eingang in das Logo des Kindergartens gefunden, auch an anderen Orten, wie den Schuluniformen und dem Bus der Institution, wurde es angebracht. So entsteht ein Sinn für das Ganze, für eine Einheit.
Architektin Moureaux verwendet Farbe in vielen ihrer Projekte. Und zwar immer als dreidimensionales Objekt, als zusätzliche Ebene, nicht als Dekor oder Oberflächengestaltung. Sie bezieht sich dabei auch auf das japanische Wort „shikiri“, das soviel wie „Teilung durch die Verwendung von Farben“ bedeutet. Denn der Aufenthalt in farbenfrohen Räumen fördert die Sensibilität und die Persönlichkeit des Menschen.

 

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Eine fröhliche Farbpalette im Inneren gibt Orientierung und fördert, so die Architektin, die Sensibilität und die Persönlichkeit der Kinder.

 

Creche Ropponmatsu Kindergarten
Fukuoka City, Japan

Bauherr:            Kusagae-en Social Welfare Corporation
Planung:            emmanuelle moureaux architecture + design
Statik:                Orimoto Structural Engineers

Grundstücksfläche:    417,48 m2
Bebaute Fläche:          234,10 m2
Nutzfläche:                  697,40 m2
Planungsbeginn:        02/2016
Bauzeit:                        5 Monate
Fertigstellung:            04/2017

 

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Fotos: ©Daisuke Shima

Text: ©Reischer Peter

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Kategorie: Newsletter, Projekte