ÖBB goes LED

21. November 2014 Mehr

 

Europas erster Bahnhof mit 100 Prozent LED-Bahnsteigbeleuchtung ist weitgehend fertiggestellt.

Der Grazer Uhrturm bekommt ernsthafte Konkurrenz als Wahrzeichen der Stadt – die beeindruckende wellenförmige Bahnsteigüberdachung am Bahnhof Graz wurde im Rahmen des Infrastrukturprojektes vom Architekturbüro Zechner & Zechner entworfen und bereits großteils umgesetzt. Sie überspannt in Form von zwei großen, teils transluzenten Bögen und den anschließenden Standarddächern Bahnsteige, auf denen täglich rund 30.000 Bahnkunden abgefertigt werden.

Weil sich in der Planungsphase gerade die Beleuchtung als große Herausforderung erwies, (sämtliche sicherheitstechnischen Anforderungen im Bahnsteigbereich waren mit Wartungsfreundlichkeit und einer visuell ansprechenden Erscheinung in Einklang zu bringen), wurde podpod design mit der Lichtplanung beauftragt, die schließlich zur Gratwanderung zwischen technischem Know-how und künstlerischem Feingefühl wurde. Das Licht war nämlich ursprünglich von den Architekten als durchgehendes Band angedacht, was sich jedoch in der Praxis als schwierig erwiesen hätte, weil in jedem Fall die Stöße zwischen den einzelnen außenraumtauglichen Leuchten diese Linie unterbrochen hätten. Auch die geometrische Freiform der Dachkonstruktion, mit Verwindung der Knickkante in Längs-, Quer- und vertikaler Richtung, hätte große Probleme mit einer mehrfach überlagerten Polygonalität mit sich gebracht.

Wahl der Mittel
Um möglichst objektiv an die Aufgabe heranzugehen, wurden verschiedene Technologien – konventionelle Leuchten wie auch LED-Leuchten – ins Wettrennen geschickt und im digitalen Modell Produkte von verschiedenen Herstellern verglichen. Erst mit einer neuen Generation der höchst energieeffizienten LEDgine-Module von Philips konnte der Energieverbrauch drastisch gesenkt werden. Basierend auf diesen Erkenntnissen wurde ein modulares Leuchtensystem entwickelt, das sich flexibel in verschiedene Rastermaße anpassen lässt. Durch die Standardisierung der Module bleibt die Austauschbarkeit der Leuchtmittel erhalten. Werden aufgrund der technischen Weiterentwicklung effizientere Module entwickelt, können diese ausgetauscht werden, ohne die ganze Leuchte zu ersetzen.

Besonders wichtig war für die ÖBB aber neben der Wirtschaftlichkeit der Leuchten auch die Gleichmäßigkeit der Beleuchtung. Weitere Voraussetzungen waren Blendungsvermeidung (speziell jene der Lokführer), Effizienz und Wartungsfreundlichkeit (für einen Leuchtentausch muss das betroffene Gleis komplett gesperrt werden und die Oberleitung spannungsfrei geschaltet werden), sowie die Einhaltung der technischen Spezifikationen bezüglich des Beleuchtungsniveaus. Eine zusätzliche Herausforderung waren in diesem Zusammenhang die großen Höhenunterschiede im Bereich des Wellendaches, da die Zahl der eingesetzten Optiken (und damit der Leuchtentypen) möglichst klein gehalten werden sollte.
Es stellte sich aber schließlich heraus, dass die Wellenform an sich genau diese Ungleichmäßigkeit ausgleicht: Im hohen Dachbereich wird das Licht der Leuchten gebündelt, im niederen gleichsam gespreizt. Dadurch konnte nicht nur eine sehr hohe Gleichmäßigkeit der Beleuchtung am gesamten Bahnsteig erreicht werden, es war auch nur ein einziger Leuchtentyp erforderlich. Der Gestaltungsansatz als Perlenkette ließ auch die Investitionskosten sinken, da in Summe weniger Leuchten erforderlich waren, da die Lichtaustrittsfläche nicht über die gesamte Länge ausgebildet werden muss und daher die Leuchtenanzahl deutlich geringer ist.

Punktlandung
Ein weiterer Faktor, welcher der LED zugutekam, ist deren präzise Lichtverteilung. Das Licht trifft wirklich nur auf die Flächen, auf die es auch wirklich treffen soll, und mittels Konstantlichtstromregelung kann über den ganzen Lebenszyklus die erforderliche Beleuchtungsstärke sehr genau einhalten werden. So lag am Bahnsteig der gemessene Wert nur 4 lx über dem errechneten.

Durch die neue Beleuchtung werden in diesem Bereich eine Energieeinsparung von mindestens 40 Prozent und eine CO2-Reduktion von etwas mehr als 50 Tonnen pro Jahr erreicht. Der Grazer Bahnhof war (nach mehreren Teststrecken auf einigen kleineren Bahnhöfen in Österreich) als Pilotprojekt für den Einsatz von LED-Leuchten in größerem Rahmen konzipiert. Doch die guten Erfahrungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Lichtqualität spielen sicherlich auch bei anderen Großprojekten eine Rolle hinsichtlich der Entscheidung für die LED.
Zurzeit laufen noch die Umbauarbeiten an den verbleibenden Bahnsteigen, die bis spätestens Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen werden. Damit wird die komplette Beleuchtung erneuert sein und der Grazer Hauptbahnhof in neuem Licht erstrahlen.

Grafik: podpod design
Fotos: Manfred Seidl

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Kategorie: Licht, Produktnews

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