Neubau eines Ateliers an der schottischen Küste

6. Juni 2019 Mehr

Die Pyramiden von Kintyre

Auf der windgepeitschten schottischen Halbinsel Kintyre trotzt ein kleines Künstleratelier dem rauen Klima und der feuchten Meeresluft. Architekt Eddie Blake und Studio Weave haben das Midden Studio an Dach und Fassade mit einer Außenhaut aus Titanzink ausgestattet. Das Gebäude zeugt gleichzeitig von der Widerstandsfähigkeit und Vielfältigkeit des Werkstoffs.

Die Architekten von Studio Weave aus London betrachten das kleine Atelier als „ein Kind der Liebe“, hervorgegangen aus einer Verbindung zwischen natürlichen Felsformationen und alten Herrenhäusern. Der Name Midden Studio deutet jedoch auf eine weniger prosaische Herkunft und stellt einen Bezug zum Standort her: Das ungebräuchliche englische Wort „midden“ bedeutet „Misthaufen“. Das Gebäude erhebt sich auf den Mauern einer alten Einfriedung. Sie hat vormals den Misthaufen der Stallungen umschlossen, die zum nahegelegenen Herrenhaus gehörten.

 

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Dach und Fassade müssen extremen Wetterbedingungen trotzen. Architekt Eddie Blake wählte VMZINC als einheitliches Material für die gesamte Außenhülle.

 

Verbindung zwischen Künstler und Ort

Studio Weave entwickelte das Midden Studio als Atelier für einen ortsansässigen Künstler mit dem Ziel, dessen tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat greifbar zu machen. Ein Großteil seines künstlerischen Schaffens ist eng mit der Landschaft Kintyres verbunden. Das Midden Studio erinnert gleichzeitig an die typischen Höfe der Umgebung und die aus der Landschaft aufragenden Granitfelsen. Eine Außenhaut aus rustikalem Zink lässt das Atelier fast selbst wie einen Felsen erscheinen.

Von außen erweckt das Midden Studio den Eindruck, aus zwei nebeneinanderstehenden Gebäuden zu bestehen. Innen verschmelzen diese jedoch zu einem einzelnen zusammenhängenden Raum mit einer Atelierfläche von 36 m². Aus dem Inneren bieten sich zahlreiche Durchblicke in die umliegende Landschaft. Den ungewöhnlichsten Blick gibt gleichwohl die Arbeitsfläche des Künstlers frei. In sie ist eine Glasscheibe eingelassen, durch die man auf einen unter dem Gebäude hindurchfließenden Bach schaut. Extra für diesen Blick wurde eine Ecke des Gebäudes über den Bachlauf hinweg gebaut. Dessen Murmeln und die Wellen des Atlantiks sind im Atelier ständig präsent.

So wehrhaft das kleine Gebäude mit der fast stachelig hervortretenden Zinkhaut von außen erscheint, so warm und einladend wirkt es von innen. Wände und Decken sind mit Birkenholz verkleidet. Im Satteldach sind drei große Dachfenster eingelassen, die das Atelier in Richtung Norden öffnen. Kleinere Fenster in den Wänden erlauben Blicke auf Meer und Küstenlandschaft.

 

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Freier Blick: Der Dialog mit der Natur ist ein wichtiger Bestandteil der Architektur und der Arbeit des Künstlers.

 

Die Vergangenheit als Inspirationsquelle

Nähert man sich dem Midden Studio, tritt das auffälligste Gestaltungselement der Außenseite immer deutlicher in Erscheinung: seine Oberflächenbeschaffenheit. Die Zinkbekleidung an Dach und Wand ist mit geprägten Kreuzen und pyramidenförmigen Rauten bestückt, die erhaben aus den flachen Zinkprofilen hervortreten. Die ungewöhnliche Ausarbeitung der Bekleidung lehnt sich an das Schaffen italienischer Baumeister zu Zeiten der Renaissance an. Das pyramidenförmige Muster der Bekleidung soll an Diamanten erinnern und findet sich am Palazzo dei Diamanti in Ferrara sowie an der Kirche Chiesa del Gesù Nuova in Neapel. Die Fassaden dieser Bauwerke zeigen Marmorblöcke deren Frontseiten ebenfalls pyramidenförmig ausgestaltet sind.

Projektleiter Eddie Blake ließ sich von den Meistern der Renaissance inspirieren, deren Kunstwerke er zu seinen Lieblingsbauwerken zählt. Nicht zuletzt ist diese Arbeit für ihn aber auch ein Ausdruck des Nachdenkens über die Beziehungen zwischen Schottland und dem europäischen Festland.

Unter dem Zink sind die tragenden Außenwände des Ateliers in Holzständerbauweise ausgeführt. Die Außenhaut selbst sitzt auf einer hölzernen Unterkonstruktion. Dazwischen findet eine Dämmung samt Luftschicht Platz.

 

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Die pyramidenförmige, erhabene Prägung der Zinkprofile wurde von Bauten aus der italienischen Renaissance inspiriert.

 

Patina erwünscht

Eddie Blake plante das Midden Studio mit dem Ziel, das Gebäude so gut wie möglich in die natürliche Umgebung einzubinden. Er suchte nach einem passenden Material, das sich gleichzeitig für Dach und Wand nutzen ließ. Obendrein musste das Atelier für extreme Wetterbedingungen mit sehr hohen Wind- und Schneelasten konzipiert werden. Blake wählte walzblankes Zink von VMZINC. Das Material lässt sich sicher verarbeiten, kann über lange Zeit dem rauen Meeresklima trotzen und verschmilzt durch den natürlichen Bewitterungsprozess der Oberfläche immer mehr mit seiner Umgebung. Durch die Bewitterung entsteht eine Patina, die die Außenhaut matt und hellgrau werden und weniger metallisch wirken lässt.

 

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Die alten Mauerreste, auf denen das Atelier steht, gehörten zu den Stallungen eines Herrenhauses.

 

Auf Maß gebracht

Zink ist ein sehr gut formbarer Werkstoff. So bot das walzblanke Zink die passenden Voraussetzungen, um die erhabenen pyramidenförmigen Motive als Teil einer einheitlichen Oberfläche von Dach und Fassade zu gestalten. Die Planung und Herstellung, der geprägten Zinktafeln übernahm ein Team bei VMZINC, das weitreichende Erfahrungen mit Ornamentik hat. Für das Midden Studio entwickelte das Unternehmen eine spezielle Prägeform, mit der sich das Motiv auf Paneelen von mehreren Metern Länge reproduzieren ließ. Da sich die einzelnen Paneele durch die Prägung verformen, stellte die Berechnung der korrekten Abmessungen der Zinkelemente die größte Herausforderung dar. Die Montagefirma HL Metals aus Dumbarton, ein Spezialist für Metalldächer, setzte die ungewöhnliche Außenhülle dann in der auch in Schottland gebräuchlichen Stehfalzdeckung um. Das Projekt zeigt, dass sich Zink gut eignet, um Gebäude mit sehr individuellen Gestaltungsmerkmalen zu realisieren. Im Falle des Midden Studio war dafür auf Seiten von VMZINC ein gewisser technischer Aufwand erforderlich. Nur so ließen sich die komplexen Prägeformen entwickeln und genau mit den Projektanforderungen abgleichen.

 

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Das Atelier wurde so platziert, dass der Blick durch eine Glasplatte in der Arbeitsfläche auf den darunter fließenden Bach fallen kann.

 

Bautafel

Objekt:
Midden Studio, Künstleratelier in Kintyre, Schottland

Bauherr: privat

Architekten:
Studio Weave, London, UK
www.studioweave.com

Ausführender Betrieb für die Zink-Arbeiten:

HL Metals Ltd., Dumbarton, UK
www.hlmetals.co.uk

Statiker:
Webb Yates Engineers Ltd., London, UK
www.webbyates.com

Nutzfläche: 36 m²

Technik:
VMZ Stehfalzdeckung mit Prägung

Oberflächenbeschaffenheit:
Walzblankes Zink

Hersteller:

VMZINC Center Österreich
Seitenhafenstraße 7
1020 Wien
info@vmzinc.at

 

VMZINC

Das Midden Studio schafft eine Verbindung zwischen den natürlichen Felsformationen und den alten Herrenhäusern der Region.

 

 

Fotos:©Johnny Barrington,
www.johnnybarrington.com

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Kategorie: Wand

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