Alles BIO! – The Biological House

9. Oktober 2018 Mehr

The Biological House / Middelfart / EEN TIL EEN

Momentan werden die meisten Bioabfälle der landwirtschaftlichen Industrie verbrannt und so zu Energie verwandelt. Einige Fertigprodukte werden auch direkt zu Treibstoffen verwandelt und auf diesem Weg verbrannt. Alles zielt also auf die Vernichtung von Ressourcen, beziehungsweise deren Abfällen oder Reststoffen ab. In Anbetracht dessen, dass heuer der „Welterschöpfungstag“ wieder einige Wochen früher erreicht wurde, ist die Initiative und das daraus folgende Bauprojekt des dänischen Architekturbüros EEN TIL EEN gar nicht hoch genug einzuschätzen. Sie haben ein neues Einfamilienhaus, das „Biologische Haus“ entwickelt, selbstverständlich smart und wirklich benutzbar. Und das Gebäude besteht hauptsächlich aus Abfall.

Dieses Pilotprojekt steht in Middelfart, Dänemark und beruht auf einem modernen Wohnkonzept, dem ersten seiner Art und wurde basierend auf digitaler Technologie und unter Verwendung von hochqualitativem biologischen Abfallmaterial erbaut. Sein Aufstellungsort – der Eco-Park Biotope – ist ein klug gewählter Ort dafür, 120.000 Besucher werden es jährlich sehen und ausprobieren können. Es demonstriert hier die Speerspitze einer biobasierten Bautechnologie der Zukunft.

 

The Biological House

In Middelfart, Dänemark steht das erste Wohnhaus aus biologischen Abfällen der landwirtschaftlichen Industrie. Geplant und entwickelt von den EEN TIL EEN Architekten soll es neue Wege der Produktion von Baumaterialien aufzeigen und eine wirklich fast hundertprozentige regionale Wertschöpfung ermöglichen.

 

Aus Abfällen und Reststoffen der Landwirtschaft kann man heute Baustoffe und Materialien erzeugen, mit denen sich Holzprodukte wie Sperrholz oder OSB ersetzen lassen. Das biologische Haus versucht ein Musterbeispiel für den Gebrauch und die Anwendung dieser Produkte in einem völlig eingerichteten und funktionierendem Heim einer modernen Familie im 21. Jahrhundert zu sein. Durch die hauptsächliche Verwendung von landwirtschaftlichen Bioprodukten, bzw. Abfällen, demonstriert es deren Upcycling-Prozess in wertvolle Baumaterialien. Es soll so eine lokale „grüne“ Ökonomie begründen und zu einer einzigartigen Bautechnologie anregen. Die Fülle von Getreide- und Reisstroh, Schilfrohr, Hanf, Flachs, Seetang und andere Zellulosefasern haben so einen zweiten Lebensweg vor sich.

Das Cradle-to-Cradle-Prinzip wird in diesem Projekt weiter gedacht und ausgebaut. Die Intention der Architekten war es, ein modernes Wohnkonzept zu entwickeln und durch die Verwendung von Bio-Abfall gleichzeitig einen Beitrag zur Lösung der durch den Klimawandel hervorgerufenen Probleme zu erzielen. Auch die globale Wohnraumkrise kann durch solch einfache, leistbare, nachhaltige und gesunde Bauten in einem globalen Kontext gemildert werden. Auch dadurch, dass das Haus jederzeit wieder abgebaut und woanders neu errichtet werden kann, alle Materialien wiederverwendbar sind, sie auch verkauft oder an die Natur zurückgegeben werden können – setzt dieses Projekt neue Maßstäbe.

Beim Design und der Konstruktion des Projektes verwendete man innovative Techniken, die teilweise während der Entstehung erst entwickelt wurden. Zum Beispiel steht das Gebäude auf eisernen Schraubpfählen anstatt auf traditionellen Stahlbetonfundamenten. Für die gesamte Außenverkleidung hat man Kebony-Holz (siehe Kasten) verwendet. Es benötigt keinerlei Nachbehandlung und ist bei nordischen Architekten sehr beliebt. Isolierschichten in den Zwischenräumen sind mit getrocknetem Seegras verfüllt. Fenster sind mit einer Lüftungsmechanik versehen und Solarzellen und eine Salzwasserbatterie (siehe Kasten) zum Strom speichern werden für die Energieversorgung benutzt.

Das Projekt hat relativ lange in der Entwicklung gedauert und während des Prozesses mussten viele Lösungen neu erfunden werden. Im Sinne von Nachhaltigkeit und Vorbildwirkung sind die Architekten EEN TIL EEN bereit, ihre Erfahrungen und Kenntnisse mit anderen Bauwilligen zu teilen, um einen möglichst vollständigen Kreislauf der Ressourcen und der Produktkette beim Bauen zu ermöglichen und anzuregen.

 

 

The Biological House
Middelfart, Dänemark

Bauherr: The Danish Ministry of Environments
Planung: EEN TIL EEN
Statik: AB Clausen

Bebaute Fläche: 142 m2
Nutzfläche: 135 m2
Planungsbeginn: 2014
Bauzeit: 12 Monate
Fertigstellung: 2017
Baukosten: 2.000 Euro/m2

Kebony-Holz des gleichnamigen norwegischen Fabrikanten ist eine Alternative zum bereits bedrohten und gefährdeten Tropenholz und auch zum üblichen imprägnierten Holz. Beim Herstellungsprozess wird ein flüssiges Abfallprodukt der Zuckerindustrie (Furfuryl Alkohol) zur Holzveredelung von Weichholz verwendet. Unter Druck, Vakuum und Hitze bindet die Flüssigkeit die Zellstrukturen des Holzes zusammen und verstärkt und erreicht so die Eigenschaften von Harthölzern. Diese Hölzer sind FSC und PEFC zertifiziert, benötigen keine Nachbehandlung, nur eine zeitweilige Reinigung und wenn sie altern bekommen sie eine silbergraue Patina.

Salzwasserbatterien sind mit konzentrierter Salzlösung als Elektrolyt befüllt. Sie sind nicht brennbar und leichter zu recyceln, als die traditionellen Batterien mit giftigen oder entzündlichen Stoffen.

 

Biological House Plan

 

Fotos:©EEN TIL EEN & Ventilationsvinduet.dk

Text:©Peter Reischer

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Kategorie: Projekte

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