Antivilla

22. Mai 2015 Mehr

 

Wohnen kann auch Irritationen erzeugen. Das bewies das Büro Brandlhuber+ beim Umbau eines Stofflagers in ein Wohn- und Atelierhaus am Krampnitzsee, südwestlich von Berlin. Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Pichler entwickelten die Architekten ein Konzept, das eine Anpassung an die neuen Nutzungsanforderungen mittels weniger gezielter Eingriffe ermöglichte: Das Satteldach aus Asbest-Wellplatten wurde abgetragen und durch ein neu konzipiertes Flachdach ersetzt. Dieser Überzug wurde statisch so ausgebildet, dass darunter fünf Meter breite Wandöffnungen in das vorhandene Mauerwerk geschlagen werden konnten. Die Durchbrüche stellen eine zeitliche Referenz zum Bestand und zur früheren Funktion her. Weniger wichtig war in diesem Fall die übliche bauphysikalische Isolierung der Außenhülle. Das Innere wurde entkernt und im Obergeschoss ein Nasszellenkern samt Sauna installiert. Dieser Saunaofen bildet nun den Ausgangspunkt der erwünschten oder notwendigen Behaglichkeit. Im Winter bildet sich ein ca. 50 m2 großer Bereich, in dem gewohnt wird, während die Räume zur Außenseite hin entsprechend kühler temperiert sind. Zonierungen werden durch raumhohe Abtrennungen aus PVC-Folien geschaffen. In den wärmeren Jahreszeiten dehnt sich die Wohnzone bis zur Maximalfläche von 510 m2 aus. Entsprechend den Temperaturzonen bilden sich gegenläufige Helligkeitszonen, die den unterschiedlichen Anforderungen genügen.

 

 

Reyner Banhams Konzept der „Architektur der wohltemperierten Umwelt“ ist wohl in diese Überlegungen mit eingeflossen. Banham stellte fest, dass intelligente Gebäude und Nomadenvölker energiegestützte Lösungen (im Gegensatz zu den konstruktiven, wie sie im üblichen Architekturverständnis praktiziert werden) bevorzugen: Ein Raum wird durch Energie gebildet, z. B. ein Lagerfeuer, das Wärme und Licht spendet. Die Raumgrenzen sind vage, der Raum in Zonen unterschiedlicher Helligkeit und Wärme differenziert. Die Umwelt wird aktiv moduliert und dieses Denken bildet einen interessanten Ansatz in Richtung Nachhaltigkeit.

 

Fotos: rica Overmeer

 

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Kategorie: Projekte

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