Der Anstoß – Isenberg School of Management Business

27. Juni 2019 Mehr

Isenberg School of Management Business Innovation Hub / Amherst
BIG-Bjarke Ingels Group, Goody Clancy

Es ist ein Spiel, allerdings in einem sehr großen Maßstab. Die BIG-Bjarke Ingels Group, in Zusammenarbeit mit Goody Clancy Architekten als Büro vor Ort, hat den Anstoß gegeben und eine Reihe aus Dominosteinen fällt gerade um. So präsentiert sich der Anbau des Business Innovation Hub an die University of Massachusetts in Amherst.

 

Isenberg School of Management

Die BIG-Bjarke Ingels Group in Zusammenarbeit mit Goody Clancy Architekten als Büro vor Ort haben die ehemalige, seit 1964 bestehende Isenberg School of Management mit einem Business Innovation Hub als Erweiterung versehen. Damit werden die Flächen für Studenten und Lehrpersonal fast verdoppelt und der Anbau aus „fallenden“ kupferfarbenen Dominosteinen ist gleichzeitig eine Landmark für den Campus.

 

BIG und Goody Clancy hatten 2015 den Auftrag erhalten, flexible und inspirierende Räume für die Isenberg-Studenten zu schaffen. 6.500 Quadratmeter Flächen für ein „hyper-collaborative study“* und Gemeinschaftsbereiche sind mit dieser Architektur an die bestehende Struktur einer der Top 30 Wirtschaftsschulen der USA angefügt worden. Die Erweiterung (zusammen mit einer teilweisen Renovierung) verdoppelt fast den verfügbaren Raum, um weiteren 150 Mitarbeitern und 5.000 Studenten ein vernetztes und innovatives Studieren zu ermöglichen.

Prominent situiert, in der Nähe des Eingangs zum Campus, begrüßt eine dramatische, dreiecksförmige Glasfassade mit einem Dominoeffekt. Die Außenhülle des Gebäudes wird nämlich von vertikalen, geraden, mit Kupfer verkleideten Säulen gebildet und diese neigen sich (oder fallen) sanft in Richtung Haupt­eingang. Hier bildet die letzte Säule die obere Begrenzung der großen, gläsernen Eingangsfront. So entsteht ein gekurvtes Bild, ohne jedoch gebogene Elemente zu verwenden.

Das Business Innovation Hub ist direkt an die seit 1964 existierende Schule angebaut. Die Erweiterung schließt an die Nordseite des Baukörpers an, schwenkt in einem 270-Grad-Bogen nach Osten und schafft dort wieder eine Verbindung mit der bestehenden Substanz. Der Bogen vereint Mitarbeiter und Lehrkörper unter einem Dach, schafft eine neue Eintrittssituation zugleich mit einer starken, visuellen Identität für das Isenberg-Management.
Im Zentrum des Bogens entsteht ein offener, begrünter Hof zur Nutzung für alle Anwesenden. Ein offener Garten und Steinbänke laden hier zum Sitzen, Nachdenken und auch zur Entspannung ein. In der Nacht glüht der Körper von innen und wird so zu einem einladenden Wahrzeichen für die Schule. Er schafft auch eine bleibende Identität und Erinnerung für Studenten, Mitarbeiter und Lehrer.

Aus Gründen der Baugesetze und des Feuerschutzes ist der Anbau etwas vom ursprünglichen Volumen abgesetzt und nur durch Brücken mit ihm verbunden. Das Äußere der Architektur ist mit Kupferpaneelen verkleidet, zwischen den Säulen liegen Glasflächen. Die Verwitterung wird dem Metall eine Färbung vom dunklen Ocker hin zu einer bleibenden Patina verleihen. Im Bezug auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit versucht das Projekt auch, die LEED Silber Zertifizierung zu erreichen.

 

Isenberg School of Management

Überall sind Sitzgelegenheiten und Orte für Kommunikation – so wird ein „hyper-collaborative study“ ermöglicht.

 

Vom Eingang gelangen die Studenten in die ca. 500 Quadratmeter großen Lernbereiche. Das Tageslicht dringt hier zwischen den einer Ziehharmonika gleichenden Zwischenräumen der Fassade ein und belichtet das mehrgeschossige Atrium. Hier ist das Herz der Schule mit Lernen, Netzwerken und Essen angesiedelt und diese hellen und geräumigen Bereiche dienen auch als Bühne für Gastvorträge, Feste, Bankette und Abschlussfeiern.
Jeder der Räume in den Obergeschossen wird entweder von außen oder vom zentralen Hof her, natürlich belichtet. Im ganzen Business Innovation Hub sind alle Räume auf Interaktion und Teamwork gerichtet. Polstersessel schmücken die Gänge, Sitzbänke gibt es auf der großen Stiege und die Bestuhlung der Klassenzimmer kann jederzeit und leicht für Vorträge oder kleine Gruppenarbeiten umgestellt werden. Auf der zweiten und dritten Ebene befinden sich die Forschungslabors, Unterrichtsräume und die Verwaltung. Um die Karriere der Studenten zu fördern, ist jeder Klassenraum auch mit einer Technologie für „externes Lernen“ ausgestattet. Neue Lehr- und Lernmöglichkeiten beinhalten zwei „hybride“ Klassenräume, einen Raum für finanzielle Analysen und einen Bereich für Börsensimulationen, 15 Interview­räume, zahlreiche Konferenzräume, Pausenbereiche etc. sind auch in dem Bogen untergebracht.

Der Innenhof verbindet sich über zwei Ausgänge wieder mit dem Campus, sie führen unter den Verbindungsbrücken hindurch. Die größere der Brücken ist auch mit Kupfer verkleidet und bildet die Hauptverbindung zum ursprünglichen Gebäude und auch den Eingang in den Hof von außen, die kleinere – nur mit Glas geschützt – sorgt für eine optische Kontinuität in der Rundung des Innenhofes.

 

Isenberg School of Management Business Innovation Hub
Amherst, Massachusetts, USA

Bauherr: University of Massachusetts Building Authority
Planung: BIG-Bjarke Ingels Group,
Ausführendes Architekturbüro: Goody Clancy
Mitarbeiter: Richmond So Engineers, BIG IDEAS, Nitsch, VAV, Towers Golde, Haley & Aldrich, Acentech, HLB, SGH, PEER, WIL-SPEC, VGA, Lerch Bates, LN Consulting, Mohar Designs
Statik: Arup

Bebaute Fläche: 6.500 m2
Planungsbeginn: 2015
Fertigstellung: 2019

*Der Begriff „hyper-collaborative study“ basiert auf dem grundsätzlichen Gedanken eines innovativen Ökosystems. Nicht Einzelgesellschaften werden die notwendigen Lösungen, auf die die Welt wartet, erarbeiten, sondern man ist dazu aufgefordert, Ökosysteme als das, was sie sind, wahrzunehmen: Keine Einkaufsläden voller Möglichkeiten zur Selbstbedienung, sondern Kampfgebiete, in denen Gesellschaften um die besten Partner ringen, um mit diesen Netzwerke und Technologien zu entwickeln und einen Mehrwert zu generieren. Das bedeutet auch, dass – bis das Gegenteil bewiesen ist – immer schon irgendwo, irgendwer die beste Lösung gefunden hat, aber wahrscheinlich befindet sich die Person nicht in der Firma, in der man gerade arbeitet.

 

 

Fotos:©Max Touhey & Laurian Ghinitoiu

Text:©Peter Reischer

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Kategorie: Projekte

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