Der Ort am Ende des Weges – Renzo Piano

18. Juli 2017 Mehr

Château La Coste Art Gallery / Frankreich / Renzo Piano Building Workshop

Betritt man die von Renzo Piano Building Workshop (RPBW) errichtete Château La Coste Art Gallery in den gleichnamigen Weinbergen in Frankreich, so  wird der architekturaffine Betrachter unweigerlich an Landart-Projekte oder Arbeiten des österreichischen Künstlers Walter Pichler (1936–2012) erinnert. Pichler war sowohl ein Visionär als auch ein disziplinärer Grenzgänger, der mit seinen Skulpturen, Installationen und architektonischen Entwürfen schon früh im Kunstkontext gezeigt wurde. RPBW behandelt nun diese Intervention in der Landschaft, den Raum, in einer ähnlichen, fast sakral anmutenden Intention.

Ein langer Gang führt allmählich in das Erdreich absenkend, zu einer kleinen, in sechs Meter Tiefe unter der Landschaft liegenden Galerie für Fotografie. Der Zugang ist wie ein „sich in das Schatzhaus des Atreus bewegen“, oder eben wie Walter Pichler die Behausungen für seine „Kinder“, seine Skulpturen geplant hat. Nichts ist dem Zufall überlassen. Eine Seite bildet eine Sichtbetonwand, dann folgt auf der anderen Seite, die grüne Böschung ablösend, die zweite Betonscheibe. Eine Metall-Glas-Konstruktion gibt, nach einem leichten Knick in der Wegrichtung, den Zugang in die Galerie frei: puristisch, kühl, archaisch. Der 168 m2
große Raum weitet sich trapezförmig nach vorne auf und wird von einer weiteren filigranen Glaswand abgeschlossen. Ein Vorplatz dient zur Aufstellung von Skulpturen, daran anschließend ein Wasserbecken, in dem sich der Himmel spiegelt und der Blick in die Weinberge, die Natur. Im Außenbereich sind alle umliegenden Flächen für den Weinbau genutzt, der ökologische Footprint ist minimal.

„Die Gestalt eines Bauwerkes entwickelt sich nicht aus den materiellen Bedingungen eines Zwecks. Ein Bauwerk soll nicht seine Benützungsart zeigen, ist nicht Expression von Struktur und Konstruktion, ist nicht Umhüllung oder Zuflucht.“ Hans Hollein.

 

RPBW ist allerdings einen Schritt über Pichler hinausgegangen: Der Architekt hat nicht wie Pichler nur monolithische, aus Erde, Beton oder Holz errichtete Formen benutzt, sondern bei ihm ist die Decke der Galerie eine moderne, filigrane, technische Konstruktion. Er spielt mit der Auflösung der Materie, sozusagen sein Tribut an die Zeit. Auf dünnen Metallbögen spannt sich ein Segel, welches Schutz für das „Darunter“ bietet, über die Galerie. Diese Bögen sind ein Echo auf die Strukturen der Weinfelder und ermöglichen die Verankerung der Konstruktion in der Umgebung. Wie ein gelandeter Drache betonen sie die Horizontalität und Leichtigkeit der Idee. Im Inneren profitieren die Räume und die Kunst vom Naturlicht, welches durch die transluzenten Membranen eindringen kann.

Die beiden verglasten Abschlussfassaden sind ein starker Kontrast zu den Stützmauern und den Wänden der insgesamt 285 m2 großen Galerie. Als ob – der Wegrichtung folgend – der Raum durch die Architektur weiterfließen würde. Natürlich kann der Raum auch für Weindegustationen verwendet werden, momentan (bis 3. September 2017) ist hier der japanische Fotokünstler Hiroshi Sugimotozu sehen.

 

New Pavilion by Renzo Piano in Chateau La Coste

Filigrane Stahlbögen mit einer transluzenten Bespannung ruhen – fast wie eine Maschine – über dem unterirdischen Raum.

 

Château La Coste Art Gallery
Le Puy-Sainte-Réparade, Frankreich

Bauherr:            SCEA Château La CostNew Pavilion by Renzo Piano in Chateau La Coste
Planung:            Renzo Piano Building Workshop
Mitarbeiter:      Tangram Architectes
Statik:                 ARUP, AECOM

Nutzfläche:                  285 m2
Planungsbeginn:        2009
Bauzeit:                        2016 – 2017
Fertigstellung:            05/2017

 

Grafiken: ©Architen Landrell

Fotos: ©Stephane Aboudaran / WE ARE CONTENT(S), Ph. Maurits Van der Staay

Text: Peter Reischer

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Kategorie: Projekte

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