Drei Betonzimmer – Ridge House

7. August 2019 Mehr

Ridge House / Kalifornien / Mork-Ulnes Architects

Das Ridge House in Kalifornien

Ridge House

 

Im Norden Kaliforniens, in einem Weinbaugebiet, liegt, umgeben von den dort typischen Hügeln und vielen Weinfeldern, eine charmante kleine Stadt. Fährt man dort eine der kleinen, kurvigen Straßen die Hügel hinauf, hat man einen tollen Ausblick über die Landschaft. Auf einem dieser Hügel liegt das Refugium einer jungen Familie aus der Bay Area. Ein schon bestehendes Gästehaus mit einem Schwimmbecken liegt eingebettet zwischen Hainen aus Heidekraut und Pinienwäldern auf einem kleinen Plateau. Ein abgeschiedener Rückzugsort aus dem Alltag. Der über 70.000 Quadratmeter große Besitz bietet allerdings – abgesehen von der grandiosen Aussicht – wenig ebene Fläche als Bauland.

Die Mork-Ulnes Architects waren vom Besitzer gefordert, ein neues, zusätzliches Gästehaus zu errichten. Da die Familie ständig größer wurde, benötigte man Raum für die Besucher, wie auch für die größeren Kinder. Die Architektur sollte ebenfalls in der Nähe des Pools angesiedelt sein und deshalb entschlossen sich die Architekten, den Neubau auf Stelzen aus dem geringen ebenen Grund in den Hang des Hügels hinausragen zu lassen. So wurde auch der vorhandene ebene Bereich nicht verbaut und andererseits der Ausblick in die Landschaft gewahrt.

Ein weiteres Kriterium war es, feuersicher zu bauen, da dieser Teil Kaliforniens fast alljährlich von Buschbränden heimgesucht wird. Deshalb benutzte man fast ausschließlich Beton für den Bau, und als im Jahr 2017 große Wald- und Buschbrände die Gegend verwüsteten, überlebte das Betongebäude diese Katastrophe.

Die Besitzer wollten drei separate Gästezimmer mit eigenen Eingängen, angeschlossenen Badezimmern und je einer Außenterrasse. Ebenso sollte es ein Projekt mit geringen Wartungskosten sein. Sie präferierten holzverschalten Beton aufgrund seiner organischen, taktilen Qualität und der Fähigkeit, sich optisch den umgebenden Felsformationen anzupassen. Die Holzschalungen mit ihren deutlich sichtbaren Strukturen im Beton wecken auch Erinnerungen an die Tradition des Holzbaus, der in dieser Gegend beheimatet ist.

Durch den Entschluss, die drei benötigten Räume getrennt und nicht in einem Volumen zu realisieren, wirkt das Gesamtvolumen kleinteilig und passt sich besser der Landschaft an. Es ist, als ob drei Schutzhütten in einer Wildnis errichtet wurden. Die Topografie fließt in den Entwurf mit ein und das Grundstück bestimmt die Form und Lage. Die drei Körper steigen treppenartig den Hügel hinab, einer immer etwas tiefer als der vorige. Ein durchgehendes, vielfach gegabeltes Dach vereint die drei Räume und die Dachform referiert gleichzeitig die Bergketten und Täler der natürlichen Umgebung.

 

Ridge House Mork

Privat, abgeschieden und mit traumhafter Aussicht sind drei Gästesuiten zu einem Feriendomizil hinzugefügt worden.

 

Aus der Perspektive des Pools und der Gartenebene, sind die drei Körper solide Betonprismen. Durchschreitet man die Umhüllung aus Beton, dehnt sich der Raum aus und bietet den Blick in die unendliche Weite der Landschaft. Gläserne Grenzen definieren die Raumgrößen und sind auch der einzige materialmäßige Kontrast zum Beton, als dem Hauptmerkmal und -element der Architektur.
Die Bodenplatten ragen aus dem Zimmer hinaus und gewähren so jedem Raum seine eigene, privilegierte, Aussicht und Terrasse. Die Orientierung der Zimmer weg von den sozialen Zonen des Gartens und des Pools bieten Intimität und sichern auch die thermische Performance des Gästehauses. Die soliden Betonwände und die Decke schirmen das Innere der Räume während der stärksten Hitzeperiode im Sommer ab. Die doch beträchtliche Speichermasse hält die Räume kühl und wärmt sie an kühleren Tagen. Der weite Vorsprung des Daches schützt die Terrassen und betont dabei auch den Fluss des Innenraumes der Gästesuiten in den Außenbereich.

Die südlichen und westlichen Wände sind komplett aus grauem Beton gestaltet. Nur eine kleine, quadratische Öffnung wie ein Punkt dient zur Belichtung der dahinter liegenden Badezimmer – sie unterbricht die plane Fläche. Die Nord- und die Ostseite sind verglast, mit Schiebetüren und auch fixen, aber rahmenlosen Verglasungen.
Um einen gedämpften Eindruck im Inneren zu erzielen, sind die Oberflächen aller Betonwände hier glatt gespachtelt worden. Vom Architekten eigens entworfene helle, warme Pinientüren lösen stellenweise die harten Beton- und Glasflächen ab. Sie sind aus massivem Pinienholz, mit Lauge behandelt und gekrönt von extra angefertigten, gekurvten Holzgriffen. Auch das wiederum als Gegensatz zum Beton in Sichtqualität mit seinen harten Kanten.

Auch die Badezimmer zelebrieren die Dominanz des Hauptmaterials – sie unterstreichen den monochromen Charakter dieser Architektur. Architekt Mork-Ulnes hat auch hier die Details, wie Ablageflächen und Becken, entworfen. Die glänzenden Armaturen bilden dann einen interessanten Kontrast zu den matten Betonteilen.

 

Ridge House
Kalifornien, USA

Bauherr: privat
Planung: Mork-Ulnes Architects
Statik: ZFA Structural Engineers, Kevin Zucco and Drew Fagent

Grundstücksfläche: 74.000 m2
Nutzfläche neu: 78 m2
Planungsbeginn: 10/2014
Bauzeit: 01/2016 – 06/2018
Fertigstellung: 06/2018

Fotos:©Bruce Damonte

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Kategorie: Projekte

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