Ein Gebäude wird zur Landschaft

28. Mai 2015 Mehr

 

Neubau Forschungs- und Erlebniszentrum paläon

Weiß man, dass die natürliche Umgebung des paläon in engem Zusammenhang mit der Wahl seiner Außenhaut steht, versteht man auch die besondere Formgebung der Grundform und Außenflächen. Wegverbindungen gehen von seinem Volumen aus und bilden Sichtachsen, welche die Landschaft zu (unter)teilen scheinen. Zu besonderen Aussichtspunkten werden die Besucher über wassergebundene Wegedecken geführt, deren Formen in direktem Zusammenhang mit der Gestaltung des Gebäudes steht. Sie lehnen sich formal an seine kantige, harte Kubatur an und grenzen sich bewusst von ihrer restlichen Umgebung ab. Mit seinen Ecken, Schrägen und Verlaufssprüngen stellt das Gebäude eine Abstraktion der hügeligen Landschaft dar, nimmt ihre Farben und Inszenierungen in seiner Außenhaut auf und präsentiert sich als skulptural ausdrucksstarkes Wahrzeichen für den Ort.

 

 

Großformatige, scharfe Einschnitte in der Hülle inszenieren bewusst gezielte und weitläufige Ausblicke, deren regelmäßig unterteilte Öffnungen von außen betrachtet wie Schatten auf dem Baukörper wirken und so der Architektursprache eine expressive Dynamik verleihen. Für die Außenhaut wurden Aluverbundplatten mit einer Stärke von vier Millimetern verwendet, die aus zwei Aluminium-Deckblechen mit einem Kunststoffkern bestehen. Um eine komplette Verspiegelung und einen homogenen Baukörper zu erzeugen, umhüllen die Platten das gesamte Gebäude und werden auch als Untersicht an Versprüngen und außen liegenden Deckenflächen eingesetzt. Durch schräg verlaufende Fassadenplatten, die zu verschieden ausgerichteten Fassadenfeldern zusammengefasst sind, nimmt das Bauwerk die verschobene und hügelige Landschaft wieder auf.

 

 

Die Einzelteile der Fassade wurden mit einem Klebesystem auf einer Aluminium-Unterkonstruktion verklebt, die ebenfalls dem Fassadenbild entsprechend schrägt verläuft. Dieses Klebesystem wurde hier erstmalig in dieser Art mit schräg verlaufenden Klebenähten eingesetzt – dieser von der bestehenden Zulassung abweichende Einsatz machte eine spezielle Zulassung für diesen Sonderfall erforderlich. Bei den der Witterung ausgesetzten Flächen schützen darüber verlaufende Dichtungen die Klebenähte vor Wasser, an der Unterseite wurden die Aluverbundplatten genietet. Die Ums-Eck-Führung der einzelnen Platten und das gesamte Fugenbild der vorgehängten und hinterlüftete Fassade lässt die Außenhaut des paläons homogen und flächig präzise wirken.

 

 

Über das paläon

Die Schöninger Speere sind mit ihren ca. 300.000 Jahren die bisher ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit. Das Geheimnis dieser Speere und die Darstellung der Lebensverhältnisse zu deren Entstehungszeit verbergen sich im paläon. Am Rand des ehemaligen Braunkohletagebaus, einer der bedeutendsten archäologischen Fundstellen der Welt, entdeckte man die Zeitzeugen und widmete diesen Komplex samt Außenanlage ausschließlich ihrer Präsentation. Das Züricher Büro Holzer Kobler Architekturen setzten sich in einem Wettbewerb gegen 23 Mitbewerber durch und schuf einen dreigeschossigen Baukörper, der trotz und gerade durch seine glanzvolle Solitärerscheinung mit der Landschaft verschmilzt.

 

 

Neubau Forschungs- und Erlebniszentrum, Schöninger Speere

Bauherr: Stadt Schöningen
Nutzer: paläon GmbH
Architekt/Fassade/Licht/Ausstellungsgestaltung: Holzer Kobler Architekturen
Landschaft: Topotek 1, Berlin
Fassade: Alucobond
Wettbewerb: März 2010 – Juni 2010 (1. Preis)
Planungsbeginn: März 2010
Baubeginn: September 2011
Fertigstellung: 24. Juni 2013
Grundstücksfläche: ca. 240.000 m²
BGF: 4.090 m²
Nutzfläche: 2.434 m²
Überbaute Fläche: 1.253 m²
Umbauter Raum BRI: 21.700 m³
Ausstellungsfläche: 600 m²
Ausstattung: Foyer, Caféteria, Shop, Garderobe, Vortragsraum, Besucherlabor, Arbeitsraum, Museumspädagogik, Büro, Archiv, Galerie, Eingang- und Fundmagazin, Dauerausstellung, Sonderausstellung

 

Text: Anja Leinich / Fotos: Jan Bitter

 

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Kategorie: Projekte

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