Ein gelungenes Renovierungsobjekt – Silver Linings

14. September 2018 Mehr

In China, genauer gesagt im Bamboo Sea Village in der Gemeinde Hufu, Yixing County befindet sich ein besonders gelungenes Renovierungsprojekt. Das Silver Linings Boutique Country Hotel ist die Neuinterpretation eines bestehenden Hotelbaus. Viele kleinere Eingriffe haben hier nicht nur eine neue, einladende Außenansicht sondern auch eine spektakuläre Nutzung des vorhandenen Raums ermöglicht.

 

Silver Linings

 

In der von Touristen gerne frequentierten Dorfkulisse würde man wohl eher ein traditionelles Folklore-Haus erwarten. Von diesen gibt es aber nur mehr wenige und auch das Silver Linings Hotel ist weit entfernt von historischen Vorlagen. Vielmehr ging es dem Bauherrn bei der Renovierung um eine optimale Erweiterung trotz begrenzter Grundfläche. Gleichzeitig sollte aber doch auch ein Erscheinungsbild realisiert werden, das sich stimmig in die umgebende Bebauung einfügt. Dazu installierten die One Take Architects Zäune aus Bambusholz aus lokaler Produktion an der Fassade. Der im Verhältnis zur Kubatur kleine Vorgarten wird somit Teil des Ensembles. Bruchsteinmauerwerk in der Sockelzone zitiert die fehlende Gartenlandschaft.

Im Inneren bot das tragende Mauerwerk wenig Spielraum für Veränderungen. Vor allem das schmale Stiegenhaus über mehrere Ebenen zu öffnen, ohne es de facto erweitern zu können, stellte eine planerische Herausforderung dar. Die Architekten entschieden sich hier für eine Infinity Library, ein Bücherregal, das über mehrere Etagen vom Eingang bis zur Decke reicht, Atmosphäre schafft und Durchblicke zulässt. Spiegel da und dort schaffen zusätzlich die Illusion von Weiltläufigkeit.

Ein wesentlicher Gestaltungsansatz an allen Außenflächen war die Öffnung des Bauwerks mittels Fenstern, Balkonen und Terrassen. Erker weiten die Fläche in unterschiedlichen Ausformungen und verschieden dimensionierte Balkone und Terrassen strecken die Wohnfläche Richtung Freiraum. Auch der Lichteinfall, der durch neue Dachflächen- und Wandverglasungen, in den Raum dringt, war Teil der Inszenierung. Die wesentlichsten Materialen in den Zimmern sind Bambus und viel Holz – möglichst in naturbelassener Form und Oberfläche. Sand, Kies und sogar ein Baum mitten auf der Terrasse holen die Natur fast bis in den Wohnbereich.
Statt mit Gips sind die Wände mit einem Gemisch aus Kalk, Stroh und Bambusschnitzel verputzt, wodurch sie eine angenehm weiche Haptik erhalten und gemeinsam mit den Bambusverkleidungen an der Fassade für ein starkes Gefühl der lokalen Identität sorgen. Ein Designansatz, der wohl nicht nur in China, sondern überall dort inspiriert, wo man sich mit regionalen und kulturellen Identitäten auseinandersetzen muss.

 

 

Fotos: ©Kang Wie

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