Eine Landschaft aus Beton

13. Januar 2015 Mehr

 

Streetdome / Haderslev / CEBRA, Glifberg+Lykke

Ein rasenbedeckter Iglu ragt aus einer skulptural gestalteten Betonfläche heraus und Skater die in den, dem Dome vorgelagerten, konkaven und konvexen Flächen die waghalsigsten Manövern wie Grabs, Flips, Grinds und Flats ausführen – das ist keine Filminszenierung einer möglichen Endzeitvision, sondern das von CEBRA und Glifberg+Lykke gestaltete multifunktionale Freizeitzentrum am Hafen im süddänischen Ort Haderslev.

Das Projekt, das in Kooperation mit der Gemeinde entwickelt wurde, trägt den vielsagenden Namen „Streetdome“. Das architektonische Konzept für das Zentrum hat seine Anfänge schon im Jahre 2006, als der Aktivist und Obmann der „Skatecity Association“, Morten Hansen sich mit seiner Vision eines fließenden, großen Kontinuums für Aktivitäten, Freizeit und Kultur an Glifberg+Lykke wandte. Das Areal erstreckt sich über 6.500 m2 nahe der Uferlinie, davon stehen 4.500 m2 außerhalb des Domes an benutz- und befahrbarer Fläche zur Verfügung.

Die Designer implementierten alle Ideen aus einem umfassenden Dialog mit einer Großzahl der zukünftigen Benutzergruppen in das Projekt. Ihr Zugang zu der Oberflächengestaltung der Freizeitlandschaft gliedert sich in drei, sich überschneidende Bereiche: die städtebauliche Situation zwischen Straße und Wasserfläche, der Bereich der bewegungsorientierten Areale sowie der Park selbst. Dieser wird von den Mulden und bankartigen Erhöhungen charakterisiert – jedes Element oder Hindernis ist für einen anpassungsfähigen Gebrauch entworfen, sodass der Rhythmus und die Bewegungsabläufe in immer neuen Kombinationen erkundet und neu entdeckt werden können. Das erlaubt der Architektur, sich in einer Zeitlinie mit den subjektiven Fähigkeiten der Nutzer zu entwickeln und immer neue Eindrücke zu ergeben. Die athletischen Herausforderungen der Bahnen passen sich an die Leistungsebenen der Skater an und es scheint, als ob es keine Begrenzung für die Entwicklung neuer Kunststücke der Skater gibt. Das Areal beinhaltet übrigens auch ein Wasserbecken für Kanu-Polo.

Das Highlight des Komplexes ist der „Streetdome“, ein zusätzliches architektonisches Element, das in einer Zusammenarbeit mit CEBRA Architects entwickelt wurde.
Dieser Dome basiert auf dem Iglu-Hallen Konzept der Architekten. Um die laufenden Betriebskosten zu reduzieren, ist der Komplex unbeheizt und größtenteils durch Tageslicht beleuchtet. Seine Außenhaut ist durch die konkave Geometrie des Domes minimiert, das Dach spannt sich über 40 Meter und bietet so eine große Fläche ohne Unterbrechung durch lastabtragende Strukturen. An der Außenseite wird es zu einem funktionellen Teil des Skateparks – Bänke, Stufen und Quarterpipes entlang der Gebäudehülle, ein überdachter Außenbereich und ein Fußweg, der von dort weg am Wasser den Fjord entlang führt.
Der Innenraum eines solchen Domes kann für jede Art von Sport und Aktivität genutzt werden – in diesem Fall für Klettern, Basketball und Skateboarding. Hier befinden sich eine Vielzahl von Gruben und beckenförmigen Vertiefungen, die aus dem Boden ausgespart sind, genauso wie eine Fläche für Performances mit Sitzen sowie die nötigen Nasszellen, Umkleide und Technikräume. Große Türen öffnen sich und verbinden das Innere mit jedem Bereich des Parks in einem nahtlosen Fluss der Bewegung und Zirkulation.
Die Außenhülle des Domes ist mit Rasenflächen begrünt und bedeckt.

Der übergeordnete Sinn des Konzeptes war es, einen neuen Standard für unorganisierten Sport im urbanen Bereich zu schaffen. Die enge Zusammenarbeit der beiden Büros mit ihren Teams resultiert in einer Verschmelzung von Architektur, Design und Funktion. Sie formt sozusagen die DNA des Streetdomes und bindet den gesamten Park zu einem interaktiven Ganzen zusammen. So wird dieses Projekt zu einem offenen Spielplatz und ebenso zu einem sozialen Treffpunkt für verschiedene Altersgruppen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, immer lokal verwurzelt aber mit einem internationalen Gültigkeitsbereich.

Streetdome
Haderslev, Dänemark

  • Bauherr: Haderslev Municipality
  • Planung: CEBRA, Glifberg+Lykke
  • Statik: Ramboll
  • Grundstücksfläche: 6.500 m2
  • Bebaute Fläche:1.500 m2
  • Nutzfläche: 1.500 m2
  • Planungsbeginn: 2011
  • Bauzeit: 1,5 Jahre
  • Fertigstellung: 2014
  • Baukosten: 4,7 Mio. Euro

CEBRA hat schon früher eine Serie von Sportanlagen entworfen (architektur 06/14). Es sind kostengünstige Hallen in Leichtbauweise nach dem sogenannten Meccano-Prinzip. Es basiert auf eigentlich standardisierten, aus dem Regal des Baumarktes entnommenen Fertigteilen. Normalerweise kennt man sie von Lagerhallen und Industriebauten. Ähnlich wie das hier vorliegende Iglu-Konzept bietet diese Methode die Möglichkeit, öffentliche Gebäude für Sport und Freizeitaktivitäten zu errichten, die leicht an bestimmte Herausforderungen oder lokale (klimatische) Bedingungen, angepasst werden können.

Text: Peter Reischer / Fotos: Mikkel Frost

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Kategorie: Projekte

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