Fest verankert

21. Mai 2015 Mehr

 

Wohnbau / Schweden / Wingårdhs Arkitektenkontor AB

Die Schlagzeile, dass es nicht nur in Wien, sondern auch in Schweden achtgeschossige Wohnbauten gibt, würde kaum jemanden aufregen. Außer, wenn es sich dabei um Häuser, rein aus Holz gebaut handelt. Denn der Wettkampf um das höchste aus Holz gebaute Wohn- oder Bürohaus läuft mittlerweile weltweit. 

 

 

In Schweden hat das Architekturbüro Wingårdhs Arkitektenkontor AB in der Stadt Sundbyberg, einem Vorort Stockholms, schon im Jahr 2013 ein derartiges, achtgeschossiges Wohnhaus fertiggestellt. Das Gebäude mit dem Namen ‚Strandparken B‘ wurde vom Architekturbüro im Auftrag des Investors Folkhem fertiggestellt – dieser war einfach neugierig, die Potenziale von nachhaltigem Bauen mit Holz bei Wohnbauten zu erforschen. Der Bau beinhaltet 31 Apartments mit ein bis vier Zimmern und ist der erste von insgesamt vier Wohnbauten, die in einer kleinen Bucht der Insellandschaft nördlich der Stadt errichtet werden sollen. Sie gehören sicherlich zu den momentan höchsten, rein aus Holz errichteten Wohnbauten, aber da die Entwicklung auf diesem Gebiet sehr schnell voranschreitet, ist der Bau derartiger Architekturen nicht die Frage, die die Architekten und Investoren beschäftigt, nicht die der Höhe, sondern eher die, nach dem Herstellungspreis und der Leistbarkeit für den Bewohner oder Nutzer.

 

 

Im schwedischen Fall besteht die lastabtragende, statische Struktur aus vorfabrizierten Massivholzmodulen. Sie wurden durchgehend bis zur Attika durch Gewindestangen mit dem Fundament verbunden. Die 23 mm dicken Stahlstangen müssen das Haus quasi festhalten, da ein Holzhaus nur ungefähr ein Drittel eines Baus aus Beton und Stahl wiegt – sie verankern mit dem Erdreich.

Die äußere Erscheinung referiert in ihrer Ästhetik zu den traditionellen, archetypischen Häusern der Region mit Satteldach und ist von den vorfabrizierten Holzhäusern, die in Schweden seit Jahrhunderten gebaut werden, beeinflusst. Diese Bauten sind fast symbolhaft einfach und beziehen sich eher auf die Klarheit der 40er und 50er Jahre als auf die parametrisch verbogene Modernität. Ihr urbanes Bewusstsein und ihr Ausdruck könnten auch weiterhin für Planer und Architekten Anknüpfungspunkte sein.

Ein Problem bei Holzbauten ist nur, wie lässt man sie in Würde altern? Alle Jahre wiederholtes Anstreichen kommt da nicht infrage. In diesem Fall war die Lösung die Verkleidung mit Holzschindeln – ihre natürlichen Unterschiede nehmen die Farbschwankungen, wenn das Holz langsam grau wird, in sich auf. Wingårdhs benutzte Holzschindel, um die Außenfassaden zu verkleiden. Das betont auch die natürliche Konstruktionsmethode und ebenso wird Holz im Innenbereich für Böden und Wände der Verkehrszonen verwendet. Holz ist ja, wie wir alle mittlerweile wissen, ein 100% recycelbares Material und gewährleistet trockene und gesunde Bauwerke, aber natürlich braucht man für den Brandschutz eine Sprinkleranlage im Inneren.

 

 

Jeder Wohnung ist ein Balkon zugewiesen, die jeweils 14 m2 vergrößern die Wohnfläche zusätzlich. Verglaste Schiebetüren geben den Blick auf die Wasserflächen der Bucht frei. Die Parkgarage im Keller wird mit den Wohngeschossen durch zwei Lifte verbunden, diese öffnen sich in Korridore mit genug Platz für Sitzbänke sowie großen Fensteröffnungen, die natürliches Licht in die Erschließungswege bringen. Die Temperierung der Räume erfolgt mittels Fernheizanschluss und Fußbodenheizung. Der jährliche Energieverbrauch pro Quadratmeter beträgt in den beheizten Räumen 75 kWh/m2. Der Verkaufspreis liegt für die Apartments bei ca. 5.400 Euro/m2. Bezüglich der Herstellungskosten lag man beim Ersten der vier Häuser ca. 15 % über dem Preis einer konventionellen Konstruktion, das Zweite wird ca. 10 % über dem Preis liegen und bei den weiteren zwei Wohnhäusern wird der Preis gleich sein. Eines wird nach dem anderen errichtet, das ist eben ‚learning by doing‘!

Strandparken B / Sundbyberg, Schweden

Bauherr: Folkhem Produktion AB
Planung: Wingårdhs Arkitektkontor AB
Statik: Martinssons (Holz Ebene 2-9), Tyréns (STB Ebene 1 und Geotechnik)
Grundstücksfläche: 4.300 m2 exkl. Parkplatz
Bebaute Fläche: 540 m2
Nutzfläche: 2.740 m2
Planungsbeginn: 2007
Bauzeit: 2011 – 2013
Fertigstellung: 2013
Kosten: 2.25 Mio. Euro inkl. Straßenbau, Park, Landeplatz und Esplanade der Gesamtanlage

 

Text: Peter Reischer / Fotos: Tord-Rikard Söderström

 

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Kategorie: Projekte

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