Gruener Flughafen – Oslo International Airport

11. September 2019 Mehr

Oslo International Airport / Gardermoen / Nordic – Office of Architecture

Oxymoron oder Schritt in die richtige Richtung – Oslo International Airport

Es scheint wie ein Oxymoron, den Dreh- und Angelpunkt eines per se alles anderen als grünen Industriesektors, als grün zu bezeichnen. Die Rahmenbedingungen waren dem Architekturbüro Airport aus Oslo bereits bestens bekannt, da sie doch schon den Wettbewerb zum Bau des Flughafens in den 1990er-Jahren gewonnen hatten. Nun konnten sie auch den aktuellen Wettbewerb zur Sanierung für sich entscheiden. Sie widmen sich dem kontroversen Thema mit einem Vorschlag, der behutsam an den Bestand anknüpft, dessen Design zeitgemäß interpretiert und auf innovative, nachhaltige Art und Weise weiterführt. Die Sanierung und Erweiterung umfasst 52.000 m2, der neue Trakt 63.000 m2. Damit steigert der Entwurf von Nordic – Office of Architecture die Passagierzahl von 19 auf 30 Mio. jährlich und lässt Raum nach oben für zukünftiges Wachstum.

 

Das Architekturbüro Nordic – Office of Architecture machte aus dem Lufthavn Oslo-Gardermoen in Norwegen im Zuge einer Sanierung und Erweiterung den grünsten Flughafen der Welt, ausgezeichnet mit dem BREEAM Nachhaltigkeitszertifikat. Sie renovierten den Bestandsbau effizient, hielten die Distanzen trotz Verdopplung der Nutzfläche minimal und halbierten gleichzeitig den Energieverbrauch.

 

Der Osloer Flughafen zeichnete sich bis dato vor allem durch sein kompaktes Layout aus. Diese Qualität sollte auch nach dem Umbau erhalten bleiben. Der rechteckige Grundriss des bestehenden Traktes erstreckt sich von Ost nach West. Während seine südliche Längsseite zur erschließenden Straße hin orientiert ist, reihen sich entlang der Nordfassade die Gates aneinander. Das Hauptgebäude wurde im Zuge der Erweiterung nach außen hin verlängert, verändert sich in seiner ursprünglichen Form sonst aber nicht. Den neuen Terminal dockten die Architekten direkt an den Bestand an. So gelingt es, die Wege, welche die Passagiere zurücklegen müssen, trotz doppelter Nutzfläche auf maximal 500 m zu begrenzen. Der neue, fingerförmige Trakt ist zentral an der Nordfront positioniert und scheint seine Fühler nach Norden auszustrecken. Er bietet auf drei Geschossen reichlich Platz für nationale und internationale Gates sowie die Gepäckausgabe. Das konische Volumen weitet sich im Bereich der Schnittstelle zum Hauptgebäude zu einer großen Ankunftshalle, in der sich die Bahnstation befindet.

In seiner architektonischen Sprache orientiert sich der neue Teil am Haupttrakt. Die Konstruktion beruht auf mächtigen Leimbindern, ergänzt durch Stahlbetonelemente. Diese tragen das gekrümmte Dach, das den 300 m langen Terminal überspannt, sowie das der mächtigen Ankunftshalle. In Letzterer bleibt die Holzstruktur von unten frei einsehbar. Großflächige Verglasungen formen die seitlichen Abschlüsse und das nördliche Ende der Röhre. Sie bringen viel Tageslicht nach innen und geben den Blick auf die ankommenden und abfliegenden Flugzeuge vor der Kulisse der rauen, norwegischen Landschaft frei.

 

Die Farbe Grün hält nicht nur in Form von nachhaltiger Energieplanung Einzug im Flughafen, sondern schmückt auch als Bepflanzung die Wände und sorgt für ein angenehmes Ambiente.

 

Auch im Inneren folgt der Trakt der Hierarchie des Bestands. Seine simple Form wirkt selbsterklärend und erleichtert Lesbarkeit und Orientierung. Die Intention der Architekten war es, die Wegführungen für die Passagiere auch ohne exzessive Beschilderung zu erschließen. Die Gestaltung der Innenräume ist geprägt von lokalen Materialien. Holzoberflächen und Marmorböden ergänzen grün bepflanzte Wände, Wasser und Steinelemente sorgen für einen Natur- und Ortsbezug.
Seine Kompaktheit macht den Lufthavn Oslo-Gardermoen um ein Vielfaches kosteneffizienter als vergleichbare Projekte. Bereits im Bau reduziert die Materialwahl den CO2-Verbrauch um 34%. Neben skandinavischer Eiche kommen norwegischer Marmor, recycelter Stahl und Vulkanasche als Betonzuschlag zum Einsatz. Dank eines optimierten Energiekonzepts auf Passivhausniveau ist der Flughafen auch im Betrieb deutlich nachhaltiger.

Dank ganzheitlicher, auf Nachhaltigkeit bedachte Planung, bringen die Architekten Nordic – Office of Architecture den Flughafen auf Passivhausniveau und senken damit auch die laufenden Betriebskosten. Die gekrümmte Geometrie des neuen Nordterminals umschließt bei minimaler Außenhülle den größtmöglichen Innenraum und bietet damit die geringste Angriffsfläche für eisige Winde im Winter und Hitze im Sommer. Ergänzend sind die Fassaden und Dachflächen hoch isoliert und sämtliche Glasflächen in 3-fach Verglasung ausgeführt.

Diverse passive Erträge machen den Bau über weite Strecken energieautark. Die Sonnenenergie wird zum einen über Solarpaneele auf dem Dach, zum anderen als natürliche Lichtquelle maximal genutzt. Die verminderte künstliche Beleuchtung wirkt sich zudem positiv auf die Atmosphäre der Innenräume aus. Geheizt wird mittels Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser der Nachbargemeinde. Außerdem gelingt es, die thermische Energie aus Mechanik und Lüftung zu 83 % wieder in Wärme umzuwandeln und somit den Primärenergiebedarf deutlich zu senken. Zum Herzstück der ökonomischen Planung wird ein riesiges Schneedepot. In diesem wird der in den Wintermonaten anfallende Schnee der Start- und Landebahnen gelagert und damit die Kühlung des Flughafens – laut Architekten – bis in den August hinein natürlich gespeist.

BREEAM, das britische Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen, prämiert den Lufthavn Oslo-Gardermoen mit dem Gütesiegel „Excellent“ und macht ihn damit zum grünsten Flughafen der Welt. Überzeugen konnte das Projekt vor allem durch sein ganzheitliches Konzept. Das effiziente Zusammenspiel der einzelnen Komponenten der Energieplanung ergänzt das Design und die Materialwahl stimmig und sorgt somit für eine ökonomische Gesamtperformance.

Nordic – Office of Architecture erweiterten den Lufthavn Oslo-Gardermoen zu einem überzeugenden Ensemble aus Alt und Neu, das sich den Titel „grünster Flughafen“ mittels intelligenter, an den Ort angepasster Planung aus bautechnischer Sicht redlich verdient. Über die typologische Komponente und die Industrie, die sich hinter und vor den grünen Fassaden des Baus abspielen, kann man natürlich diskutieren.

 

Oslo International Airport
Oslo-Gardermoen, Norwegen

Bauherr: Avinor Oslo Lufthavn
Planung: Nordic — Office of Architecture, NSW Architects
Mitarbeiter: Gudmund Stokke, Erik Urheim (PGL), Roald Sand, Christian Henriksen, Geoffrey Clark, Ole Tørklep, John Arne Bjerknes, Bjørn Olav Susæg,Ingrid Motzfeld, Ivar Ivarsøy

Bebaute Fläche: 115.000 m2
Planungsbeginn: 2009
Fertigstellung: 2017
Baukosten: 1,4 Milliarden €

 

Oslo Internationl Airport

Oslo Internationl Airport

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oslo Internationl Airport

 

Fotos:©Ivan Brodey, Dag Spant, Knut Ramstad

Text:©Edina Obermoser

 

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Kategorie: Projekte

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