Restaurant SHIKI – Dirigierte Vier Jahreszeiten

10. Mai 2015 Mehr

 

Für gewöhnlich ist er in der Welt der Musik zu Hause, genauer gesagt als international erfolgreicher Dirigent und Geiger. Geboren in Japan, aufgewachsen in Österreich, gelebt in London – und nun wieder zurück in Wien. Hier startet Joji Hattori mit Leidenschaft und einem Hang zu gutem Essen sein neuestes Projekt: In einem eigenen Lokal möchte er das Beste aus der japanischen und europäischen Kultur miteinander vereinen und den Gästen als vollendeten Genuss am Teller präsentieren.

 

 

Der Name des Restaurants ist Programm und verweist offenkundig auf die Fähigkeiten des Hausherren; denn das japanische Wort shiki bedeutet neben „Vier Jahreszeiten“ auch „Dirigieren“. Und genau das geschieht hier auf verschiedenste Art und Weise inmitten der Wiener Innenstadt. Seit Februar lädt das SHIKI als Japanese Fine Dining, Brasserie und Bar zu Lunch, mehrgängigem Dinner oder Imbiss aus saisonalen Zutaten – innovativ und authentisch auf japanische Art zubereitet – begleitet von einer umfangreichen Weinkarte mit dem Schwerpunkt auf österreichischen und französischen Weinen. Für die Umsetzung stellte Joji Hattori ein Restaurantteam aus international ausgezeichneten Küchenchefs – ebenfalls mit japanischen Wurzeln – und erfahrenen, engagierten Gastronomiefachleuten zusammen. „Für SHIKI habe ich Persönlichkeiten gesucht, die neben unterschiedlichen kulturellen Backgrounds, langjähriger Erfahrung und höchstem Qualitätsanspruch auch ihre Kreativität einbringen“, so Hattori. Für die architektonische Umsetzung und das gesamte Design holte er die Architekten von BEHF Corporate Architects ins Boot. Hauptanliegen war die Gestaltung eines Restaurants, an dem man die typisch japanische Atmosphäre zwar ablesen kann, diese in der Gestaltung allerdings nicht Oberhand gewinnen lässt.
Das SHIKI liegt im Erdgeschoss eines Gründerzeitblocks, dessen reich verzierte Fassade an dieser Stelle aufgebrochen und reduziert wurde, sodass ein klarer Schnitt zwischen Alt und Neu erkennbar ist. Unaufgeregt, jedoch auffällig, erweitern die fächerförmigen Öffnungen den Straßenraum und erlauben eine harmonische Verschmelzung mit diesem. Um sich optisch vom Rest abzuheben und weiche Akzente zu setzten, wurden diese Öffnungen sowie die Eingangstüre in Metall und einem warmen, natürlichen Dunkelbraun gehalten.
Gleich beim Betreten des Lokals bekommt der Gast seinen ersten Hinweis, der auf ein japanisches Restaurants schließen lässt – sofern man die Kenntnis darüber besitzt: An der Decke wurde mittels Lichtspiegelungen Wasser nachempfunden, das in der japanischen Mythologie die Verbindung von Erde und Himmel darstellt und als Element des Lebens gilt. Ein Pult aus Dünnschiefer im Eingangsbereich empfängt die Gäste und führt sie weiter in einen offenen Bar- und Brasseriebereich. Dieser wurde mit einer Haut aus handgeschöpftem, japanischem Papier ausgestattet, dessen hell-dunkles Muster eine elegante, unaufdringliche Geometrie bildet. Die Seitenwände werden von den gefalteten Glaswänden zum Straßenraum hin und einer feinmaschigen Kupfermetallwand gebildet. Beide Elemente stellen Filterzonen dar, die Durchblicke und Raumtiefen zulassen.

Weiter geht es über einen dunkelschwarz lackierten Korridor, dessen Spiegelungen und Winkel für überraschende Raumeindrücke sorgen. Vorbei am Chef´s Table mit Blick in die Küche, gelangt der Besucher in den Fine-Dining-Bereich, an den ein teilbares Separee – wie in japanischen Restaurants üblich – anschließt. Von hier aus kann auch der Innenhof betreten werden, dessen Gestaltung an einen japanischen Garten erinnert. Die zum Innenhof gelegenen, hinteren Gasträume werden wieder von der Natur geziert. So liegen die Wände aus Ziegelmauerwerk mit Schattenfuge hinter einem feingliedrigen Bronzegitter und werden von immergrünem Efeu geschmückt – dieser symbolisiert das Ewige.

 

 

Der Stiegenabgang zu den Sanitäranlagen – erreichbar über den Korridor – nimmt das Thema der verspiegelten Mehr-Raum-Eindrücke des Gangs verstärkt auf und ist nach unten hin vereinfacht in hellem Holz verkleidet. Die WC-Räumlichkeiten selbst sind mit einer eleganten Sitzmöglichkeit ausgestattet, werden von einer unaufdringlichen Beleuchtung und Klängen eines klassischen Konzerts begleitet.

Bei der Farbgebung im gesamten Inneren wurde verstärkt darauf geachtet, diese nicht dominant wirken zu lassen, sondern eher die Materialien und deren unterschiedlichen Oberflächen sowie kompositorische Anordnung in den Vordergrund zu stellen. Für die Stoffe der Teppiche und der Sitzbezüge wurden klassisch zurückhaltende, japanische Farben – abgeleitet aus der Natur – verwendet. Die Materialien sind grundsätzlich filigran und transparent ausgeführt, sodass sich Schichten und vertiefte Ebenen ausbilden können.
Dem Restaurant stehen 518 m² Gesamtnutzfläche zur Verfügung, wobei davon auf 280 m² Platz für 112 Sitzplätze und weitere rund 50 Sitzplätze im Gastgarten geschaffen wurden. Die Architektur selbst stapelt sich über unterschiedlich ausgebildete Filterschichten von außen nach innen und von dort wieder zurück. Mit dieser Grundidee soll das Prinzip einer wohnlichen, intimen und privaten Atmosphäre entstehen. Die Gasträume zitieren daher „Vorbilder“ eines Wohnhauses, wie Küche, Esszimmer, Salon und Garten.

 

Text: Anja Leinich / Fotos: BEHF

 

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Kategorie: Projekte

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