Saunas in der Architektur

20. Juni 2016 Mehr

Außergewöhnliche Saunas aus aller Welt.
Die Sauna kommt nicht aus Finnland, obwohl das Wort aus der finnischen Sprache kommt – es bedeutet übersetzt „Schwitzstube“. Das Saunieren an sich geht jedoch nicht auf die Skandinavier zurück, es stammt aus Ostasien. Vor ca. 1500 Jahren gelangte das Baden in einem heißen Raum, das ursprünglich bei ostasiatischen Bauern eine weitverbreitete Sitte war, in den kühlen Norden. Dort angelangt wurde es fester Bestandteil des Lebens der dortigen Einwohner, unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in der Stadt lebten. Kultiviert wurde dann das Saunieren aber letztlich doch von den Finnen und ist wohl der Inbegriff des Schwitzens in Architektur.

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© Marco Casagrande

In den skandinavischen Ländern, wie auch im russischen Raum – dort Banja genannt – hat die Sauna eine enorme Bedeutung bei der Pflege sozialer Kontakte. Unter Geschäftsleuten ist es üblich, sich in der Sauna zu treffen und dort geschäftliche Entscheidungen zu fällen. Doch bereits die Römer saunierten mit gewohnter Regelmäßigkeit. Viele römische Kaiser förderten das schweißtreibende Baden öffentlich und errichteten zahlreiche Schwitzbäder – oft monumentale Architekturen, die vor allem auch der Machtdemonstration dienten. Im römischen Zeitalter war das sogenannte Laconicum die gängige Sauna: Ein Raum mit einem Kohlebecken in der Mitte, in welchem trocken-heiße Luft erzeugt wurde. Nach dem Schwitzbad kühlten sich die Römer im sogenannten Frigidarium ab.
Saunas gibt es in den vielfältigsten Variationen und Ausprägungen, Architektur, Gemeinschaft, Tradition und Gesundheit gehen in ihr eine Verbindung ein. Designer und Architekten, aber auch Künstler haben sich mit dem Thema der Gestaltung einer Sauna befasst und unterschiedlichste Ergebnisse erzielt. Ein paar wollen wir Ihnen auf den kommenden Seiten vorstellen.

Grotto Sauna, Ontario
Architekturbüro: Architekturbüro Partisans
Eingezwängt an der Nordwestecke einer Insel ist die Grotto Sauna eine Mischung aus alter Handwerkskunst, modernster Technologie und CNC Arbeit. Sie ist ein skulpturaler Ort, sinnliches Experiment und eine „sophisticated“ Expertise der Baukunst. Das Design – inspiriert von einer italienischen Felsgrotte – ist auch eine Referenz an die Natur der Landschaft der Provinz Ontario. Als ihr Besucher gerät man sozusagen in ein außerweltliches Heiligtum. Das Äußere besteht aus – nach der japanischen Shu Sugi Ban Methode – angekohltem Zedernholz, es gewährt Witterungsbeständigkeit und erweckt den Anschein, als ob das Gebäude schon hundert Jahre hier gestanden hätte. Als Kontrast erinnert das warme gekurvte Innere an die Wellen des Huronsees und auch an eine sanfte Hügellandschaft der Gegend.
Entworfen ist dieser Zufluchtsort von Partisans, einem Design und Architekturbüro aus Ontario, Kanada. Sie hatten zuerst den Aufstellungsort genauestens digital gescannt, ein exaktes 3D-Modell der Landschaft gebaut und auf diese Weise den minimalsten Fußabdruck errechnet mit dem Optimum an Ausblicken in den Sonnenuntergang. So bieten Öffnungen in der 75 m2 großen Architektur genügend Panoramaaussichten auf die Bucht und ein Oberlicht sichert die natürliche Belichtung im ganzen Raum.


© Partisans

Vulkana, Tromsø (Norwegen)
Architektur: Rintala Eggertsson Architects

Ein hölzernes Boot namens Vulkana, transformiert in eine Sauna, in ein schwimmendes SPA. Sein Heimat-hafen ist Tromsø im Norden Norwegens. Aus einem alten Walfänger der 50er Jahre machten die Rintala Eggertsson Architects 2008 eine schwimmende Sauna. Basierend auf den traditionellen japanischen Badegewohnheiten schufen sie eine Zen-Lounge, ein Restaurant, 7 Kabinen, eine finnische Sauna, ein Hamam (türkisches Dampfbad), ein Tauchbecken und einen Erholungsbereich. Man kann in einem heißen Salzwasserbottich sitzen, durch die wilde Antarktis reisen und sich gleichzeitig von der Mitternachtssonne den Rücken bescheinen lassen. Im Außenbereich gibt es ein 7 Meter langes Schwimmbecken, von dem aus man auch ins Meer springen kann. Ansonsten ist das Erscheinungsbild des Schiffes traditionell, wie man es von einem Walfänger gewohnt ist


© Rintala Eggertsson Architects

Mobiler Sauna-Container
Architektur: Castor Canadensis

Einen ganz gewöhnlichen Schiffscontainer, wie er zu Hunderten in größeren Häfen zu sehen ist, hat das kanadische Büro Castor Canadensis in eine mehr oder weniger luxuriöse Sauna verwandelt. Das gute Stück ist sogar am Markt zum Preis von ca. 41.000 USD zu haben. Die Ausführung ist die einer holzbeheizten Dampfsauna und sie ist sogar wasserdicht. Da sie ein Container ist, kann sie jederzeit von einem Ort zum anderen gebracht werden, es sind kaum Vorbereitungen für den Untergrund und Aufstellung notwendig. Strom wird über Fotovoltaikpaneele gewonnen und jedes Stück ist ein Unikat mit einer Außenhaut aus Cortenstahl (ein Material, das eben auch Salzwasser widerstehen kann). Geliefert wird diese Box vom Designer persönlich, sie ist jeweils mit einem iPod-Stereosystem und einem bronzenen Elchgeweih ausgestattet.


© Castor Design

One Man Sauna, Bochum
Schauspielhaus Bochum & Urbane Künste Ruhr

Das Detroit-Projekt war ein einjähriges internationales Stadtprojekt und Kunstfestival in Bochum, das gemeinsam von Schauspielhaus Bochum und „Urbane Künste Ruhr“ entwickelt und realisiert wird. Es stellt Fragen und sucht Antworten zur Zukunft der Stadt, der Arbeit und der Kunst. Dafür wurde in Bochum durch modulorbeat das Projekt „One Man Sauna“ realisiert. Das Kollektiv errichtete sie auf einer Fabrikbrache: Ein 7,5 Meter hoher Turm aus aufeinander gestapelten Betonfertigteilen, die eigentlich für den Bau von Schachtanlagen verwendet werden, beherbergt eine Sauna für eine Person. Diese ist in übereinander liegende Funktionsschichten gegliedert: ein Tauchbecken unten, die Saunazelle auf der mittleren Ebene und ein Ruheraum mit Blick in den Himmel ganz oben. Steigleitern verbinden die drei Ebenen.


© Jan Kampshoff, Roman Mensig

Add a Sauna, Stockholm
Architektur: add a room & Lars Frank Nielsen

Eine Ein-Raumsauna zum Selberbauen hat die in Stockholm beheimatete Firma „add a room“ in Kooperation mit Architekt Lars Frank Nielsen entwickelt. Es ist eine modulare Ein-Raum-Struktur, welche jederzeit an eine bestehende Architektur angefügt werden kann. Das 3 x 2,4 Meter große Volumen wird samt Pergola und Bodenplatte geliefert. Der Innenraum funktioniert als Sauna und Ruhebereich und wird durch eine unauffällige Türe betreten. Das Material an der Außenseite ist ein einzigartiges, hybrides schwedisches Superholz, das kaum Pflege benötigt. Vorfertigt wird der Bausatz von schwedischen Tischlern und zusammenbaufertig auf die Baustelle geliefert.


© Sven Hansson

Sauna am Dach, Genf
Architektur: BUREAU A & Jeremie Gindre

Der heurige Winter ist fast vorbei, aber der nächste kommt bestimmt. Und dann ist man auf dem Dach der alten Kugler-Fabrik in Genf bestens gerüstet, denn die Architekten vom BUREAU A und der Schweizer Künstler Jérémie Gindre haben dort einen kleinen Schwitzkasten installiert. Auf drei Balken schwebt das Häuschen in der Luft, in den wärmeren Monaten kann man es auch als Schreibstube mit Aussicht verwenden. Ein schmaler Steg mit 2 Seilen als Handlauf bietet einen Zugang.


© Dylan Perrenoud

Nördlich des Polarkreises, The Bands & Nusfjord
Architektur: Scarcity and Creativity Studio

Je weiter man nach Norden kommt, umso interessanter scheinen die Saunaarchitekturen zu werden. In Kleivan auf den Lofoten haben in einem winzigen Fischerdorf Studenten des „Scarcity and Creativity Studio“ von der Oslo School of Architecture and Design eine Sauna mit Badeanlage errichtet. Der Name des Projektes ist „The Bands“, wegen der bandförmigen Ausformungen, die eine sensible Verbindung/Stufen/Sitzgelegenheit der Architektur mit der Natur und dem Wasser herstellen. Diese hölzernen Bänder wachsen vom Wasser über die Felsen hinauf zur Architektur und geben ihr Schutz und Hülle. Teile der Flächen können auch von den Fischern als Reinigungs- und Zubereitungsebene für den Fischfang benutzt werden, andere Teile bilden die Sauna.
Ein weiteres Projekt der Osloer Schule befindet sich in Nusfjord, eines der am besten erhaltendsten Fischerdörfer der Lofoten, mittlerweile denkmalgeschützt. Der Ort hat sich zu einem im Sommer genutzten Touristenzentrum entwickelt. Das Design der Badeplattform ist eine Interpretation in Holz der Felsenlandschaft, auf der sie montiert ist. Die ondulierende Terrasse enthält mehrere Bademöglichkeiten, eine Sauna und ein heißes Becken. Das Projekt ist gegen den Fjord hin orientiert und wird während der Winterstürme komplett von Wasser überspült. Um ein Aufschwimmen zu verhindern, hat es eine massive Unterkonstruktion und ca. 50% der Oberfläche sind offen, um ein schnelles Wiederabströmen des Wassers zu ermöglichen.


© SCS, Jonas Aarre Sommarset

Privatsauna, Stockholm
Architektur: General Architecture

Wenn alles geschlossen ist, wirkt das Gebäude wie eine normale Hütte oder ein Schuppen, nachdem jedoch Fenster und Türen geöffnet sind, scheint der warme, verwitterte Ton des Lärchenholzes wie ein Willkommensgruß zum Saunieren. Dieser kleine Saunabau im Seengebiet von Stockholm wurde von general architecture errichtet. Er umfasst einen relativ geräumigen Ruheraum, der sich zum See hin öffnet und die Sauna nebst Dusche und WC.


© General Architecture

Weltrekordsauna – SALT-Festival
An einem ziemlich abgelegenen Strand auf einer norwegischen Insel findet das SALT-Festival statt, ein kulturelles Event mit Musik und einer ganzen Menge architektonischer Strukturen und Experimente. Eines davon ist die weltweit größte Sauna. Der pyramidenförmige Holzbau ist eigens für den Ort errichtet worden. Die aus dreiecksförmigen Holzrahmen errichtete Struktur enthält sogar eine Bar und in diese Agora-Sauna ist Platz für Austausch und Kommunikation, im Hintergrund ertönen traditionelle norwegische Fischergesänge als Soundtrack. Wie in einem Amphitheater können auf den Stufen bis zu 100 Personen gleichzeitig Platz finden, den weißen Sand am Strand und die umliegenden Berge betrachten und schwitzen.


© Martin Losvik

 

Text: Peter Reischer

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Kategorie: Projekte

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