Schubhaftzentrum Vordernberg – Sue Architekten

5. Februar 2014 Mehr

(c) Hertha Hurnaus

Einmal abgesehen von den Demonstrationen zur Eröffnung und den ungeklärten Fragen zum Sicherheitsdienst – das Schubhaftzentrum Vordernberg, das vom Wiener Büro Sue Architekten entworfen wurde, ist in gewisser Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur, weil die Architektur klar, einfach und zweckmäßig ist, sondern weil sich die Architekten scheinbar wirklich Gedanken um Begriffe wie Menschenwürde, Respekt und den Aufenthalt in versperrten Räumen gemacht haben.

(c) Hertha Hurnaus

Das (Anhalte)Zentrum ist ein Gebäudekomplex für bis zu 200 Menschen, die in Schubhaft genommen wurden, weil sie ohne gültigen Aufenthaltstitel in der Europäischen Union leben. Der Neubau umfasst ca. 10.000 Quadratmeter, die in zwei Bereiche gegliedert wurden. Zur Straße orientiert befindet sich der lang gestreckte Verwaltungstrakt, der etwa ein Drittel der Grundfläche einnimmt. Von diesem abgewandt erstreckt sich kammartig der gegliederte Wohntrakt mit ca. 6.500 Quadratmetern. Die Höfe dieser Wohnbereiche öffnen sich zum Bach und zum Berg hin.
Es gibt neun Wohngruppen für jeweils etwas mehr als 20 Personen. Zu den Wohngruppen gehören außer den Schlafräumen ein Wohnzimmer, eine Gemeinschaftsküche und zusätzliche Aufenthaltsräume, die den Insassen wichtige private Rückzugsbereiche geben können.
Eines der wichtigsten Merkmale des Schubhaftzentrums ist, dass auf die Vergitterung der Fenster verzichtet wurde. Stattdessen sind fix verglaste Fensterbänder eingebaut, deren zehn Zentimeter breite Lüftungsflügel es verhindern, dass jemand unbeobachtet aussteigen könnte. Für die Inneneinrichtung wurden hochwertige Materialien gewählt, die auch bei starker Nutzung gut altern können. Die Wandverkleidungen sind aus Seekiefer und der Vinylteppichboden, die Vorhänge und die spezielle Bestuhlung sollen die Wohngruppen hell und wohnlich machen.

(c) Hertha Hurnaus

Ob allerdings die Verwendung der Worte Schlafräume statt Gefängniszellen, Wohngruppen statt Haftbereiche am erzwungenen Aufenthalt in dieser Architektur auch nur für einen der ‚Angehaltenen‘ ein besseres Schicksal erwirken wird, sei jedoch dahingestellt. Bemüht ist die Architektur auf jeden Fall.

Text: Peter Reischer

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Kategorie: Projekte

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