Schutzsystem zum Lernen – Animo High School

16. August 2018 Mehr

Animo South Los Angeles High School / Los Angeles / Brooks + Scarpa Architects

In einer der schwierigsten und angespanntesten Gegenden im zentralen Süden von Los Angeles gelegen, repräsentiert die Architektur schon nach außen hin die entsprechende Atmosphäre: Geschützt und umhüllt wie ein Gefängnis und trotzdem offen und transparent. Das hat seinen Grund in der Geschichte des Gebietes: 1965 fanden hier die sogenannten Watts-Unruhen statt, 1992 kam es zu Ausschreitungen, die unter dem Namen „Rodney King Riots“ bekannt wurden. Begünstigt wird die angespannte Situation durch hohe Armut, Arbeitslosigkeit, Bandenbildung sowie fragwürdige gewaltsame Interventionen seitens der Polizei. Tumulte an Schulen waren und sind an der Tagesordnung. Das Durchschnittseinkommen einer Familie liegt unter 30.000 Euro pro Jahr und 25% leben unter der Armutsgrenze. Im Juli 2014 wurde außerdem die Hälfte des damaligen Schulcampus der South Los Angeles High School durch ein Feuer zerstört.

 

Animo

Ein Schutzsystem aus einer gelben, kugelsicheren Metallwand haben die Brooks + Scarpa Architects rund um die neu erbaute Animo South Los Angeles High School errichtet. Sie schützt die Schüler und Lehrer vor allfälligen Unruhen und Angriffen und ist in die Architektur integriert. Gleichzeitig lässt sie durch ihre Perforierung jede Menge Licht und Luft in die dahinterliegenden Räume.

 

Die neu erbauten Gebäude der Brooks + Scarpa Architects beinhalten zehn Klassenzimmer, zwei wissenschaftliche Labors, Gemeinschaftsbereiche, die neue Verwaltung der Schule und einen öffentlichen Hof für die Studenten zur Kommunikation und für andere Aktivitäten. Insgesamt werden in dieser neuen Mittelschule 630 Schüler unterrichtet.
Die Animo South Los Angeles High School ist als progressive „Charter High School“ (siehe Kasten) und für ihre stark gemeinschaftlich ausgerichtete Lehr- und Lerntätigkeit bekannt. Die Gebäude und die Erweiterungen auf dem in den 50er Jahren errichteten Campus schaffen eine flexible Lernumgebung, welche die maßgebliche Einbeziehung der Eltern unterstützt. Sie stellt das Leben der Schüler in den Mittelpunkt und eint die Gemeinschaft des Komplexes.

Die Schule wurde mit einem extrem limitierten Budget und unter großem Zeitdruck erbaut. Die eingesetzten – auch die Kosten reduzierenden – Maßnahmen bestehen in einer Verkleidung des Gebäudevolumens, der (eher freien) Fensteranordnung, der Farbgebung und der Transparenz, um einen wiedererkennbaren Eindruck zu erzielen. Das Identitätszeichen der Architektur drückt sich in einem gelben Erscheinungsbild und einer signalhaften Außenwirkung aus. Sie ist auch die symbolhafte Außenwirkung einer extrem engen, geschlossenen Gemeinschaft.

 

Animo

Der gelbe Körper scheint einfach zu sein, birgt aber erstaunliche Qualitäten in seiner räumlichen Ausformung.

 

Ähnlich den meisten anderen Schulen der Gegend, die von einem Sicherheitszaun umschlossen sind, ist auch diese Schule von einer sechs Meter hohen, perforierten aber kugelsicheren Wand aus Metall umgeben. Diese Schutzwand ist jedoch in das Design der Architektur integriert. So entstehen lichtdurchflutete Innenhöfe für den Freiluftaufenthalt der Schüler, die direkt mit den Klassenräumen in Verbindung stehen. Diese Anordnung der Höfe ermöglicht es, dass Frisch­luft und Tageslicht in die Innenräume gelangen und gleichzeitig eine sichere Umgebung für das Lernen und die Aktivitäten am Campus entsteht. Die mit Licht und Luft erfüllten Hallen und Klassenzimmer, genauso wie die visuelle Transparenz, drücken die Haltung und Werte der Schule aus. Sie stellen eine gesunde, nachhaltige Atmosphäre her.

Die Form des Gebäudes und seines Haupthofes entstanden durch eine Serie von notwendigen Abbrucharbeiten um eine in den 70er Jahren aufgelassene Ölbohrung. Beschränkungen durch Starkstromleitungen und verschiedene Bauzonen am Grundstück waren ausschlaggebend für den Grundriss, der in seiner jetzigen Form die maximale Ausnützung des Platzes darstellt. Die Fassade aus gelben, perforierten und anodisierten Aluminiumpaneelen erzeugt einen ständig wechselnden Durchblick durch ihre Siebwirkung, abhängig vom Sonnenstand, in der Nacht funkelt und glüht sie dann von innen heraus. Gleichzeitig bietet sie Schatten und kühlt so das Gebäude, reduziert den Außenlärm und verstärkt die Privatheit im Inneren. Trotzdem erlaubt sie auch Blicke nach draußen und lässt Naturlicht und Luft durch ihre Millionen von kleinen Perforierungen strömen. Die metallenen Gitterwände filtern das direkte Sonnenlicht und bringen eine unerwartete Tiefe und blendfreies Licht in die Klassenzimmer. Gleichzeitig vermitteln sie den Sitzenden das Gefühl der Sicherheit.
Dieser gelbe Schutzwall verbirgt auch die ziemlich willkürlich und unregelmäßig angeordneten Fensteröffnungen. Von der Ferne meint man nur einen gelben Quader zu sehen und der Trick, den zentralen Hof mit einem kreisförmigen Schutzzaun abzuschließen, bringt eine Menge kleiner, individueller Räume entlang der linear abgestuften Fassade hervor. Diese werden von den Schülern als Frei- und Kommunikationsräume genutzt.
Das Gelb der Außenhaut zieht sich auch in den Innenräumen weiter: Hier sind Türrahmen und Oberlichten im selben Ton gehalten. Insgesamt ist die Architektur ein Ausdruck für den kulturellen und umweltbezogenen Kontext, in dem sie steht und ein Symbol für die Menschen, welche in ihr für das Leben lernen.

 

 

South Los Angeles High School
Los Angeles, USA

Bauherr: Green Dot Public Schools
Planung: Brooks + Scarpa Architects
Mitarbeiter: Lawrence Scarpa, FAIA – Principal-in-Charge. Angela Brooks, FAIA, Jeff Huber, AIA, Chinh Nguyen, Project Manager, Diane Thepkhounphithack, Micaela Danko, Eleftheria, Stavridi, Arty Vartanyan, Fui Srivikorn

Statik: B&N Associates.
Landschaftsarchitektur: Wynne Landscape Design

Grundstück: 4.400 m2
Nutzfläche: 16.800 m2
Planungsbeginn: 2015
Bauzeit: 12 Monate
Fertigstellung: 12/2017
Baukosten: 2,8 Mio. Euro

 

Animo

Animo

 

Die Bedeutung einer „Charter School“ ist am ehesten mit „staatlich anerkannter, halb privatisierter Schule“ zu erklären. Entsprechend den Erziehungsrichtlinien der USA ist dieser Schultyp eine halbautonome öffentliche Einrichtung, die von öffentlichen Geldern gefördert wird. Sie operiert unter staatlicher Kontrolle aber mit einem weiten Spielraum für den Lehrplan und die Lehrstrukturen und wird ausschließlich privat gemanagt.

 

Fotos: ©Scarpa, Tara Wujcik

Text:©Peter Reischer

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Kategorie: Projekte

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