Seelsorgezentrum voestalpine – X Architekten

3. Januar 2012 Mehr

Seelsorgezentrum voestalpine - X Architekten 

voestalpine – Hochöfen, Kamine, Verwaltungs- und Steuerzentren, Stahlkessel, alle nur erdenklichen Hochbauformen in den unterschiedlichsten Größen durchsetzen das ausgedehnte Gelände bei Linz. Deshalb war es für die X-Architekten von Anfang an klar, dass beim Neubau des Seelsorgezentrums an diesem Standort kein weiterer klassischer Hochbau hinzugefügt werden sollte.

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Der Bauplatz – ein kleines Biotop mit Baumbestand und einem überraschend hohen Grünanteil in dieser unwirtlichen, industriell geprägten Umgebung – stellt sich als kleiner, grüner, vorwiegend aus Schlackengestein vier Meter hoch aufgeschütteter Hügel dar. Ein dem griechischen Begriff „ou topos“ (dt. „Nicht-Ort“) entsprechender Ort.

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Die im Hintergrund ständig präsent wirkenden Zeichen und Insignien der Industrie bewirken einen eigenartigen Anstieg des Adrenalinspiegels, vielleicht auch deshalb entschieden die Architekten, die Baukörper des Kirchen- und Seelsorgzentrums in die Erde einzugraben. Fast wie eine Art Fluchtreflex vor der Bedrohung durch die materielle Welt. Die Bezeichnung „Utopia“ als Ort des perfekten Zusammenlebens einer perfekten Gesellschaft schiebt sich in diesem Kontext (un)beabsichtigt ins Bewusstsein.

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Über eine sich rampengleich nach unten entwickelnde Spalte oder Schlucht wird das Gebäude sichtbar, öffnet sich und wird zu einer einladenden Aufforderung für die Ankommenden. Die dadurch seitlich entstehenden Böschungsflächen legen das ursprüngliche Aufschüttmaterial frei – die Hochofenschlacke – auf der einen Seite als lose geschüttetes Gestein und auf der anderen Seite als Betonfertigteil-Fassadenplatten mit einer Oberfläche aus ausgewaschenen Schlackesteinen für das dahinterliegende Seelsorgezentrum.

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Der Bau ist um ca. drei Meter unter das Straßenniveau abgesenkt. Dadurch wird auch die Lärmbelästigung durch den vorbeiführenden Schienenverkehr minimiert. Das Thema des Eingrabens wird von den Architekten auch im Inneren des Gebäudes konsequent fortgesetzt: Eine „Schlucht“ teilt den Bau in die der Sakralität und der Öffentlichkeit gewidmeten Räume und die auf der anderen Seite liegenden „dienenden“ Bereiche (Technik, Büro, Funktion). Sie beginnt beim Eingang und erstreckt sich über beide Geschoße nach hinten, bis zu einer Treppe, die wieder in den Gartenbereich hinausführt. Im links von der „Schlucht“ liegenden Teil befindet sich ein Innenhof, der auch Platz für die Glocke bietet. Diesmal nicht in einem Turm, sondern ebenerdig angeordnet.

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Da die X Architekten die gesamte Architektur mehr oder weniger unterirdisch bewältigten, ist es auch schlüssig, auf einen nach oben ragenden Turm zu verzichten. Das Kreuz – immerhin ein Wahrzeichen für jede Kirche – befindet sich auf einer filigran wirkenden, schräg 15 Meter nach oben reichenden Stahlsäule. Durch die Schrägstellung erhält es trotz seiner Zartheit eine ungeheure Dynamik: Beim Vorbeigehen oder Vorbeifahren strebt es entsprechend der Bewegung auf die Kirche zu und deutet somit auf diesen unterirdischen Ort der Zuflucht hin.

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