Town Hall

17. September 2014 Mehr

 

 

 

 

 

 

Bagnolet Town Hall / Bagnolet / Jean-Pierre Lott
Die Rekonstruktion der Stadthalle von Bagnolet/Frankreich durch den Architekten Jean Pierre Lot ist ein Teil eines weitreichenden, urbanen Regenerationsprojektes für das Stadtzentrum. Die fünf wichtigsten Kriterien, die die Entwicklungsleitlinien bildeten, sind:

• eine Entwicklung des Platzes bei der Stadthalle
• eine Verbindung der bereits existierenden, historischen Gebäude
• ein Abschluss der Rue Benoit Hure, die als Straße den einzigen Sinn und Zweck hatte, eine Zufahrt zum Parkplatz Mercurials zu gewähren
• ein Gebäude zu gestalten, dass sich in Maßstab und Proportion den existierenden Bauten anpasst und beiträgt, den Raum neu zu organisieren
• eine Fußgängerzone zu bilden, die das Kino mit der Geschäftszone verlinkt und neues öffentliches Leben generiert.

Die Herausforderung an das Architekturbüro von Jean Pierre Lott war, das neue Gebäude einfach und klar zu gestalten, gleichzeitig die historische Stadthalle an ihrer Stelle in der Mitte des Platzes zu erhalten. Der Entwurf sah die ‚Installation‘ einer Skulptur aus drei, verschieden weit vorspringenden, zylinderförmigen Volumina in Gegenüberstellung zur neoklassizistischen alten Stadthalle vor. Diese Juxtaposition von alt und neu schafft schon von selbst eine Verbindung zwischen den beiden Architekturen. Zusätzlich gibt es noch auf der ersten Ebene einen transparent wirkenden Verbindungsgang aus Stahl und Glas, der wie ein Greifarm eines Roboters das Alte an das Neue heranzieht. In dem alten Teil des Ensembles befindet sich auch der Trausaal der Gemeinde.

Ein großzügiger Eingangsbereich empfängt die Bewohner und Kunden. Hier trifft man sich und unterhält sich, auch werden hier immer wieder temporäre Ausstellungen abgehalten. Ein Atrium, das von allen Geschossen aus einsichtig ist, vermittelt das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft. Die restlichen öffentlichen Bereiche sind zusammen auf den ersten beiden Ebenen des Gebäudes gruppiert. Dadurch wird der öffentliche Personenverkehr im Bauwerk begrenzt. Jeder Stock wird von drei Personenliften, die alle von der Eingangshalle aus zugänglich sind, erschlossen.

Entlang der Straßenseite ist die Fassade des Bürotraktes durch eine Haut aus einem rostfreien Stahlgewebe verdeckt – größtmögliche Transparenz – und doch schützt man so die voll verglasten Büros vor den Blicken der Straßenbenutzer und vor der Sonneneinstrahlung. Dieses in einem unregelmäßigen Zickzack vor das Haus gelegte Netz aus Stahlpaneelen bildet den Raum für die Fluchtgänge und Evakuierungsmöglichkeiten für die Angestellten im Brandfall. Auch entstehen hinter der zweiten Haut kleine Erweiterungen, die als Grünzonen und Aufenthaltsbereiche genutzt werden. Diese Räume erweitern sozusagen die Arbeitsräume in den Außenraum. Die Mitarbeiter haben so auch einen angenehmen Blick auf die umgebenden Gebäude.

Die außen durch die drei übereinanderragenden Zylinder angedeutete Idee setzt der Architekt formal auch im Innenbereich fort. Mit dem über alle Geschosse reichenden Atrium ergeben sich faszinierende Sichtverbindungen und Verschneidungen. Aus Beton geformte, kurvige Brüstungen und Öffnungen verleihen der Stadthalle die Imagination einer Bühne, bei der die Benutzer gleichzeitig Akteure und Zuschauer sind. Ganz in weiß gehalten ist dieser öffentliche Bau auch innen als Skulptur zu bezeichnen.

Town Hall
Bagnolet, Frankreich

Bauherr: Marie de Bagnolet
Planung: Jean Pierre Lot
Statik: Bet. Berim
Grundstücksfläche: 12.297 m2
Bebaute Fläche: 11.200 m2
Nutzfläche: 7.800 m2
Planungsbeginn: 05/2011
Bauzeit: 25 Monate
Fertigstellung: 08/2013
Baukosten: 23 Mio. Euro

Eine verblüffende Mischung aus Konstruktivismus und Skulptur stellt das Ensemble der neuen Stadthalle in Bagnolet in Frankreich dar. Architekt Jean Pierre Lott schuf einen Bau, der außen wie innen hält was er optisch verspricht.

Text: Peter Reischer
Fotos: Luc Boegly, Mairie de Bagnolet 

 

 

 

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Kategorie: Projekte

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