Von Schuhen und Besen – Eperon d‘Or

4. Juli 2019 Mehr

Eperon d‘Or

Eperon d‘Or National Museum of Shoes and Brooms Izegem / Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels

Man kann auch von Schuhen und Besen etwas lernen – vor allem, wenn sie in einem Museum stehen. Dieser außergewöhnliche Ort des Lernens befindet sich in der Industriezone des Hafens der kleinen belgischen Stadt Izegem. Ein eher eigenartiges Monument mit einer Art-déco-Schauseite und angrenzenden Fa­brikbauten. Während der Zwischenkriegszeit errang die „Eperon d‘Or“-Fabrik jahrzehntelang internationale Aufmerksamkeit, aufgrund ihrer exquisiten und luxuriösen Schuhproduktion. Nach weiteren Jahren der Missachtung beschloss die Gemeinde, den Komplex zu renovieren, zu revitalisieren und darin das „National Shoe and Broom Museum“ zu errichten. Eine Kuriosität schlechthin!

 

Ein skurril anmutendes Thema für ein Museum wurde von den Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels in Izegem in Belgien verwirklicht: Sie haben das Eperon d´Or National Shoe and Broom Museum in einem ehemaligen Art-déco-Fabriksgebäude installiert. Dabei haben sie auf den Bestand Rücksicht genommen und doch auch neue Elemente eingeführt – sehr zum Vorteil der alten Architektur.

 

Mit der Ausführung des Projektes wurden die Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels betraut und die gingen mit einer Mischung von Passivität und Aggressivität an die Aufgabe heran. Die zu behandelnde Art-déco-Perle stand alleine inmitten einer unattraktiven Ansammlung von Schwer­industriebauten. Diese Spannung, dieser Kontrast und der ganze Kontext führten die Architekten zu der Lösung, das Monument nicht mit einer übergroßen Sorgfalt und besonders sanfter Hand zu behandeln. Denn dieser Vorgang, der oft – wenn Denkmalschutz im Spiel ist – angewandt wird und damit die Architektur „tot pflegt“, sollte vermieden werden. Es wurden sämtliche formalen und expressiven Qualitäten festgestellt, neu bewertet und mit neuen, modernen Einflüssen und Elementen kombiniert.

So entstanden eine neue Wegführung durch die Anlage, ein kleines Theater hinter einem großen Fenster an der Rückseite des Gebäudes und eine geräumige Dacherweiterung. Ein Besuch in diesem Museum beginnt nun an der ehemaligen Verladerampe, die sich als ein idealer Verkehrsknoten anbot. Von hier aus nimmt man den Aufzug zur Dacherweiterung mit Aussicht und Panoramadeck. Von hier geht es hinunter durch eine Reihenfolge von restaurierten und neuen Räumen, welche die Ausstellung beherbergen. Man endet, wo man begonnen hat: in der ehemaligen Garage.

 

Sehr ungewöhnlich aber durchaus interessant und aufschlussreich sind die Innenräume dieses Museums.

 

Die Dacherweiterung stellte sich als ein unentbehrlicher Extrabereich heraus, denn er befreite den Museumskurator von der Last der unzähligen Art-­déco-Einrichtungen und bietet gleichzeitig einen guten Überblick über die – hauptsächlich industrielle – Skyline der Stadt. Das einem Schuhkarton ähnliche Volumen ist so weit zurückgesetzt, dass es die typische Silhouette der Architektur nicht stört, aber doch als aufregender Kontrast, der die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet, wahrgenommen wird. Die Box ist mit einem goldenen Gewebe überspannt, dahinter befindet sich rot lackierter Stahl. Diese beiden Materialien stellen eine Referenz an die Art-déco-Richtung und die textile Geschichte der Region dar.

Ein kleines, blaues Theater als Einschub in das Volumen des Museums überblickt die angrenzenden Industrie- und Fabriklandschaften und verbindet es so mit seiner eigenen, kontextuellen Geschichte. Neben der Fabrik bietet eine neue, mit Fliesen bekleidete Terrasse die Möglichkeiten für Orientierung und Freiluftausstellungen. Diese Revitalisierung ermöglicht den Besuchern eine Reihe räumlicher Erfahrungen, ein gutes Verstehen der Zusammenhänge und der Geschichte samt eines interessanten Spaziergangs durch ein Museum und seiner Kollektionen.

 

 

Eperon d‘Or National Museum of Shoes and Brooms
Izegem, Belgien

Bauherr: City of Izegem
Planung: Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels
Statik: Norbert Provoost

Grundstücksfläche: 2.443 m2
Nutzfläche: 2.221 m2
Planungsbeginn: 4/2010
Bauzeit: 2014 – 2018
Fertigstellung: 10/2018

 

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Fotos: ©Tim Van De Velde

Text:©Peter Reischer

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Kategorie: Projekte

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