Weiße Geometrie – Sabah Alahmed Alsabah Maritime City

5. Juni 2018 Mehr

Areia / Kuwait / AAP (Associated Architects Partnership)

Man denkt an eine simple Wiederholung von gleichen Körpern, aber nur bei einem oberflächlichen ersten Blick auf die Straßenfassade der fünf Wohneinheiten an der Uferlinie der Sabah Alahmed Alsabah Maritime City im südlichen Teil von Kuwait. Bei genauerem Hinsehen wird die Vielfalt der Geometrie, welche die Architektur von AAP (Associated Architects Partnership) bestimmt, sichtbar. Kein Körper gleicht exakt dem anderen, nur Strukturen offenbaren die Idee der Architektur. Diese Häuser sind eine Verbindung des täglichen Lebens und seiner Notwendigkeiten in Kuwait mit Strandräumen, Außenbereichen, Höfen und Poolzonen.

 

Kuwait

Fünf kleine, weiße Wohnhäuser, dicht aneinander gebaut, haben die AAP (Associated Architects Partnership) in Kuwait errichtet. Fünf einzigartige Architekturen, deren Reiz und Vielfalt sich dem Betrachter erst im Inneren und von der Meerseite her erschließt. Dank eines durchgehenden Konzeptes sind für alle Benutzer unterschiedlichste Erfahrungen und interessante Lebensräume gewährleistet.

 

Das Projekt erstreckt sich entlang der Uferlinie eines Entwicklungsprojektes, welches mäanderförmig versucht, das Meer ins Landesinnere zu bringen und so Zonen für Erholung, kleine Häfen, Marinas und Siedlungen zu gestalten. Die fünf Grundstücke sitzen an der inneren Schleife einer dieser Buchten und blicken in Richtung Meer. Der Grundgedanke des Entwurfes war, ein einheitliches, architektonisches Erscheinungsbild zu liefern, jedoch trotz der einfachen Geometrie der Körper Variationen und Abwechslungsreichtum zu ermöglichen. Dieses Basiskonzept bestimmt die programmatische Organisation der Grundrisse und resultiert jedoch auch in einer zeitgemäßen architektonischen Ausdrucksform von Kontinuität und proportionalen Verhältnissen. Nur leichte, kaum merkbare Unterschiede garantieren die Komplexität und Diversität der Anlage.

 

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Die ganze Vielfalt der Entwürfe ist von der Rückseite zu erkennen: Jedes Haus hat einen unterschiedlichen Pool und eine differenzierte Außenraumgestaltung.

 

Im Erdgeschoss positioniert und mit einem tollen Blick über die Wasserfläche befinden sich die Wohnräume. Sie bieten, neben dem Komfort des direkten Meerzuganges, die Möglichkeit für die Benutzer, die Innenräume quasi in den Freiraum hinaus auszudehnen und so das Grundstück zu vergrößern. Auch Räume für Bedienstete, jeweils mit direktem Zugang zu den Funktionszonen, sind hier situiert. Genau an der jeweils gegenüberliegenden Seite des Grundstückes, zur Zufahrt orientiert, liegt immer die „Dewaniya“ (im Sprachgebrauch auch Diwaniya genannt), es ist der traditionelle Raum für Gäste, Besucher und Kollegen. Dieser Bereich ist ein unabdingbarer Bestandteil jedes Hauses in Kuwait.

Die Wände in den Obergeschossen sind ebenfalls weiß, teilweise durchbrochen mit orientalisch anmutenden Mustern und bieten die benötigte Privatheit und Rückzugsmöglichkeiten. Trotzdem hat man von hier einen weiten Ausblick über die nahe gelegene Stadt. Die Dachflächen mit ihren 360 Grad Panoramaaussichten bieten sich als Erholungszonen und Ruhepunkte für die Zeiten an, in denen Schatten nicht mehr notwendig ist, besonders für das Beobachten des Sonnenunterganges.

Getrennt werden die fünf Häuser voneinander jeweils durch dicke weiße Mauern, die bis an den Sandstrand reichen. Im Inneren entwickeln sich die Zonen labyrinthartig mit fließenden Übergängen. Jedes Haus hat seine einzigartige Gestaltung im Grundriss, die Architekten haben sich da einiges einfallen lassen. Während die Straßenfassade noch „relativ“ einheitlich wirkt, offenbart sich von der Meerseite her die ganze Vielfalt der Architektur. Pools, Höfe, Sonnenterrassen, kleine Patios, Wendeltreppen, überdeckte Bereiche wechseln mit offenen – es ist ein ständiges Spiel der Körper und Zwischenräume. Ein wenig erinnern die weißen Häuser an die Bauten eines Richard Meier aus den 70er und 80er Jahren. Aber auch Le Corbusier spielt mit.

Ihr einfacher und eher neutraler Eindruck konterkariert die übliche Bauweise in der Stadt. Wo ebendort architektonische Anarchie und unterschiedlichste Baustile herrschen, versucht hier die Wiederentdeckung von Wohnlichkeit, das Spiel von Licht und Schatten, das Fehlen jeglicher Kriterien für Farbe, Dimension, Textur und Konstruktionsmethoden auszugleichen. Ein Lehrbeispiel für die Korrektur einer bis jetzt fehlgeleiteten, städtebaulichen Entwicklung.

 

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Edle Materialien und viel Licht betonen den – für Kuwait zu erwartenden – gehobenen Standard.

 

 

 

Areia
Sabah Alahmed Alsabah Maritime City, Kuwait

Bauherr: privat
Planung: AAP (Associated Architects Partnership)
Statik: Rodain Engineering

Grundstücksfläche: 2.940 m2
Bebaute Fläche: 2.063 m2
Nutzfläche: 1.330 m2
Planungsbeginn: 03/2013
Bauzeit: 07/2015 – 11/2017
Fertigstellung: 11/2017

 

Plan AAP

 

Text:©Peter Reischer

Fotos:©João Morgado

 

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Kategorie: Projekte