Architekt Guido R. Strohecker im Gespräch

21. Januar 2016 Mehr

Was braucht man zum Wohnen?

Ein Gespräch mit Architekt Guido R. Strohecker über das Wohnen und seine „Villa J33“ in Graz.

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Warum baut ein Architekt wie Sie sein eigenes Haus?

Das ist eine gute Frage, das ist eine der schwierigsten Aufgaben für einen Architekten. Viele meiner Kollegen haben interessanterweise alte Häuser gekauft, umgebaut oder erneuert – der Bau eines Einfamilienhauses hat eine starke psychologische Komponente: Man schafft sich etwas für einen längeren Zeitraum, man fixiert sich. Es ist der Wunsch nach ‚Settlement‘.

Was haben Sie dabei an Wünschen, Werten, Visionen berücksichtigt?

Das Haus soll kein Denkmal sein, lange Gespräche mit dem Partner sind da notwendig. Bei uns hat der Ideenfindungsprozess zwei Jahre gedauert. In dem Haus soll man sich – auch als Gast – sofort ‚zu Hause‘ fühlen.

Ist es ein HighTec oder ein LowTec Haus, ist es ein Blue Building oder ein Green Building?

Mit diesen Schubladen tue ich mir schwer, es gibt auch das Grey Building. Ich habe versucht, das, was es momentan an sinnvoller Technik gibt, so zu verwenden, dass es zum ‚Wohlfühlen‘ beiträgt. Ich halte es für einen Wahnsinn, Erdölprodukte im Sinne der Wärmedämmung auf die Fassade zu picken. Ich halte die Vorschreibungen der OIB-Richtlinien teilweise für stark übertrieben.
Unser Haus ist ein Mittelding zwischen Niedrigenergie- und Passivhaus. Passivhäuser mit ihrer Zwangsbelüftung halte ich für nicht sehr sinnvoll.

Was sind die besonderen Gustostückerln des Hauses?

Eines der Highlights ist sicherlich der Pool. Es ist ein Süßwasserpool ohne jeglichen Zusatz von Chemie. Da ist nur Wasser drinnen. Das ist ein ‚blueBase‘ System, das kommt aus dem Schwimmteichbereich. Durch Großfilter hat man eine wunderbare Wasserqualität ohne Chlor und Chemie.
Und wir haben eine Individualsteuerung der Jalousien. Der Rest ist hochwertiger Standard.

Geht es dem Benutzer bei HighTec nicht auch ein bisschen um die Befriedigung des männlichen Spieltriebes, eine Verliebtheit in die Technik?

Das trifft voll zu. Meine Frau ist Psychologin, sie hat es gerne, wenn man einen Lichtschalter ein- und ausschalten kann (ev. Dimmen mit Schalter)  und hat mich in vielen Gesprächen überzeugt das es eben auch nicht mehr braucht. Technikverliebte Dinge wie mit einer iPad Fernbedienung herumfummeln sind männlicher Spieltrieb.

Sie haben als Architekt, wenn Sie sich ein Haus bauen, Wünsche und Visionen. Dann haben sie ebenso – als moralischen Kodex die Nachhaltigkeit im Kopf. Gehen persönliche Wünsche und Träume mit Nachhaltigkeit zusammen?

Das Thema Nachhaltigkeit war bei der Wahl der Decken und Materialien wichtig, die oberste Decke ist eine Holzdecke. Ebenso zu schauen – so weit es geht – im ‚Ökobereich‘ zubleiben. Es gibt Regenwasserrückgewinnung für Waschmaschinen und WC, also Dinge, die ein nachhaltiges Konzept beinhaltet. Das Haus wird auch sicher einen längeren Lebenszyklus, als vergleichbare Häuser, aufweisen.

Wie weit würden Sie sich aus Nachhaltigkeitsgründen in Ihrem Leben einschränken?

Zu viel Technik ist nicht nachhaltig und bedarf eines höheren Wartungsaufwandes. Ich frage mich immer, was kann ich weglassen, was ist Luxus, den ich nicht brauche. Reduzieren bedeutet aber keinesfalls Langweiligkeit.

Das Technikmonster, das in manchen Häusern steckt, kostet auch enormes Geld. Nachhaltigkeit sollte doch massentauglich sein?

Da haben Sie vollkommen recht.

Wie viel Prozent der Gesamtbausumme hat die Technik bei dem Projekt ausgemacht?

Ca. 20 bis 25 Prozent.

 

Fotos: ©Paul Ott, Oliver Wolf, Rene Reiter
Text: Peter Reischer

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Kategorie: Architekten im Gespräch, News, Projekte

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