Die „Unvollendete“ in Gelb – Psychiatric Center

3. April 2018 Mehr

Psychiatric Center / Pamplona / VAILLO+IRIGARAY ARCHITECTS

 

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Auch in größeren Maßstäben ist Bauen im Bestand eine reizvolle Aufgabe. Die Vaillo+Irigaray Architects bewiesen das bei der Erneuerung und Erweiterung des „Centro Psicogeriatrico San Francisco Javier“ in Pamplona, Spanien. Sehr sensibel verbanden sie Alt und Neu , als verbindendes Material verwendeten sie eingefärbten, leicht gelben Sichtbeton.

 

In Pamplona, in Spanien hat das Team des örtlichen Architekturbüros Vaillo+Irigaray Architects die Gebäude einer ehemaligen psychiatrischen Klinik restauriert und weitergebaut. Auf den ersten Blick assoziiert der Betrachter den Bau vielleicht mit einem Kloster, hat er doch ebenso etwas geschlossenes, in sich gekehrtes. Den Unterschied zwischen Alt und Neu vermeint man jedoch nicht mehr zu erkennen. Formen vermischen sich, tauchen als Gravuren in Betonflächen wieder auf, Giebeldächer sind eindeutig zu erkennen, Arkadenrhythmen wiederholen sich, aber sind sie neu oder …?

Das „Centro Psicogeriatrico San Francisco Javier“ wird von der lokalen Verwaltung betreut und erstreckt sich als Ensemble mehrerer geometrischer Gebäude aus dem 19. Jahrhundert in einem landschaftlich gestalteten Park. Die Architekten waren beauftragt worden, einige der Gebäude zu renovieren, zeitgemäße Neubauten und Anbauten zu entwerfen und den gesamten Komplex in eine Beziehung zu seiner natürlichen Umgebung zu setzen.

 

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Gekonnt haben die Planer traditionelle Dachformen und Symbole in die neue Architektur integriert.

 

In einem Gespräch meinten sie dazu: „Es gab den Anspruch, den originalen hygienischen und therapeutischen Geist wieder zu verstärken. Eine professionelle Therapie und tägliche Aktivitäten sollten als fundamentale Elemente einer guten Behandlung bei den Patienten möglich sein.“ Dieser Logik folgend, bezeichnen sie auch die von ihnen durchgeführten An- und Zubauten als Prothesen und sehen sie als Verlängerungen, welche die neuen Möglichkeiten und Kapazitäten für die Patienten aufnehmen. Ihre Intervention behält und erweitert die ursprünglichen, vorhandenen Werte: die Pavillontypologie des 19. Jahrhunderts und deren angenehmen Maßstab in der Naturlandschaft. Bisher nicht beachtet waren in der Architektur die Räume zwischen den Gebäuden, die Skalierbarkeit und die wohlproportionierten Höfe – daraus resultiert jedoch eine fast perfekte Beziehung zwischen Natur und Architektur.
Verlängern hieß aber für die Architekten auch, das Ursprüngliche weiterklingen lassen und so entschieden sie sich als hauptsächliches Material für gelb eingefärbten Sichtbeton, der in seiner Farbgebung eine Ähnlichkeit zu den vorhandenen Steinmauern der Altsubstanz aufweist. Im Lauf der Jahre wird er sich sicherlich durch das natürliche „Vergrauen“ der Oberfläche weiter anpassen.

 

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Viel Licht dringt durch die großen, an Klosterbauten erinnernden Fensteröffnungen ins Innere.

 

Das Weiterführen der Geschichte, der Tradition und die Aufnahme von Zitaten ins Neue beherrschen die Vaillo+Irigaray Architects perfekt. In den auf Sockeln schwebenden Volumina der Zubauten, stilgerecht mit Satteldächern auch mit gelbem Sichtbeton versehen, führen sie ein ganzes Repertoire an architektonischen Kunstgriffen durch: Die Reihen der Wandöffnungen sind unregelmäßig, manche hoch, andere tief, halbgeschlossen oder offen, aber in der Serie der Wiederholungen über die Körperlänge erscheinen sie rhythmisch und optisch gleichmäßig verteilt. Kein Unterschied zu den alten Arkadengängen des 19. Jahrhunderts ist merkbar. Anklänge an andere Öffnungen, Bögen oder Giebelformen bilden sich leicht vertieft im Beton ab und bilden ein fast grafisches Muster, Erinnerungen an eine alte Geometrie, welche Bilder der Vergangenheit und einer Evolution evozieren. Anschlüsse an den Altbau werden durch im Attikabereich übergreifende Betonbänder in der derselben Farbe und ebensolche Fensterumrahmungen gelöst. Und in den verschiedenen Höfen und Atrien erstreckt sich harmonisch als zusammenfügendes Element die Natur. Deshalb konzentrierten sie sich Vaillo+Irigaray bei der Planung auch auf eine Verbindung der „gezähmten“ Natur mit der Architektur, den Außenräumen und den Höfen, die durch die allgemeine Erschließung des Komplexes vorhanden sind.

Das Projekt ist eine Art Hybrid aus Alt und Neu, bei dem das Neue durch ein „Kleid“ mit dem Alten verbunden ist. Wie eine Prothese dem Träger hilft, eine verlorene Funktion wieder auszuführen, so rekonfigurieren die Neubauten den Außenraum, schaffen Strukturen und Platz für neue Technologien zur Behandlung.

 

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Psychiatric Center, Refurbishment + Extension
Pamplona, Spanien

Bauherr: Servicio Navarro de Salud
Planung: Vaillo+Irigaray Architects
Statik: Raúl Escrivá

Grundstücksfläche: 9.820 m2
Planungsbeginn: 04/2012
Bauzeit: 11/2014 – 01/2018
Fertigstellung: 01/2018
Baukosten: 11.636.772 Euro

 

 

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Farbiger Zement:
Zwischen sehr hellen Weißzementen und sehr dunklen Grauzementen gibt es ein breites Spektrum von Farbabstufungen und Schattierungen. Naturgemäß nimmt ein sehr heller oder weißer Zement die Farben besser an und bringt sie leuchtender zur Geltung als ein dunkler. Vor allem helle Farben wie Grün, Gelb oder Blau können mit weißem Zement intensiver dargestellt werden. Bei dunklen Farbtönen im Bereich Schwarz, Braun oder Rot spielt es keine so große Rolle, ob Grau- oder Weißzement verwendet wird. Je höher die Pigmente dosiert werden, desto stärker nimmt die Farbintensität zu. Ist jedoch eine gewisse Menge erreicht, stellt sich eine Sättigung ein, aus der keine Veränderung der Farbtiefe mehr erfolgt.

Das Einfärben von Beton durch Pigmente ist kein neues Verfahren. Doch dank betontechnologischer Fortschritte erfreuen sich Farbbetone bei Architekten, Planern und Bauherren heute besonderer Beliebtheit. Mit eingefärbtem Beton erzielt man ein weit dauerhafteres Farbergebnis als mit einem nachträglichen Anstrich und weit intensivere Farben als durch farbige Gesteinskörnungen allein. Damit die Betonfarbe den Vorstellungen entspricht, sind allerdings Erfahrung und Know-how bei der Betonherstellung unverzichtbar, denn es gilt verschiedene Einflüsse richtig zu steuern. Der Baustoff Beton als „Farbiger Sichtbeton“ wird gezielt zur optischen Gestaltung verwendet und ist überall dort einsetzbar, wo sowohl ansprechende als auch funktionelle Bauteile sowie die hervorragenden Eigenschaften des Betons und dessen Dauerhaftigkeit gefordert sind.

 

 

Fotos:©Rubén P. Bescós

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Kategorie: News, Projekte

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