Intersport Mauritz

27. April 2016 Mehr

Nostalgie im Sporthandel. In einem der vielen denkmalgeschützten Gebäude der Lübecker Fleischhauerstraße eröffnete im September 2015 Intersport Mauritz. Das Grundstück war nachweislich bereits 1299 bebaut, das heutige Haus stammt aus dem 16. Jahrhundert. In den oberen Geschossen des Hauses befindet sich die Weiland Kulturstiftung und die Henning Hamkens Grundstücksgesellschaft. Die Obergeschosse I, II und III werden in den nächsten Monaten saniert und als Wohnraum genutzt. 1963 wurde der ca. 300 m2 große Innenhof überbaut und als Autoreparaturwerkstatt verwendet, wodurch der Laden im Erdgeschoss über eine für ein Altstadthaus unübliche Größe verfügt.

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Mit 350 m2 Verkaufsfläche ist der neue Intersport-Store dennoch vergleichsweise überschaubar. Allein 2015 realisierten die Architekten von Nette+Hartmann acht Filialen der Verbundgruppe, davon eine im Profimarkt Lübeck mit 1.200 m2 und eine in Porta Westfalica mit 1.455 m2. Auch die neuen Filialen in Bielefeld, Stralsund, Bochum und St. Augustin sind mit je 740 bis 950 m2 deutlich größer.
Das Fachgeschäft in der Lübecker Altstadt setzt daher einen deutlichen Sortiments-Schwerpunkt – auf Turnschuhe im Speziellen, ergänzt durch Outdoor-Ware, Fitness-Produkte und Fußball-Artikel. Zusätzlich führt der Sporthändler Artikel aus den Bereichen Wassersport, Racket- und Wintersport, Bike und Fun-Wheel sowie Freizeitmode unterschiedlicher Markenhersteller. Ergänzend dazu wird der jeweilige Sortimentschwerpunkt durch verschiedene Accessoires aus der Historie unterschiedlicher Sportarten emotionalisiert. Alte Bocksprung-Kisten dienen als Sitzgelegenheiten in den Umkleiden, Sprossenwände fungieren als Wandgestaltung und Medizinbälle und Gewichtscheiben von anno dazumal bringen den modernen Sport- und Freizeittrend mit dem historischen Rahmen des denkmalgeschützten Hauses in einen nostalgisch anmutenden Kontext. Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege war, so die Architekten von Nette+Hartmann, erfreulich unproblematisch. Natürlich mussten die alten Wände und Brandmauern entsprechend belüftet werden. Hinsichtlich der Ausgestaltung der Innenräume für die Nutzung als Sportgeschäft war der Denkmalschutz aber kein Thema. Einzig bei der Außenwerbung mussten die Betreiber aus Rücksicht auf das Gesamtbild der Straße Zugeständnisse machen: Da keine selbst leuchtenden farbigen Einzelbuchstaben verwendet werden durften, besteht der Schriftzug deshalb aus schwarzen hinterleuchteten Einzelbuchstaben. Unüblich für das Corporate Design von Intersport, aber dennoch gut wahrnehmbar im historischen Gebäudeensemble der Fleischhauerstraße.

Passend zum Loftcharakter der mehr als 500 Jahre alten Mauern entschieden sich die Bauherren bei Ladenbau und Retaildesign für eine sorgfältig austarierte Raumgestaltung im Vintagelook. Hochwertige Sportschuhe werden in einem separaten Raum mit originaler Stuckdecke im Zopfstil und restrukturiertem Holzdielenboden in Szene gesetzt, platziert auf Regalzonen in grauen Präsentations-Elementen. An der Wand liegende LED-Flex-Lichtbänder strahlen indirektes Licht an die Decke und betonen so auch die Stuckelemente. Weiße LED-Strahler und Stromschienen sorgen für die Grundbeleuchtung. Blickfang ist aber der Kronleuchter, der deutlich auch die Wertigkeit der hier gezeigten Produkte kommuniziert. Ein Orientteppich, eine stilvolle Sitzgruppe und ein altes Radio unterstreichen den Vintage-Look dieser Abteilung und kreieren ein wohnliches Ambiente.
Auch der übrige Verkaufsraum lebt von einem Spannungsfeld zwischen Modern und Used. Ein großflächiger Lichtrahmen mit Sportmotiv fungiert als Kassenrückwandgestaltung. Coole, in Anthrazit gehaltene Wandzonen, teilweise mit Streckmetall-Rahmen versehen und ein Bodenbelag in Beton-Optik treffen auf abgeschlagenen Putz und nostalgische Sport-Attribute. Gerahmte Fotos der Eigentümer mit Sportgrößen wie Franz Beckenbauer und Muhammad Ali, Wand-Comics rund um die Kevin-Keegan-Story und ein Original PEZ Traubenzucker-Automat verleihen den Räumen eine ganz persönliche Note.

Projekt: Intersport Mauritz
Adresse: Fleischhauerstraße 22, 23552 Lübeck
Bauherr: Dagmar + Peter Mauritz
Planung & Bauleitung: Architekten Nette+Hartmann
Ladenbau: Schlegel GmbH
Lichtplaner: Cedes:GmbH Die Lichtfabrik
Eröffnung: 26. September 2015

Foto: ©Nette + Hartmann
Text: Heidrun Schwinger

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Kategorie: News, SHOP-ARCHITEKTUR

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