Lucky Knot Bridge Changsha

19. Januar 2017 Mehr

Brücke mit Glücksgefühlen.
Lucky Knot Bridge / Changsha / NEXT Architects

Wenn man sich vorstellt, jeden Tag in der Früh in die Stadt, zur Schule oder zur Arbeit zu laufen, immer den gleichen Weg, vielleicht ein bis zwei Stunden täglich, über verstopfte, überfüllte Verkehrsstraßen und Fußgängerbrücken, um sein Ziel zu erreichen – irgendwann weiß man nicht mehr, ob die visuellen Eindrücke von heute, gestern oder vorgestern stammen. Vielleicht geht China in der Entwicklung der Städte und Verkehrsverbindungen jedoch einen anderen Weg als Europa, indem es die Bewohner auf deren täglichem Weg zur Arbeit erfreuen will? Dann wäre doch ein interessantes Architekturerlebnis unterwegs eine Abwechslung, etwas sehr Erfreuliches. Das mag auch ein Grund für die spektakulär gewellte Fußgängerbrücke sein, die in Changsha zwei Flussufer des Dragon King Harbour River, Straßen und Parks verbindet. Im Volksmund hat sie bereits den populären Namen „Lucky Knots Bridge“ erhalten.

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In China gibt es die Tradition der Glücksknoten, das sind dekorative, meist symmetrisch aufgebaute Verknotungen aus einem, zu einer Schleife verbundenen Band. Die chinesische Tradition der sogenannten Glücksknoten und auch Inspirationen aus der Möbiusschleife haben die NEXT Architects aus Amsterdam beim Entwurf der Brücke in China beeinflusst. Sie ist 185 Meter lang und ca. 24 Meter hoch, konstruiert in der Form eines Bandes, welches die beiden Ufer des Meixi River verbindet. Sie bietet für die Benutzer einen faszinierenden Ausblick auf den Fluss, die umgebenden Berge und die Stadt. Nebenbei ist sie auch ein Schlüsselprojekt für die touristische Entwicklung des 6,5 Millionen Quadratmeter Areals, das nach einem Masterplan von Kohn Pedersen Fox im Südwesten der Stadt gestaltet wird.
Der Plan beinhaltet ökologische und erholungsmäßige Aspekte und die Brücke verbindet die ziemlich unterschiedlichen Höhenlagen der Ausgangs- und Zwischenpunkte miteinander. Sie ist – sowohl literarisch wie auch metaphorisch – in ihrer Form die Verknotung all dieser physischen und metaphysischen Details. Auf den verschiedenen Wegführungen gibt es in den Schnittpunkten der unterschiedlichen Wellen der Bänder Querverbindungen, die den Passanten das Wechseln der Seite und immer wieder neue Aussichten gewähren.

Nicht nur die Form des Glücksknotens, auch die Farbgebung ist in der chinesischen Tradition begründet: Rot steht für Fröhlichkeit und Wohlstand. Das wird auch in der Nacht mit einer LED-Beleuchtung, welche die Brücke zu einer Landmark macht, unterstrichen. Sie ist mehr als eine einfache Brücke, als eine funktionale Verbindung: Ihr Erfolg liegt auch darin, Kulturen einander anzunähern, eine Verschmelzung von Geschichte, Technik, Kunst, Innovation, Architektur und Event zu erzielen. Und in der rapid wachsenden Stadt Changsha birgt dieser Kontext eine einzigartige Geste, um auch die Passanten zu inspirieren.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Brücken und überhaupt Verkehrsbauten „verrückte“ Konstruktionen erhalten. Vielleicht ist das Repertoire der Architektur in Bezug zum Hochbau schon erschöpft, alle Formen sind schon ausprobiert und zu Tode variiert worden? Warum also nicht den Teil der Architektur, der in unseren Städten einen immer größer werdenden Teil einnimmt – also Brücken, Überquerungen, Verkehrsverbindungen im Allgemeinen – nicht nur funktionell, sondern auch ansprechend zu gestalten? Weitere internationale Beispiele wären die Langkawi Sky Bridge in Malaysia oder die Python Bridge in Amsterdam und die Gateshead Millennium Bridge in England.

Lucky Knot
Changsha, China
Bauherr: Municipality of Changsha
Planung: NEXT architects
Statik: Capital Engineering & Research Incorporation Company ltd.
Spannweite: 185 Meter
Planungsbeginn: 2013
Bauzeit: 2014 – 2016
Fertigstellung: 2016
Baukosten: 6,6 Mio. Euro

Text: rp
Fotos: ©Julien Lanoo

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Kategorie: News, Projekte