MM House Palma de Mallorca

9. Dezember 2016 Mehr

Effizient in Spanien.
MM House / Palma de Mallorca / OHLAB

Diese Architektur in Mallorca schaut auf den ersten Blick wie eines der vielen von durchaus begabten Architekten erbauten Feriendomizile aus: Weiße, klare Formen, chique! Erst auf den zweiten Blick eröffnen sich weitere, tiefer gehende Qualitäten. Das Projekt der OHLAB Architekten für einen privaten Klienten in Palma de Mallorca strebt nach einer maximalen Energieeffizienz, indem es sich selbst an sein eigenes Programm, an den Sonnenstand und an die Geländeeigenschaften anpasst.

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Es optimiert sein Programm in vier Boxen oder Körpern: Die Küche, der Essbereich, das Hauptschlafzimmer und die Gästeräume – sie können jeweils unabhängig voneinander oder gemeinsam benutzt werden. Jedes der vier Volumina ist sorgfältig auf dem Grundstück platziert und so gedreht, dass sowohl die beste Aussicht wie auch die beste Orientierung für seinen Gebrauch gesichert ist. Die Schlafzimmer richten sich nach Osten, zum Garten und zum „Bellver Castle“, einer Festung, die über Palma thront.
Der Wohn- und Essbereich orientiert sich nach Südosten, zum Meer und zum Garten. Die Küche richtet sich nach Süden zum Gemüsegarten hin und in der Attika über dem Wohnbereich befindet sich eine Terrasse mit Blick zum Meer. Deren große Glasfenster über dem Wohnbereich schauen nach Süden, um der Wintersonne die Gelegenheit zu geben, den inneren Teil des Hauses zu erwärmen. Gleichzeitig schützen die weiten Dachvorsprünge die Räume vor zu starker Sommerhitze.

 

Jede Box hat große Öffnungen in Richtung der besten Aussicht und schmälere an der gegenüberliegenden Seite, um eine Querlüftung zu gewährleisten. So wird auch die Ost-West-Brise des Ortes bestens genutzt. Die südlich gerichteten Öffnungen sind stark zurückgesetzt, um die Wintersonnen hineinzulassen und im Sommer die Schattenwirkung zu nutzen. Die ost- und westgerichteten Öffnungen haben außen Fensterläden. Das Haus ist nach dem Standard des Passivhauses entworfen.

Was jetzt wie eine einfache Aufzählung von „ohnehin bekannten Weisheiten“ klingt, ist aber in dieser Konsequenz beim Bauen eigentlich nur schwer durchzuhalten. Logische, aus Klima und Ökologie abgeleitete, aber in unseren Breiten oft missachtete Regeln, haben die Architekten sehr stringent umgesetzt und so eine maximale Energieeffizienz erzielt. Dazu wurde auch eine rigorose, infografische und thermale Studie erstellt um den optimalen Wärmeeintrag festzustellen: Maximierung im Winter und Minimierung im Sommer.
Die Gebäudehülle hat eine außenliegende ETICS-Isolierung (External Thermal Insulation Composite Systems) bis zu einer Stärke von 15 Zentimeter. Sie überdeckt peinlich genau sämtliche Verbindungen und Anschlüsse, um allfällige Wärmebrücken hundertprozentig zu vermeiden. Durchdringungen der Hülle sind auf ein Minimum reduziert und gleichzeitig die Hermetik der Hülle maximiert, um den Drucktest (Blower-Door-Test) für jeden Raum zu bestehen. Wärmetauscher schaffen einen Luftwechsel ohne Energieverschwendung und werden dabei von der Abwärme, die beim Duschen und beim Kochen entsteht, unterstützt.

 

Dank dieser Maßnahmen ist keine Kühlung notwendig – ein großer Vorteil an den heißen Tagen, die üblicherweise den Sommer in Mallorca prägen. Ebenso ist der Wärmebedarf des Hauses nur 11 kWh/m2a (ein typisches mallorquinisches Gebäude dieser Größenordnung braucht dagegen 85 bis 100 kWh/m2a). Dieser minimale Wärmebedarf wird mit einem kleinen Fußbodenheizungskreis abgedeckt. Der Energiebedarf für das Warmwasser wird fast vollständig durch Solarthermie am Dach erzielt. Die schrägen Pultdächer haben ein System zur Sammlung von Regenwasser – drei der Dächer liefern das Wasser für die Bewässerung der Grünflächen, während das vierte Dach das „Saubere“ ist: Hier wird das Nutzwasser gesammelt. Aus diesem Grund gibt es zwei separierte Zisternen – eine mit 40 m3 und eine mit 8 m3 Fassungsvermögen. Sie sind in den Zwischenräumen zwischen Haus und Gelände angeordnet.

 

Aufgrund dieser Maßnahmen ist die Architektur komplett unabhängig und autonom im Bezug auf Wasser. Der Garten hält einen Teil für Gemüse, pflegeleichte Vegetation und sommergrüne Laubbäume im Süden des Hauses bereit, um eine Beschattung im Sommer zu bieten. Das gesamte Projekt ist mit einem minimalen Budget ausgeführt und hat äußerst geringe Energiekosten. Es bietet umweltschonende und nachhaltige Werte und ein Monitoring seit der Fertigstellung letzten September bringt nur Erfreuliches für seine Bewohner: Bis zum April haben die Nutzer (laut Report) die Heizung nie angedreht. Die täglich (Tag und Nacht) gemessenen Innenraumtemperaturen lagen im Winter zwischen 21 und 24 Grad, bei Außentemperaturen von 5 bis 12 Grad Celsius.

 

MM House
Palma de Mallorca, Spanien
Bauherr:
privat
Planung: OHLAB
Mitarbeiter: Paloma Hernaiz, Jaime Oliver, Jorge Ramón
Statik: Jesús Alonso
Grundstücksfläche: 1.620 m2
Bebaute Fläche: 168 m2
Nutzfläche: 196 m2
Planungsbeginn: 11/2013
Bauzeit: 16 Monate
Fertigstellung: 07/2015

Fotos: ©José Hevia

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Kategorie: Nachrichten, News, Projekte

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