Mysteriöse Linien des Architekten Moon Hoon

6. April 2017 Mehr

Mysteriöse Linien

Dogok Maximum / Seoul / Moon Hoon

 

Fassaden sind üblicherweise die Außensichten der Architektur, das Antlitz des Hauses. Nicht so bei dem Projekt Dogok Maximum des mittlerweile weltweit bekannten koreanischen Architekten Moon Hoon. Bei dieser Architektur gibt es im Inneren keinen einzigen Raum, der nicht in irgendeiner Weise von denselben Linienmustern wie die Außenseite geprägt ist. Das Konzept zieht sich stringent und durchaus kreativ bis in den kleinsten Winkel, bis zum letzten Eck am Dach durch. Hier wird die Fassade auch zur Innenansicht.

 

Moon Hoon

 

Das multifunktionale Gebäude im Gangnam-gu Bezirk in Seoul, Südkorea, präsentiert einerseits die Persönlichkeit des Auftraggebers in einer sehr freien Interpretation. Anderseits drückt es die Abneigung von Architekt Moon Hoon gegen große Fensteröffnungen aus. Man könnte es als ein schmales, multifunktionales Gebäude mit einem Fotostudio für den Sohn des Auftraggebers im Untergeschoss, einem Empfangsbereich und Wohnmöglichkeiten für die betagte Mutter und Sohn, beschreiben. Es ist mit einem kompakten Aufzug ausgestattet, um für die Wochenendveranstaltungen der Eltern Komfort und den leichten Zugang zu den Obergeschossen zu bieten.

 

Moon Hoon sagte zu architektur: „Ich fühle mich jedes Mal unwohl, wenn ich zeitgenössische, moderne Bauten mit ihren großen Fensteröffnungen sehe. Schlimmer ist das noch, wenn es sich um Wohnbauten handelt, denn ich persönlich fürchte immer, dass da zu viel Licht hereinkommt und dass meine Privatsphäre gestört werden kann. Natürlich kann man das mit allen möglichen Hilfsmitteln, wie Jalousien oder Sichtschutz oder Vorhängen kontrollieren, aber das sind keine grundlegenden Lösungen.“ Deshalb hat er ganz bewusst seinen Auftraggebern kleine, einzigartige Fenster für das Projekt vorgeschlagen. Zuerst waren diese sehr besorgt, dass es zu dunkel im Inneren werden könnte, aber dann ist ein Ergebnis mit Räumen, die beides haben, entstanden: genügend helle und auch dunkle Bereiche.

 

 

 

Während der Architekt sich eher unbekümmert mit den imaginären Linien des Baukörpers spielte – er versucht in allen seinen Arbeiten, „scheinbar“ irrelevante Elemente mit Linien zu verbinden – entstand eine zufällige Ordnung, welche die Basis für das äußere Design des Körpers bildete. So bildete sich das Relief, welches heute, teils erhaben und teils vertieft, die Fassade gliedert und strukturiert. Und diese Linien, virtuell auf den Körper projiziert, bleiben als dekorative Teilungen, Markierungen und Zeichen an den inneren Wänden sichtbar. Moon Hoon meint, dass der Hauptgrund für ihn als Entwerfer, unkontrollierbare, zufällige Situationen in das Design zu übernehmen, der ist, dass so oft bessere Lösungen als aus der reinen Rationalität entstehen.

An der Straßenseite ist das Haus fünf Geschosse hoch, nach hinten – zur bestehenden Steinmauer hin – treppt es sich auf drei Ebenen ab. In diesem kleineren der beiden Türme sind die Nasszellen übereinandergestapelt. Die Außenseite des Körpers ist Sichtbeton, wie bei den meisten seiner Bauten. Die unregelmäßigen, in der Fassade fast winzig erscheinenden Öffnungen sind auch die Reaktion auf die urbane Umgebung, welche eine gewisse Intimität und Sichtschutz für Privatbereiche erforderte. Die Linien im Beton markieren teilweise die Fenstergrenzen und -größen.

 

Die Gestaltungslinien der Fassade ziehen sich bis ins kleinste Detail in die Innenräume hinein.

 

Auf der Straßenebene ist ein kleiner Parkplatz für Kunden des unterirdischen Fotostudios oder für die Besitzer integriert. Durch Glastüren gelangt man in den Empfangsraum auf der Eingangsebene. Ein schwarzer Parkettboden und hellblau gestrichene Wände sorgen für eine coole Atmosphäre. Von hier führen eine schwarz-weiß gekachelte Treppe mit weißem Metallgeländer hinunter ins Studio und eine weitere Stiege in den ersten Stock zum Schlafbereich des Sohnes mit Ankleide- und Arbeitsraum.

 

 

Hier kontrastiert ein Holzboden mit grau, weiß und rot gestrichenen Wänden und dem schwarz-weißen Bad hinter einer Glaswand. Im zweiten Obergeschoss sind dann die Wohnbereiche/Lounge, mit Küche und Essplatz situiert. Hier fallen die großteils aus hellen und dunklen Hölzern gefertigten Einbaumöbel auf. Sie sind platzsparend und innovativ angebracht, bilden auch eine leicht erhöhte Stufe im Küchenbereich. In der dritten Etage befindet sich ein weiterer Schlafbereich mit eigenem Bad und WC. Eine Stiege führt dann auf die Dachterrasse – hier kann man von einem Indoor Hot Tub (auch wieder schwarz-weiß verfliest), geschützt hinter einer Glaswand, den Blick hinunter auf die Nachbarschaft des Viertels werfen.

 

 
Dogok Maximum
Seoul, Südkorea

Bauherr: privat
Planung: Moon Hoon

Grundstücksfläche: 68,00 m2
Bebaute Fläche: 40,76 m2
Nutzfläche: 183,97 m2
Planungsbeginn: Mai 2015
Bauzeit: 9 Monate
Fertigstellung: Okt. 2016

 

Text: Peter Reischer

Fotos: ©Namgoong Sun

 

 

Tags: , , , ,

Kategorie: News, Projekte

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen