Location X

25. Juni 2014 Mehr

Georgien hat in den vergangenen Jahren einige Veränderungen erlebt. So wurde zum Beispiel das Parlament von der Hauptstadt Tiflis nach Kutaisi verlegt. Diese Stadt ist auch Heimat der Universität und vieler Studenten. Mit dem Ende des Schwerindustrieexports nach Russland durchlebte die Stadt eine schwierige wirtschaftliche Periode.

Somit stellen die Übersiedlung des Regierungssitzes und der Bau eines neuen Flughafens einen wesentlichen Faktor für den neuerlichen Aufschwung der Stadt und der Region dar.
So wie auf einer Landkarte ein großes X den Ziel- oder Ausgangspunkt markieren kann, so stellt sich der Kutaisi International Airport seinen Benutzern dar: Ein riesiges rotes X lenkt den Blick sowohl auf der Ankunftsseite wie auch von der Rollbahn her, auf je ein Eck des flachen Gebäudes. Es bildet einen Treffpunkt und einen Wiedererkennungspunkt.
Der Flughafen in Georgien, der von UNStudio entworfen ist, wurde kürzlich fertiggestellt und soll sowohl nationale wie internationale Drehscheibe für bis zu eine Million Passagier pro Jahr werden – für Touristen, Politiker und internationale Diplomaten.

Momentan fertigt er 30 Flüge pro Woche ab, im Frühjahr sollen es bereits 40 sein und auch Direktverbindungen aus Westeuropa sind in Planung.
Der Entwurf der Architekten enthielt das volle Programm für einen Airport inklusive einer Erneuerung der Landebahn, einen Masterplan für die Landschaftsgestaltung und auch deren zukünftige Entwicklung sowie den Kontrolltower, Büros und eine meteorologische Station. Die Bedingungen für den Flughafenbau waren sehr streng, eine Mischung aus europäischen und georgischen Standards, inklusive der Erdbebensicherheit Stufe 8. 

Der Bau beinhaltet Einflüsse sowohl der Landschaft wie auch der Geschichte und der Architektur: In Georgien stellen öffentliche und private Gebäude ihre Eingangshallen und Foyers als ein Zeichen ihrer individuellen Identität öffentlich zur Schau. Die Architektur des Gebäudes nimmt nun Anleihen bei einem Eingangstor, in dem ein klares strukturelles Layout ein allumfassendes und schützendes Volumen bietet. Neben dem o. e. X-förmigen Detail der Außenecken taucht im Inneren des Baus, als sogenannter Regenschirm (Umbrella), eine weiter kennzeichnende Struktur auf. Dieser in der Mitte des Volumens gelegene Ort fungiert als Kreisverkehr für die Passagierflüsse. Dieser ‚Umbrella‘ garantiert den Ausblick von der Terminalhalle auf das Rollfeld und auch auf die Berge des Kaukasus am Horizont.
Der Kern des ‚Umbrellas‘ ist ein Außenhof, der von den abfliegenden Passagieren benutzt werden kann.

Der transparente Bereich um diesen Hof sichert einen störungsfreien Fluss der abfliegenden und ankommenden Fluggäste. Die Momente des ‚Kommens‘ und des ‚Gehens‘ werden durch die großzügigen Weiten und die Höhe der Decke der Terminalstruktur sozusagen ‚zelebriert‘. Eine Art der Raumauffassung und Atmosphäre, wie man sie aus den großen Bahnhöfen und Wartehallen der Vergangenheit kennt. Das Design bestimmt die logistischen Prozesse, bietet optimale Sicherheit und stellt für die Reisenden genügend Raum für ein komfortables Erledigen aller Notwendigkeiten sicher.
Da die Halle – im Sinn der örtlichen Tradition – auch wie eine Art Lobby für das Land Georgien funktioniert, dient sie auch als Cafe und Kunstgalerie. Es werden Arbeiten von jungen georgischen Künstlern gezeigt und so entsteht auch ein weiterer Identifikationspunkt für die junge Kultur des Landes. 

Der 55 Meter hohe Kontrollturm samt dazugehörigen Büro- und Betriebsgebäuden ergänzt das Design des Terminals. Der Signalcharakter der Architektur macht ihn zu einem Leuchtturm für den Flugplatz und die gesamte Umgebung. Der Raum der Flugleitzentrale auf der obersten Ebene bietet einen 360-Grad-Ausblick auf die Gegend. Das geräumige und bequeme Innere bietet den Arbeitsplatz für 4 – 8 Fluglotsen und optimale Konzentration. Das Äußere des Turms ist mit einer perforierten Haut, die auf einem Stahlbetonkern verankert ist, umhüllt. So wird der Wind für Lüftungszwecke mitverwendet. LEDs zwischen der Haut und dem Betonkern verstärken den Effekt des Leuchtturms bei Nebel und Dämmerung, indem sie ihre Farbe mit der Windgeschwindigkeit ändern. Dieses interaktive Element erzeugt das Gefühl des Nach-Hause-Kommens für Fluggäste und auch die, die bereits in die nahe Stadt zurückfahren. Der Entwurf des neuen Flughafens beinhaltet auch viele nachhaltige Elemente. Ein großes unterirdisches Vorkommen von Wasser stellt die Grundlagen für eine Reduktion des Energieverbrauchs dar: für die Betonkernaktivierung und als Becken für die Sprinkleranlage. Die Böden des Terminals und auch des Towers benutzen dieses Wasser, um in beiden Volumina eine konstante Temperatur zu halten. Beim Terminal sorgen auskragende Dächer für den Sonnenschutz im Süden und Südwesten.

Ein hybrides Niederdruck-Ventilationssystem ist in die Hauptstruktur der Halle integriert, ebenso gibt es ein Grauwassersammelsystem im Fußboden unter dem Terminal. Eine Zukunftsvision ist, dass der Flughafen von Kutaisi, Georgiens erster Flugplatz mit einem geschlossenen Abfallvermeidungs- und Recyclingsystem sein soll. Er soll auch mit schon existierenden und noch kommenden Projekten in Georgien verbunden werden können.

Das gesamte Projekt wurde innerhalb von zwei Jahren errichtet und die Stahlkonstruktion des Terminals – die in Ungarn produziert und von dort geliefert wurde – hat kürzlich den Europäischen Stahlbaupreis gewonnen. Es beinhaltet natürlich die Möglichkeit einer Erweiterung – das Potenzial für eine Verdopplung der Kapazität und der Größe ist gegeben – sollte es sich in der Zukunft als notwendig erweisen. (rp)

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Kategorie: Nachrichten

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