VZI-Podiumsdiskussion Bildung und Bedarf – zwei widersprüchliche Begriffe

2. April 2014 Mehr

Die Bildungsdebatte gibt es bereits seit vielen Jahren, doch hat sich etwas geändert? Werden Architekten und Ingenieure so ausgebildet, dass sie den Bedarf am Markt erfüllen können oder wird die Kluft zwischen Theorie und Praxis größer? Welche Voraussetzungen müssen Architekten und Ingenieure erfüllen, um den Anforderungen von Morgen gerecht zu werden?

Diese Fragen diskutierte der  Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI) im Hotel Sacher. Als Podiumsdiskutanten nahmen teil: O.Univ.Prof. DI Dr. Sabine Seidler, Rektorin der Technischen Universität Wien; Ing. Wilhelm Behensky, M.Ed., Vorsitzender der Geschäftsleitung der Fachhochschule FH Campus Wien; Univ.Doz. DI Dr. Georg Haberhauer, Vizerektor Universität für Bodenkultur Wien und DI Andreas Gobiet, VZI Präsident und GF Ingenos.Gobiet.ZT GmbH. Mag. Karin Keglevich, Special Public Affairs GmbH, moderierte die Diskussion.

Als Hauptproblem bei der Ausbildung der Architekten sieht Gobiet, dass das Planungshandwerk nicht mehr ausreichend gelehrt, sondern der Fokus zu stark auf Design und Entwurf gelegt wird. Seidler teilt die Sorge, dass die technische Planungsausbildung auf der TU unterentwickelt ist und die TU damit ihr Alleinstellungsmerkmal verloren hat. Eine Stärkung der Planungsausbildung ist in Diskussion, allerdings sieht Seidler dies als mittel-, wenn nicht sogar langfristiges Projekt. Zu kämpfen hat man nicht nur mit einem Platzproblem, da jährlich1000 Architekturstudenten an der Universität anfangen, tatsächlich aber nur 500 Plätze vorhanden wären, auch das Image, sowie die Rankingplatzierungen sorgen für Probleme. Auch die Internationalisierung der Universitäten wurde in Österreich stiefmütterlich behandelt, was sich bei den Rankings niederschlägt. Allerdings ist die TU in weltweiten Rankings unter den besten 200 Universitäten, in Europa immerhin unter den 50 besten technischen Ausbildnern gereiht. Das Image der Absolventen ist gut, 90 Prozent sind drei Monate nach dem Abschluss in der Wirtschaft tätig.

Haberhauer deponiert, dass an Universitäten nicht bedarfsorientiert ausgebildet wird, bringt aber den Begriff der Berufsfähigkeit ein, die die Studenten mit dem Abschluss der Ausbildung erlangen sollten. Eine Befragung von 1200 Boku-Absolventen zeigt, dass rd. 95 Prozent nach sechs Monaten einen Arbeitsplatz gefunden hatten. Technik & Naturwissenschaften sowie Mathematik & Physik, aber auch die sozialwissenschaftlichen Komponenten werden auf der Boku angeboten.

Behensky hat die Möglichkeit, das Bildungsangebot an der FH immer wieder nachzujustieren, unter den Vortragenden befinden sich zukünftige Arbeitgeber, Absolventen und Arbeitgeber werden laufend nach ihrem Bedarf befragt. Die Absolventen haben noch vor dem Abschluss ein Jobangebot, auf 1400 Studienplätze kommen 8000 Bewerber.

Generell wünscht man sich mehr Frauen in technischen Berufen, diese haben aber, gerade für Frauen, ein wenig attraktives Image. Gobiet wirft ein, dass es zu wenig Motivation gibt, technische Studienrichtungen zu studieren und zusätzlich Soft Skills enorm wichtig sind. Man braucht in Zukunft teamfähige, kommunikative Techniker. Seidler weiß um diese Problematik, deponiert allerdings, dass solche Kurse angeboten werden, der Besuch allerdings auf freiwilliger Basis beruht. Seidler sieht auch die geringe Mobilität der österreichischen Studierenden im Ausland zu studieren. Es gibt doppelt so viele Incomings als Outgoings.

Haberhauer bietet auf der Boku auch sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fächer an, da er die Soft Skills als wichtigen Teil der Ausbildung sieht. Man kommt überein, dass das Persönlichkeitstraining für die Absolventen ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung sein muss. Ebenso sind Sprachkenntnisse gefragt. Offen bleibt, wie man in Österreich speziell Frauen für Technik interessieren kann. Hierzulande hat die Technik für Frauen ein schlechtes Image. Das Interesse an technischen Ausbildungen muss verstärkt gefördert werden.

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Kategorie: Veranstaltungen

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