Camper im Vitra Architekturpark

22. Juli 2015 Mehr

 

Die Anfänge des Schweizer Büro- und Wohnmöbelherstellers Vitra liegen im Ladenbau. Heute gehören zur Vitrashop Gruppe der Shopfitting-Spezialist Vizona, das auf Warenträger und Retail-Interior fokussierte Unternehmen Visplay und die Firma Ansorg als kompetenter Ansprechpartner für Lichtlösungen im Retail. Gemeinsam mit dem spanischen Schuhhersteller Camper, der für seine internationalen Rollouts mit namhaften Architekten wie Tokujin Yoshioka, Kengo Kuma und Shigeru Ban kooperiert, haben diese nun auf dem Vitra-Firmengelände in Weil am Rhein ein temporäres Pop-up Projekt realisiert.

 

 

Den Rahmen bildet der Vitra Architekturpark – der seit dem Brand 1981 neben Produktionshallen von Nicholas Grimshaw, Frank Gehry und Álvaro Siza, einem Feuerwehrhaus von Zaha Hadid und einem Konferenzpavillon von Tadao Ando u.a. auch einen Dome nach Richard Buckminster Fuller beherbergt. Jene als geodätische Kuppel gestaltete Zeltkonstruktion dient seit 2000 als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum. Für die Präsentation der Marke Camper im Rahmen der Vitra-Ausstellung „Making Africa“ wird das Bauwerk im Sommer 2015 als interaktiver Showroom genutzt. Für die Planung zeichnet der aus Burkina Faso, Westafrika, stammende und in Berlin ansässige Architekt Diébédo Francis Kéré verantwortlich. Seine Aufgabe war es, unter der lichtdurchfluteten Kuppel des Domes eine temporäre Struktur zu errichten, die zeitgemäße Markenarchitektur mit eigenständiger Identität ermöglicht, ohne dabei mit der historischen Konstruktion zu konkurrieren.

Kéré Architects entwickelten für das Pop-up Projekt eine Art Raum im Raum – zwei ineinander verschachtelte Wandstrukturen auf eiförmigem Grundriss. Die innere Wand definiert einen nach oben hin offenen Zentralraum. Dieser ist von einem ringartig angelegten, überdachten Gang eingefasst, den die äußere Wand begrenzt. Mehrere Durchgänge verbinden einerseits die beiden Raumzonen miteinander und andererseits Kérés temporäre Installation mit dem umgebenden Kuppelraum von Fuller.
Beim Rundgang durch die äußere Raumzone wird das Unternehmen Camper als Partner der Ethical Fashion Initiative vorgestellt. Das Zentrum der Installation bietet dem Besucher eine unmittelbare, haptische Begegnung mit den Schuhen. Vor Ort demonstriert ein Schuhmacher sein Handwerk. Modelle aus der Limited Edition der Ethical Fashion Initiative und ausgesuchte Produkte aus der Herbst/Winter Kollektion 2015/16 werden hier ausgestellt.

 

Multifunktional

Kéré verwendet hauptsächlich natürliche und nachhaltige Materialien, wie eine aus Seegras geflochtene Matte, mit der der Boden im zentralen Bereich der Rauminstallation ausgelegt ist, und Holz für die Wandkonstruktion. Diese wurde von dem Vitra Unternehmen Vizona als zentrales Element der Retail-Architektur aus Tischlerplatten realisiert. Sie bietet Raum für multimediale Markenbotschaften als auch für die Warenpräsentation, dient als Stauraum und erlaubt die Integration von Welcomedesk und Sitzgelegenheiten. Die durchgehenden, horizontalen Regaltablare zeichnen das organisch geformte Grundrisslayout nach. Die zickzackförmig angeordneten vertikalen Paneele hingegen legen die Form der einzelnen Fächer fest und erlauben es, die Regalwand beidseitig zu bespielen. Schmale Spalten zwischen den Vertikalelementen verleihen der Konstruktion Leichtigkeit und ermöglichen eine visuelle Verbindung zwischen den Raumzonen.
Direkt am Warenträger und damit „unsichtbar“ wird die Elektrik für Licht und Digital Signage sowie ein schnelles Kommunikationsnetz gebündelt. Dafür kommt erstmals das von Visplay entwickelte stromführende System für In-Store-Kommunikation, Mono 6 P/L, zum Einsatz. Flexibel und unauffällig lassen sich damit unterschiedliche Kommunikationsmedien und LED-Lichtquellen in die Wandkonstruktion integrieren. Die Beleuchtung selbst ist exakt auf den Ladenbau abgestimmt. Deckeneinbauleuchten, LED-Leuchten an den Tablaren und alle anderen Lichtkörper können mittels App Easy von Ansorg einfach gesteuert und auf den Tageslichteinfall abgestimmt werden und erfüllen so gemeinsam mit unterschiedlichen digitalen Geräten alle technischen Anforderungen an ein zeitgemäßes Shopping-Erlebnis.
Neben unterschiedlichen Screens und Displays stehen auch Scanner zum Vermessen und Speichern der jeweiligen Fußformen zur Verfügung. Diese Daten können dann für die Fertigung optimal geformter Einlegesohlen wie auch für spätere Onlinekäufe genutzt werden.
Das temporäre Projekt der Kooperationspartner Vitra und Camper ermöglicht so die experimentelle Erprobung neuer Retail-Konzepte, die darauf abzielen, das Einkaufen zum Erlebnis zu machen und Kunden an die Marke zu binden, indem die reale Begegnung mit dem authentischen Produkt und der Komfort des digitalen Einkaufs kombiniert werden. Wie selbstverständlich verschränken sich hier on- und offline-Shopping, digitale Medien und gelebtes Handwerk, funktionale Flächennutzung und anspruchsvolle Retailarchitektur.

 

Fotos: Eduardo Perez

 

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Kategorie: SHOP-ARCHITEKTUR

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