Meilenstein aus Holz – METRO

23. Januar 2018 Mehr

Mit der Zielsetzung „Null-Energie und Null-Emission“ hat der Metro-Markt Zero 1 in Sankt Pölten von Anfang an alle Anforderungen einer BREEAM-Zertifizierung in der Kategorie Outstanding berücksichtigt. Poppe-Prehal Architekten, deren Engagement bereits 2015 mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde, überzeugten bei dem geladenen Wettbewerb mit einem Gebäude in Holzbausweise, das auf recycelte und recycelbare Materialien setzt.

 

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Der bestehende Großmarkt im Norden der Stadt konnte die neuen Betreiber- und Kundenbedürfnisse nicht mehr ausreichend erfüllen. Statt für einen aufwändigen und damit wirtschaftlich wenig rentablen Umbau entschied man sich für einen kompletten Neubau an anderer Stelle. Der neue Markt bot somit die Möglichkeit, das gesamte Konzept neu zu überdenken und wesentliche Weichen für den Um- und Neubau weiterer Filialen zu stellen:
Rein äußerlich fällt zunächst die zurückhaltende Farbgestaltung auf. Statt in der für Metro typischen Farbgebung Blau und Gelb zeigt sich die Fassade hier betont schlicht in vergrautem Fichtenholz. Lediglich zwei Logos verweisen auf die Corporate Colours.
Die Außenwand besteht aus 24 cm starken Holzständern, die mit OSB beplankt und ausgedämmt sind, einer Windsperre und außen einer Holzfassade bzw. in einigen Bereichen auch Steckmetall als Sichtfläche. Die Holzlattung ist thermobehandelt und mit einem Vorvergrauungsanstrich versehen, dessen Pigmente sich mit der Zeit wieder auswaschen.
Der gemeinsame Ein- und Ausgangsbereich ist – von außen weithin erkennbar – in einem voll verglasten Bauteil untergebracht und von einem riesigen Vordach überspannt, das bis weit über die Kundenparkplätze reicht. Dieses Dach ist als eine mit transparenten Folienkissen bespannte Stahlkonstruktion konzipiert. Darunter befinden sich Strahler, die das Gebäude abends beleuchten – allerdings nur bis 22 Uhr, was sowohl die Energiekosten als auch die nächtliche Lichtverschmutzung reduziert.

Licht und Raum
Großzügige Glasflächen erlauben Sichtbezüge zwischen innen und außen und bringen viel Tageslicht in den Markt. Oberlichtbänder in der offen gestalteten Dachkonstruktion erhöhen zusätzlich den Tageslichtanteil. Im Markt eröffnet sich – rund um einen zweistöckigen Lounge- und Bistro-Bereich – eine riesige Verkaufsfläche mit ingesamt 8.500 m². Links vom Eingang befinden sich Hochregale, rechts haben alle Regale eine maximale Höhe von 1,50 m
und erlauben so optimale Weitsicht. Die einzelnen Zonen sind zur einfacheren Orientierung außerdem übersichtlich beschriftet. Lichtfarbe und Raumtemperatur differieren je nach Sortiment. Gelüftet wird ganz ohne Lüftungsanlage, dank der sich automatisch öffnenden Fenster über eine nächtliche Querlüftung, die das Gebäude selbst in Tropennächten ausreichend abkühlt. Auf eine permanente Lüftung und die Kühlung ganzer Sortimentsbereiche konnte somit verzichtet werden, was nicht nur die Energiekosten wesentlich reduziert, sondern auch die Aufenthaltsqualität für Kunden deutlich verbessert. Fleisch, Fisch & Co. müssen natürlich trotzdem zusätzlich gekühlt werden. Die Abwärme der Kältemaschinen wird jedoch gleich sinnvoll für das perfekte Temperieren des Raumes genutzt.

Heimeliges Holz
Neben Übersichtlichkeit, angenehmer Raumtemperatur und viel Tageslicht ist auch der hohe Anteil an Holz ein wesentlicher Wohlfühlfaktor. Denn der CO2-Speicher Holz kommuniziert nicht nur rein visuell Naturnähe und Wohnzimmer-Feeling, sondern fungiert auch als wohltuender Schallschlucker. 600 Kubikmeter Holzplatten und 2.250 Kubikmeter wieder verwertbares Massivholz als tragendes Element für Fassade und Dach wurden verbaut. Die Deckenuntersichten des Marktes sind durch Brettschichtholzträger aus Fichte geprägt. Auch die Innenwände sind teilweise als Holzriegelkonstruktion ausgeführt. Die OSB-Platten im Wandbereich bestehen aus Kiefernholz. Die konstruktiv wirksamen Holzstützen sind in Form von Kreuzstützen ausgebildet. Das spart Material und ermöglicht Seitenmaße von lediglich 90 x 90 cm. Das Stützraster misst ca. 20 x 20 m. So lassen sich unterschiedlich große Raumabschnitte bilden, die auch eine mögliche spätere Umnutzung erlauben. Außerdem wäre es möglich, das gesamte Gebäude wieder in seine Einzelteile zu zerlegen und diese neu zu verwenden oder getrennt zu entsorgen. Weil das – übrigens durchwegs heimische – Holz unbehandelt ist, ist auch eine thermische Verwertung unbedenklich.

Weitere Schritte
Als Boden wurde Beton mit Quarzsandeinstreuung, naturerdig pigmentiert, gewählt. Die Bodenplatte ist beheizt und bringt die Wärme somit genau dorthin, wo sie gebraucht wird. Die Dämmung darunter besteht aus leichtem Schaumglasschotter, einem zu 100% aus Altglas gewonnenen Recyclingmaterial. Auch die Gebäudehülle – inklusiver aller Andockstationen und Tore bei den Laderampen – ist optimal gedämmt und erfüllt somit alle Anforderungen eines Niedrigstenergie-Gebäudes. Eine Fotovoltaikanlage am Dach (1.008 kWp) erzeugt die restliche benötigte Energie – über das Jahr sogar mehr als für den Markt selbst gebraucht wird, wodurch Zero 1 auch als Plus Energie Haus fungiert.
Mit rund 12 Millionen Euro betrugen die Baukosten übrigens gleich viel wie für die Errichtung eines „konventionellen“ Großmarktes. „Das Geheimnis hinter der Kostengleichheit ist ganz einfach eine Kostenverschiebung von aufwändiger Haustechnik – die wir hier weit möglichst vermieden haben – hin zu einer cleveren Gebäudehülle. Das bedeutet auch für die Zukunft geringere Betrieb- und Wartungskosten“, erklärt Architekt Andreas Prehal.
„Unser Großmarkt ist ein Beispiel dafür, dass ein Industriegebäude nicht teurer sein muss, wenn es nachhaltig gebaut wird. Die Betriebskosten des Marktes sind viel geringer, und damit ergibt sich über den Lebenszyklus ein sehr erfolgreicher Business Case.“, ergänzt Metro-Generaldirektor Arno Wohlfahrter, der in dem neuen Großmarkt einen Meilenstein sieht, nicht nur für das eigene Unternehmen sondern auch für Österreich und international.

 

 

Projekt: METRO Zero 1 St. Pölten:
Objektadresse: Stattersdorfer Hauptstraße 1, 3100 St. Pölten
Bauherr: Sinco Großhandelsgesellschaft m.b.H.
Architekt: Mag. Andreas Prehal, POPPE*PREHAL ARCHITEKTEN ZT GmbH
Bruttogrundfläche: 13.295 m²
Nettogeschossfläche: 12.873 m²
Außenabmessungen: ca. 140×80 Metern
Attikahöhe: über 10 Meter
Baubeginn: Oktober 2016
Fertigstellung: Juli 2017
Baukosten: rund 12 Millionen Euro

Fotos: ©Walter Ebenhofer

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Kategorie: SHOP-ARCHITEKTUR

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