Funktionierende Shopkonzepte basieren zumeist auf langjährigen
branchenspezifischen Erfahrungswerten. Was aber, wenn eine Branche noch jung und mitunter
ein zu verkaufendes Produkt gar nicht real erfassbar ist? Das Unternehmen mobilkom austria
suchte für seine Marke A1 einen neuen Weg der Shopkonzeption. Das Design-Team EOOS hat ihn
gefunden. Im A1 Flagship Store erlebt der Kunde nun eine Einkaufstour der besonderen Art.
Die Melodie von Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ lässt sich nicht
angreifen. Frank Sinatras unvergleichliche Stimme leider auch nicht. - Ein Problem, so man
mit Handys ausgefeilte akustische Technologie verkaufen möchte. Tatsächlich ist in der erst
10 Jahre alten Branche der Mobilfunktelefonie noch keine adäquate Form der Darstellung von
realen Gegenständen in Kombination mit zahlreichen virtuellen Produkten wie beispielsweise
den Klingeltönen entstanden. Die Aufgabe, die sich für mobilkom austria stellte, war daher
keine einfache: Auf der Wiener Einkaufsmeile Mariahilferstraße sollte auf einer
Gesamtfläche von rund 700 m2 nicht nur ein bestehendes Shopkonzept vergrößert, sondern die
Marke A1 zugleich auch ein Stück vorwärts gebracht werden. Das beauftragte Designerteam
EOOS agierte mit viel Intuition und setzte auf ein Shoperlebnis nach einem speziellen
dramaturgischen Konzept: ein erlebbares Zusammenspiel von Hightech und archaischen
Verhaltensmustern, vermittelt durch die Bildwelten von Transzendenz, Visionen und
Illusionen. Ein Konzept, das alle Sinne anspricht - als flüchtige Eindrücke einer
schnelllebigen Welt. Das Resultat: Der Weg durch den Shop gestaltet sich aus Kundensicht
als mystische Reise.
Begrüßung im Nebel: Auf einer von Werbung überladenen
Einkaufsstraße erregt der dreigeschoßige Shop mit seiner jungfräulich weißen Fassade die
Aufmerksamkeit der Passanten. Und wen die Neugierde über die Schwelle treibt, der ist
schnell im Bann einer bemerkenswerten Atmosphäre: Der Kunde durchschreitet eine 1,5 m lange
Nebelfassade - gewissermaßen ein Tor in eine andere Welt. Die Nebelwolken werden in eine
gläserne Schiebetür eingeblasen, die beim Eintreten zur Seite geschoben wird. Ein eigenes
von der Klimaanlage abgekoppeltes Regelsystem steuert die Verteilung des Nebels, der von
der Tageszeit abhängig unterschiedliche Szenarien erzeugen kann: Tagsüber wird das
Sonnenlicht in der nach Süden orientierten Fassade gefiltert, nur durch einzelne
Lichtschlitze wird der Verkaufsraum erhellt. In der Nacht verändert sich die Lichtstimmung,
das Licht dringt vom Shop auf die Straße. Tag und Nacht sind visuell auf den Kopf gestellt.
Gelandet in der Raumstation: Die Mystik begleitet den Besucher
weiter durch die Räume. Kaum verlässt man die Nebelwand, berührt der Fuß einen beleuchteten
Glasboden. Üblicherweise kommt das Licht von oben, hier im Shop jedoch von unten. Die
Verkaufsebene ist im Untergeschoß auf ca. 150 m2 angeordnet und erweist sich als
bemerkenswerte Symbiose von Architektur, Produkt und Vision. Sie wird mittels Lichtschlitze
von der Nebelfassade mit Sonnenlicht versorgt. Der Verzicht auf Sichtbezüge zwischen Straße
und Verkaufsraum verstärkt den raumstationsartigen Eindruck. Die Präsentations- und
Verkaufsinseln bestehen aus Flachbildschirmen, die eng mit den ausgestellten Produkten in
Verbindung stehen. Der Kunde selbst ist hier aktiv gefordert. Er erlebt visionäres Shopping
und agiert mit einem Warenkorb, dem „Ghost Handy“: ein transparenter Acrylblock mit
integrierter (RFID)-Technologie. Das „Ghost Handy“ dient als Speicher für die ausgewählten
Waren. Alle gewünschten Daten können nach der Einkaufstour bei der Kassa wieder ausgelesen
und abgerufen werden. Die gekauften Produkte werden aus dem Lager geholt, virtuelle Produkte
sofort auf das Mobiltelefon des Kunden zugestellt.
Interessant auch der zielgruppenspezifische Focus bei der
Gestaltung: Die Inhalte der Inseln sind - wie auch die gesamte Lichtsteuerung -
tageszeitabhängig veränderbar und können angepasst an die jeweilige Zielgruppe ausgewählt
werden. So erwartet dann den Business-Kunden am Vormittag ein anderes Szenario als den
Schüler am Nachmittag.
In die Zukunft: Der Boden leitet den Kunden zielgerichtet weiter
zu einem weiteren zentralen architektonischen Element - dem Flügel. Ein skulpturaler
Einschub, der als Rampe langsam zum Obergeschoß führt. Entlang dieser Zukunftsrampe finden
sich in sieben „future cubes“ zukünftige Mobiltelefone und neue Services - ausgestellt als
Hologramme. Diese sind zwar angreifbar, gleichzeitig greift der Kunde jedoch ins Leere.
Schließlich handelt es sich um reine „Projektionen“ des Zukünftigen. Den Kunden begleitet
bei der Einkaufstour eine permanente Stimmung von Transzendenz, die mittels ausgefeilter
Lichtgestaltung bewirkt wird. In enger Kooperation mit Zumtobel Staff entwickelte EOOS eine
individuelle Lichtlösung, die ein zentraler Bestandteil des architektonischen Entwurfes ist.
Auf abgehängte Elemente und Spots wurde verzichtet, das Konzept durch ein unkonventionelles
Zusammenspiel unterschiedlicher Leuchten- und Lichtsysteme realisiert. Für den Betrachter
nahezu gespenstisch: Die unterschiedlichsten Lichtszenarien auf allen Gebäudeebenen werden
von über 1.200 Lichtquellen erzeugt - allesamt jedoch unsichtbar.
Der Weg führt nach oben: Auf der Vorderfläche des raumgreifenden
Flügels befindet sich im ersten Obergeschoß die Longue. Eine Einladung an den Kunden, sich
hier beraten oder den Blick durch die Nebelfassade auf die Einkaufsstraße schweifen zu
lassen. Die Bar im Obergeschoß vervollständigt das Erlebnisangebot und ist auch außerhalb
der Öffnungszeiten nutzbar. Ein weißer Monolith bildet den Mittelpunkt des Raums, der,
gänzlich von Technologie befreit, den Besucher auf seine unmittelbaren kommunikativen
Fähigkeiten zurückführt. Der Kunde landet sozusagen bei sich selbst. Und findet im besten
Fall hier genügend Muße, die erlebten zukunftsweisenden Technologien und ausgestellten
Produkte mit sich (und seiner Brieftasche) in Einklang zu bringen.
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A1 Flagship Store
Wien, Mariahilfer Straße 60, Wien/Austria
|
| Projekt: |
a1 lounge concept store |
| Bauherr: |
mobilkom austria AG & Co.KG Wien/Austria |
| Planung: |
EOOS Wien/Austria |
| Geschäftsfeld: |
Mobiltelefonie |
| Gesamtfläche: |
ca. 700m² |
| Baujahr: |
2004 |
| Fotos: |
© Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader |
| Text: |
Gudrun Gregori |
Ausstattung:
|
| Unter der künstlerischen Leitung von EOOS |
| Lichtgestaltung: |
Zumtobel Staff |