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Shopping mit allen Sinnen: Der A1 Flagship Store


A1 Flagship Store / Bilder: © Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader A1 Flagship Store / Bilder: © Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader
A1 Flagship Store / Bilder: © Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader A1 Flagship Store / Bilder: © Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader
A1 Flagship Store / Bilder: © Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader A1 Flagship Store / Bilder: © Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader

Funktionierende Shopkonzepte basieren zumeist auf langjährigen branchenspezifischen Erfahrungswerten. Was aber, wenn eine Branche noch jung und mitunter ein zu verkaufendes Produkt gar nicht real erfassbar ist? Das Unternehmen mobilkom austria suchte für seine Marke A1 einen neuen Weg der Shopkonzeption. Das Design-Team EOOS hat ihn gefunden. Im A1 Flagship Store erlebt der Kunde nun eine Einkaufstour der besonderen Art.

Die Melodie von Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ lässt sich nicht angreifen. Frank Sinatras unvergleichliche Stimme leider auch nicht. - Ein Problem, so man mit Handys ausgefeilte akustische Technologie verkaufen möchte. Tatsächlich ist in der erst 10 Jahre alten Branche der Mobilfunktelefonie noch keine adäquate Form der Darstellung von realen Gegenständen in Kombination mit zahlreichen virtuellen Produkten wie beispielsweise den Klingeltönen entstanden. Die Aufgabe, die sich für mobilkom austria stellte, war daher keine einfache: Auf der Wiener Einkaufsmeile Mariahilferstraße sollte auf einer Gesamtfläche von rund 700 m2 nicht nur ein bestehendes Shopkonzept vergrößert, sondern die Marke A1 zugleich auch ein Stück vorwärts gebracht werden. Das beauftragte Designerteam EOOS agierte mit viel Intuition und setzte auf ein Shoperlebnis nach einem speziellen dramaturgischen Konzept: ein erlebbares Zusammenspiel von Hightech und archaischen Verhaltensmustern, vermittelt durch die Bildwelten von Transzendenz, Visionen und Illusionen. Ein Konzept, das alle Sinne anspricht - als flüchtige Eindrücke einer schnelllebigen Welt. Das Resultat: Der Weg durch den Shop gestaltet sich aus Kundensicht als mystische Reise.

Begrüßung im Nebel: Auf einer von Werbung überladenen Einkaufsstraße erregt der dreigeschoßige Shop mit seiner jungfräulich weißen Fassade die Aufmerksamkeit der Passanten. Und wen die Neugierde über die Schwelle treibt, der ist schnell im Bann einer bemerkenswerten Atmosphäre: Der Kunde durchschreitet eine 1,5 m lange Nebelfassade - gewissermaßen ein Tor in eine andere Welt. Die Nebelwolken werden in eine gläserne Schiebetür eingeblasen, die beim Eintreten zur Seite geschoben wird. Ein eigenes von der Klimaanlage abgekoppeltes Regelsystem steuert die Verteilung des Nebels, der von der Tageszeit abhängig unterschiedliche Szenarien erzeugen kann: Tagsüber wird das Sonnenlicht in der nach Süden orientierten Fassade gefiltert, nur durch einzelne Lichtschlitze wird der Verkaufsraum erhellt. In der Nacht verändert sich die Lichtstimmung, das Licht dringt vom Shop auf die Straße. Tag und Nacht sind visuell auf den Kopf gestellt.

Gelandet in der Raumstation: Die Mystik begleitet den Besucher weiter durch die Räume. Kaum verlässt man die Nebelwand, berührt der Fuß einen beleuchteten Glasboden. Üblicherweise kommt das Licht von oben, hier im Shop jedoch von unten. Die Verkaufsebene ist im Untergeschoß auf ca. 150 m2 angeordnet und erweist sich als bemerkenswerte Symbiose von Architektur, Produkt und Vision. Sie wird mittels Lichtschlitze von der Nebelfassade mit Sonnenlicht versorgt. Der Verzicht auf Sichtbezüge zwischen Straße und Verkaufsraum verstärkt den raumstationsartigen Eindruck. Die Präsentations- und Verkaufsinseln bestehen aus Flachbildschirmen, die eng mit den ausgestellten Produkten in Verbindung stehen. Der Kunde selbst ist hier aktiv gefordert. Er erlebt visionäres Shopping und agiert mit einem Warenkorb, dem „Ghost Handy“: ein transparenter Acrylblock mit integrierter (RFID)-Technologie. Das „Ghost Handy“ dient als Speicher für die ausgewählten Waren. Alle gewünschten Daten können nach der Einkaufstour bei der Kassa wieder ausgelesen und abgerufen werden. Die gekauften Produkte werden aus dem Lager geholt, virtuelle Produkte sofort auf das Mobiltelefon des Kunden zugestellt.

Interessant auch der zielgruppenspezifische Focus bei der Gestaltung: Die Inhalte der Inseln sind - wie auch die gesamte Lichtsteuerung - tageszeitabhängig veränderbar und können angepasst an die jeweilige Zielgruppe ausgewählt werden. So erwartet dann den Business-Kunden am Vormittag ein anderes Szenario als den Schüler am Nachmittag.

In die Zukunft: Der Boden leitet den Kunden zielgerichtet weiter zu einem weiteren zentralen architektonischen Element - dem Flügel. Ein skulpturaler Einschub, der als Rampe langsam zum Obergeschoß führt. Entlang dieser Zukunftsrampe finden sich in sieben „future cubes“ zukünftige Mobiltelefone und neue Services - ausgestellt als Hologramme. Diese sind zwar angreifbar, gleichzeitig greift der Kunde jedoch ins Leere. Schließlich handelt es sich um reine „Projektionen“ des Zukünftigen. Den Kunden begleitet bei der Einkaufstour eine permanente Stimmung von Transzendenz, die mittels ausgefeilter Lichtgestaltung bewirkt wird. In enger Kooperation mit Zumtobel Staff entwickelte EOOS eine individuelle Lichtlösung, die ein zentraler Bestandteil des architektonischen Entwurfes ist. Auf abgehängte Elemente und Spots wurde verzichtet, das Konzept durch ein unkonventionelles Zusammenspiel unterschiedlicher Leuchten- und Lichtsysteme realisiert. Für den Betrachter nahezu gespenstisch: Die unterschiedlichsten Lichtszenarien auf allen Gebäudeebenen werden von über 1.200 Lichtquellen erzeugt - allesamt jedoch unsichtbar.

Der Weg führt nach oben: Auf der Vorderfläche des raumgreifenden Flügels befindet sich im ersten Obergeschoß die Longue. Eine Einladung an den Kunden, sich hier beraten oder den Blick durch die Nebelfassade auf die Einkaufsstraße schweifen zu lassen. Die Bar im Obergeschoß vervollständigt das Erlebnisangebot und ist auch außerhalb der Öffnungszeiten nutzbar. Ein weißer Monolith bildet den Mittelpunkt des Raums, der, gänzlich von Technologie befreit, den Besucher auf seine unmittelbaren kommunikativen Fähigkeiten zurückführt. Der Kunde landet sozusagen bei sich selbst. Und findet im besten Fall hier genügend Muße, die erlebten zukunftsweisenden Technologien und ausgestellten Produkte mit sich (und seiner Brieftasche) in Einklang zu bringen.

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A1 Flagship Store

Wien, Mariahilfer Straße 60, Wien/Austria

Projekt: a1 lounge concept store
Bauherr: mobilkom austria AG & Co.KG Wien/Austria
Planung: EOOS Wien/Austria
Geschäftsfeld: Mobiltelefonie
Gesamtfläche: ca. 700m²
Baujahr: 2004
Fotos: © Hans Georg Esch, Bruno Klomfar, Paul Prader
Text: Gudrun Gregori

Ausstattung:

Unter der künstlerischen Leitung von EOOS
Lichtgestaltung: Zumtobel Staff

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