Besonders Herr Österreicher liebt sie - die Baumärkte mit ihrem
breiten Heimwerkersortiment von Werkzeugen über Farben und Baumaterialien aller Art, von
Pflanzen und Gartenaccessoires bis hin zum Gartenzwerg. So wird gerne am Samstag ein
Ausflug mit der ganzen Familie zu einem der zahlreichen Baumärkte unternommen, um sich für
das Wochenende mit (Hobby)arbeit einzudecken. Zumeist sind die Baumärkte überdimensional
große Hallen in Fertigteil-Konformität, die aus städtebaulicher und architektonischer
Sicht besser in jenen architekturfreien Zonen des Kaufens und Verkaufens namens
Gewerbegebiet situiert wären und dennoch vermehrt im innerstädtischen Bereich Einzug
halten.
Vielleicht hat die Firma bauMax einen Anstoß erhalten von den
sorgfältig gestalteten Supermärkten in Tirol von Hansjörg Mölk (besser bekannt unter dem
Signet „MPreis“), beweisen diese doch, dass sich die Begriffe Kaufhaus, Warenhaus,
Supermarkt, Discount und Architektur keineswegs ausschließen. Mit bereits zwei Projekten,
die von namhaften Architekten geplant wurden (1999 wurde ein bauMax von Volker Giencke in
Klagenfurt geplant und gebaut, 1998 einer von Hencke und Schreieck Architekten in
Schwechat) wurde nun auch ein Zeichen sowohl in städtebaulicher Sicht als auch für das
angebotene Warenangebot im 21. Wiener Gemeindebezirk gesetzt. Nachdem der Architekt Walter
Stelzhammer zusammen mit dem Architekten Ernst Hoffmann für die ELIN-Gründe, einem
traditionsreichen österreichischen Elektrotechnikunternehmen, ein Gutachten zur Errichtung
eines Fachmarktzentrums erstellt hatte und in diesem das städtebauliche
Entwicklungskonzept samt Flächenwidmung festlegte, wurde er beauftragt, auf dem nördlichen
Teil des Grundstückes einen MegaBaumax mit 10.000 m2 Verkaufsfläche zu planen.
„Baumäxe“ zeichnen sich üblicherweise aus durch ihr gut sortiertes Angebot mit Waren in den
Bereichen Garten, Werkzeug, Wohnen und Bauen, wobei sich die Gliederung zumeist in
getrennten Baukörpern ausdrückt. Nicht so an der Brünnerstraße. In einem homogenen
Baukörper wurden das Gartencenter und der Baumarkt unter einem einzigen Dach untergebracht.
Der Verkaufsraum für das Warenangebot Garten breitet sich auf der inneren und äußeren
Erdgeschoßebene aus, wo hingegen die Heimwerkerabteilung auf zwei Etagen aufgeteilt wurde.
Notwendige Büros finden in einer Zwischenebene Platz. Das Gebäude ist teilweise
unterkellert für eine Tiefgarage mit 160 Stellplätzen und Technikräumen. Auf der Südseite
des Grundstücks befindet sich ein Parkplatz für 190 PKW. Die Zufahrt erfolgt über zwei neu
geplanten Erschließungsstraßen im Osten und Süden, die Anlieferung über die
Shuttleworthstraße. Eine geschlossene, gedämmte Leichtbauwand dient als Schicht- und
Schallschutz zu Gehsteig und Nachbargebäude.
Der zweigeschoßige Stahlbetonskelettbau mit seiner teils transparenten, teils Alu-
verkleideten Fassade fällt von außen vor allem durch sein weit auskragendes Vordach in Form
eines kantigen dreieckigen Baukörpers mit einer 45° geneigten Wand zum Vorplatz hin, auf.
Diese glasverkleidete, als Schaufenster ausformulierte, enorme Stahlkonstruktion fungiert
beim Annähern als Eyecatcher und suggeriert, die Hauptfassade mit zugehörigem
Eingangsbereich zu sein. Jedoch sind die Eingänge logischerweise nahe den Parkplätzen
situiert. Jene 17,5 m hohe Spitze inszeniert lediglich den schlichten Baukörper und dient
als Witterungsschutz.
Noch ist der davor liegende Platz kein vielgenützter, aber mit dem Ausbau der U-Bahn und
den umliegenden Stadtzerweiterungsmaßnahmen kann er sich durchaus noch zu einem urbaneren
Platz entfalten.
Statt der heute befindlichen Fassadentransparente war von den Architekten ein
dreidimensionales Logo für den schrägen, spitz zulaufenden Innenraum geplant. Die
Marketingabteilung des Unternehmens hat dieses jedoch nicht akzeptiert, und so bietet der
Raum lediglich Platz für die Konstruktionselemente. Von innen erlebt man diesen Luftraum
leider kaum, da hohe Regalwände die Sicht verstellen.
Enorme Raumhöhen im Innenraum lassen das Ambiente großzügig erscheinen, die großflächigen
Verglasungen aus Isolierglas belichten auf natürliche Weise und erzeugen eine freundliche
Atmosphäre. Um die hohen Regalsysteme und die Lagerräume nicht einsichtig zu gestalten,
entschieden sich die Architekten für das zweite Fassadenmaterial der Alupaneele. Den
unterschiedlichen Raumhöhenanforderungen bei Baumärkten Rechnung tragend, entwickelten die
Architekten ein sanft gewölbtes und abfallendes Dach, welches extensiv begrünt wurde.
Die Reduktion der Materialien auf nur einige wenige trägt zur
Einfachheit und Klarheit des Baukörpers bei. Die Akzentuierung der Form zur stark
befahrenen Brünnerstraße hin erweckt Neugierde und lädt (auch Frau) ein, den
„Do-it-yourself-Markt“ genauer zu betrachten.
Das Projekt wurde mit dem Hauptpreis „Complete Architectural Solution“ im Rahmen der Trimo
Architectural Awards 2005 ausgezeichnet.
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Mega bauMax Wien 21
Brünnerstraße 74, 1210 Wien
|
| Bauherr: |
Immorent AG, Wien, Firma Schömer, bauMax AG, Klosterneuburg |
| Planung: |
Walter Stelzhammer, Wien |
| Statik: |
Kirkovits, Wien |
| Projektleitung: |
Adrian Ryser |
| Mitarbeiter: |
Lana Nikolic, Waltraud Meier, Ömer Selcuk Baz, Didem Durakbasa sowie (nächste Zeile) |
| Firma Immorent: |
Florian Amlacher, Alois Filipic |
| Planungsbeginn: |
2001 |
| Planungsende: |
2003 |
| Baubeginn: |
2003 |
| Bauübergabe: |
2004 |
| Grundstücksfläche: |
20.905m² |
| Bebaute Fläche: |
9.510m² |
| Nutzfläche: |
15.544m², davon 10.431m² Verkaufsfläche |
| Fotos: |
© Rupert Steiner, OKALUX |
| Text: |
Katharina Tielsch |
Ausstattung:
|
| Örtliche Bauaufsicht: |
Arch. BM Ing. Paul Chmelar |
| Feuerschutz und Schiebetore: |
RIHA G.m.b.H. |
Liegenschaftserschließung, Projektentwicklung und Leasingfinanzierung: |
Immorent AG |
| Bankeinrichtung: |
www.streitner.at |