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Ganz schön schräg


Mega bauMax Wien 21 / Bilder: © Rupert Steiner, OKALUX Mega bauMax Wien 21 / Bilder: © Rupert Steiner, OKALUX
Mega bauMax Wien 21 / Bilder: © Rupert Steiner, OKALUX Mega bauMax Wien 21 / Bilder: © Rupert Steiner, OKALUX
Mega bauMax Wien 21 / Bilder: © Rupert Steiner, OKALUX Mega bauMax Wien 21 / Bilder: © Rupert Steiner, OKALUX

Besonders Herr Österreicher liebt sie - die Baumärkte mit ihrem breiten Heimwerkersortiment von Werkzeugen über Farben und Baumaterialien aller Art, von Pflanzen und Gartenaccessoires bis hin zum Gartenzwerg. So wird gerne am Samstag ein Ausflug mit der ganzen Familie zu einem der zahlreichen Baumärkte unternommen, um sich für das Wochenende mit (Hobby)arbeit einzudecken. Zumeist sind die Baumärkte überdimensional große Hallen in Fertigteil-Konformität, die aus städtebaulicher und architektonischer Sicht besser in jenen architekturfreien Zonen des Kaufens und Verkaufens namens Gewerbegebiet situiert wären und dennoch vermehrt im innerstädtischen Bereich Einzug halten.

Vielleicht hat die Firma bauMax einen Anstoß erhalten von den sorgfältig gestalteten Supermärkten in Tirol von Hansjörg Mölk (besser bekannt unter dem Signet „MPreis“), beweisen diese doch, dass sich die Begriffe Kaufhaus, Warenhaus, Supermarkt, Discount und Architektur keineswegs ausschließen. Mit bereits zwei Projekten, die von namhaften Architekten geplant wurden (1999 wurde ein bauMax von Volker Giencke in Klagenfurt geplant und gebaut, 1998 einer von Hencke und Schreieck Architekten in Schwechat) wurde nun auch ein Zeichen sowohl in städtebaulicher Sicht als auch für das angebotene Warenangebot im 21. Wiener Gemeindebezirk gesetzt. Nachdem der Architekt Walter Stelzhammer zusammen mit dem Architekten Ernst Hoffmann für die ELIN-Gründe, einem traditionsreichen österreichischen Elektrotechnikunternehmen, ein Gutachten zur Errichtung eines Fachmarktzentrums erstellt hatte und in diesem das städtebauliche Entwicklungskonzept samt Flächenwidmung festlegte, wurde er beauftragt, auf dem nördlichen Teil des Grundstückes einen MegaBaumax mit 10.000 m2 Verkaufsfläche zu planen.
„Baumäxe“ zeichnen sich üblicherweise aus durch ihr gut sortiertes Angebot mit Waren in den Bereichen Garten, Werkzeug, Wohnen und Bauen, wobei sich die Gliederung zumeist in getrennten Baukörpern ausdrückt. Nicht so an der Brünnerstraße. In einem homogenen Baukörper wurden das Gartencenter und der Baumarkt unter einem einzigen Dach untergebracht. Der Verkaufsraum für das Warenangebot Garten breitet sich auf der inneren und äußeren Erdgeschoßebene aus, wo hingegen die Heimwerkerabteilung auf zwei Etagen aufgeteilt wurde. Notwendige Büros finden in einer Zwischenebene Platz. Das Gebäude ist teilweise unterkellert für eine Tiefgarage mit 160 Stellplätzen und Technikräumen. Auf der Südseite des Grundstücks befindet sich ein Parkplatz für 190 PKW. Die Zufahrt erfolgt über zwei neu geplanten Erschließungsstraßen im Osten und Süden, die Anlieferung über die Shuttleworthstraße. Eine geschlossene, gedämmte Leichtbauwand dient als Schicht- und Schallschutz zu Gehsteig und Nachbargebäude.
Der zweigeschoßige Stahlbetonskelettbau mit seiner teils transparenten, teils Alu- verkleideten Fassade fällt von außen vor allem durch sein weit auskragendes Vordach in Form eines kantigen dreieckigen Baukörpers mit einer 45° geneigten Wand zum Vorplatz hin, auf. Diese glasverkleidete, als Schaufenster ausformulierte, enorme Stahlkonstruktion fungiert beim Annähern als Eyecatcher und suggeriert, die Hauptfassade mit zugehörigem Eingangsbereich zu sein. Jedoch sind die Eingänge logischerweise nahe den Parkplätzen situiert. Jene 17,5 m hohe Spitze inszeniert lediglich den schlichten Baukörper und dient als Witterungsschutz.
Noch ist der davor liegende Platz kein vielgenützter, aber mit dem Ausbau der U-Bahn und den umliegenden Stadtzerweiterungsmaßnahmen kann er sich durchaus noch zu einem urbaneren Platz entfalten.
Statt der heute befindlichen Fassadentransparente war von den Architekten ein dreidimensionales Logo für den schrägen, spitz zulaufenden Innenraum geplant. Die Marketingabteilung des Unternehmens hat dieses jedoch nicht akzeptiert, und so bietet der Raum lediglich Platz für die Konstruktionselemente. Von innen erlebt man diesen Luftraum leider kaum, da hohe Regalwände die Sicht verstellen.
Enorme Raumhöhen im Innenraum lassen das Ambiente großzügig erscheinen, die großflächigen Verglasungen aus Isolierglas belichten auf natürliche Weise und erzeugen eine freundliche Atmosphäre. Um die hohen Regalsysteme und die Lagerräume nicht einsichtig zu gestalten, entschieden sich die Architekten für das zweite Fassadenmaterial der Alupaneele. Den unterschiedlichen Raumhöhenanforderungen bei Baumärkten Rechnung tragend, entwickelten die Architekten ein sanft gewölbtes und abfallendes Dach, welches extensiv begrünt wurde.

Die Reduktion der Materialien auf nur einige wenige trägt zur Einfachheit und Klarheit des Baukörpers bei. Die Akzentuierung der Form zur stark befahrenen Brünnerstraße hin erweckt Neugierde und lädt (auch Frau) ein, den „Do-it-yourself-Markt“ genauer zu betrachten.
Das Projekt wurde mit dem Hauptpreis „Complete Architectural Solution“ im Rahmen der Trimo Architectural Awards 2005 ausgezeichnet.

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Mega bauMax Wien 21

Brünnerstraße 74, 1210 Wien

Immorent AG, Wien, Firma Schömer,
bauMax AG, Klosterneuburg
Planung: Walter Stelzhammer, Wien
Statik: Kirkovits, Wien
Projektleitung: Adrian Ryser
Lana Nikolic, Waltraud Meier, Ömer Selcuk Baz,
Didem Durakbasa sowie (nächste Zeile)
Firma Immorent: Florian Amlacher, Alois Filipic
Planungsbeginn: 2001
Planungsende: 2003
Baubeginn: 2003
Bauübergabe: 2004
Grundstücksfläche: 20.905m²
Bebaute Fläche: 9.510m²
Nutzfläche: 15.544m², davon 10.431m² Verkaufsfläche
Fotos: © Rupert Steiner, OKALUX
Text: Katharina Tielsch

Ausstattung:

Örtliche Bauaufsicht: Arch. BM Ing. Paul Chmelar
Feuerschutz und Schiebetore: RIHA G.m.b.H.
Immorent AG
Bankeinrichtung: www.streitner.at

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