Generell wird die Wiedererkennbarkeit einer Marke über ihre
Gleichförmigkeit erreicht. Das traditionelle Tiroler Lebensmittel-Unternehmen „MPREIS“ geht
einen gänzlich anderen Weg: Als Markenzeichen wird auf gekonnte Weise die Vielfalt der
architektonischen Formensprache eingesetzt, jeder Markt ist für den konkreten Ort erfunden
und trotzdem als MPREIS wieder erkennbar.
Davon rückt die von den Innsbrucker Architekten
Rainer Köberl und Michael Steinlechner konzipierte Filiale allein durch ihre strikte
Einbindung in einen Gebäudekomplex ab. Die dafür vorgesehene Räumlichkeit befindet sich im
Untergeschoß des neu errichteten Innsbrucker Hauptbahnhofes. Der nur 3,15 Meter hohe Raum,
bei einem Längenausmaß von rund 62 Metern im Verkaufsraum, war eine Herausforderung. Zudem
kam erschwerend hinzu, dass hier kein natürliches Licht vorhanden ist und kein direkter
Bezug nach außen stattfinden kann. All diese vorerst als negativ zu bewertenden
Rahmenbedingungen sind von den Architekten mit einer gekonnten Inszenierung entsprechend
gelöst worden. Mit Hilfe von gezielt eingesetzten Lichtquellen werden die Waren wie
einzelne „Kunstobjekte“ dargestellt. Eine abgehängte, schwarz emaillierte Floatglasdecke
(VSG 2 x 6 mm) bewirkt die Verdoppelung des Raumes nach oben, die Waren werden vervielfacht,
die Raumgröße wird illusorisch erweitert, damit trotz der einschränkenden Bedingungen eine
Großzügigkeit entstehen kann. Diese Decke bewirkt, dass die direkt angestrahlten Waren wie
in einem schwarzen ruhigen „See“ reflektiert werden und leicht verschwimmen - alles Licht
kommt von der Reflexion auf die Waren. Die gesamte Aufmerksamkeit des Kunden wird damit
direkt auf das Eigentliche gelenkt. Als einzige „Grundbeleuchtung“ kommen 4 „Lichthöfe“ zum
Einsatz. Dies sind Lamellendecken aus weiß beschichteten Spanplatten mit darüber
angebrachten Leuchtstofflampen. Sie bewirken eine hellere Raumatmosphäre und damit für das
Auge eine merkliche Differenzierung der optischen Eindrücke.
Für eine bessere Sichtbarkeit der Gehflächen wird eine indirekte
Beleuchtung auf den Boden entlang der Wareninseln, wie zum Beispiel für Obst und Gemüse,
eingesetzt. Der aus drei verschiedenen Rottönen gemischte Kunstharzboden bildet den gut
erkennbaren Kontrast zu der an sich dunklen Decke. Weiße Vollstahlstützen, die mit einem
Brandschutzanstrich versehen sind, werden durch ein „Streiflicht“ in ihrer hellen
Signalwirkung unterstützt. Eine Materialvariation hinsichtlich der Farbe und
Oberflächenwirkung vollzieht sich bei der Wandverkleidung in Kassennähe, die aus lackierten
Birkenkombiplatten (in 1,5 cm Stärke), verdeckt montiert ist.
Betritt man das Geschäft, so befindet sich im Eingangsbereich der „Baguette“-Betrieb,
räumlich aufgeteilt in Brotverkauf und Bar. Spiegelflächen an den Wänden lassen den Raum
breiter erscheinen, er soll Großzügigkeit für die dort stattfindende stärkere
Frequentierung der Kunden vermitteln. Es gibt eine „Stehbar“ direkt am Eingang, die auch
dem Vorbeieilenden eine kurze Snackpause ermöglicht, sowie gemütliche Sitzkojen zum
längeren Verweilen. So ist auch das Licht den Stimmungen angepasst. Während der Eingang
hell beleuchtet wird, ist der Übergangsbereich hin zum Markt in dämmriges Zwielicht getaucht.
Beim Eintritt in das eigentliche Geschäft setzt sich das spannende Spiel aus Licht, bunter
Warenangebote und reflektierender Begrenzungsflächen fort. Um die gesamte Tiefe der 1.200 m2
großen Verkaufsfläche bereits vom Eingang aus erlebbar zu machen, wurde die Regalstellung
entsprechend gewählt. Die so entstandene Überschaubarkeit ermöglicht auch eine gewisse
Schnelligkeit bei der Erledigung der Einkäufe. Und an welchem Ort wären diese inszenierten
Rahmenbedingungen geeigneter als an einem Bahnhof, wo das Warten und Eilen gleichermaßen
stattfindet.
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Lebensmittelmarkt MPREIS, Innsbruck Hauptbahnhof
Südtiroler Platz 5, A-6020 Innsbruck
|
| Bauherr: |
MPREIS Warenvertriebs G.m.b.H. |
| Planung: |
Rainer Köberl, Michael Steinlechner |
| Nutzfläche: |
1.244m² |
| Umbauter Raum: |
5.015m³ |
| Bauzeit: |
3 1/2 Monate |
| Fertigstellung: |
Jänner 2004 |
| Fotos: |
© Lukas Schaller |
| Text: |
Michaela Haller |
Ausstattung:
|
| Lichtplanung u. Ausführung: |
HALOTECH LICHTFABRIK G.m.b.H. |
| Möbelausstattung im „Baguette“: |
KILGA G.m.b.H. |