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architektur Ausgabe 02/2014

start 10 Die Fußgängerbrücke ‚Passerelle Simonede Beauvoir‘, mit einer durchschnittlichen Breite von 12 m verbindet die neue französische Nationalbibliothek mit dem Park von Bercy. Die Gesamtlänge beträgt 304 m, die freie Spannweite über die Seine 190 m. Die Kombination einer Hängekonstruktion und eines Bogens - beide Tagwerke mit einem sehr geringen Stich und großer Spannweite - erlaubt das Überbrücken der Seine ohne Abstützung und gewährleistet ein stabiles Tragwerk. Durch die Überlagerung der beiden Kurven wird in der Mitte des Flusses ein räumliches Volumen ausgebildet, das eventuelle temporäre Einrichtungen aufnehmen kann. Durch die Wegführung, die am Tragwerk entlang führt, wird einerseits die Nähe zum Wasser, andererseits der Bezug zu Paris hergestellt. alt - sämtliche heute geforderten und diskutierten Kriterien der Nachhaltigkeit geradezu beispielhaft erfüllt werden: Ökologie, Farbigkeit, Kontext mit der Umwelt, usw. Geradezu magisch ist der Eindruck des Klosterberges im Meer. Und die Verbindung, die Feichtinger vom Land zum Berg vorgeschlagen hat, nimmt auch nicht den kürzesten Weg. Es ist fast so, als ob eine Scheu, ein Respekt ihn davon abhält, sich dem Berg zu schnell zu nähern. Also führt die Zufahrt in einer leichten Schlangenkurve über viele, viele Stützen über das Watt zum Berg. Die vielen Säulen sind einer Anregung geschuldet, die er vom Anblick einer Muschelfarm, mit den Serien von aus dem Meer ragenden Stäben, erhalten hat. Niedrig, geduckt schmiegt sich das Bauwerk an das Wasser, nichts imposantes, aufsehenerregendes, wie es ja mit den heutigen konstruktiven Mitteln möglich gewesen wäre. Der Architekt meint, dass „der Ort bei St. Michel die Antwort herausgefordert hat. Dieser Ort ist magisch, die Landschaft unendlich weit, sie verändert sich radikal mit den Gezeiten.“ Und das hat nichts mit Bescheidenheit zu tun: „Das Diskrete des Bauwerkes hat sehr selbstbewusst mit dem Ort zu tun. Tatsache ist, dass es eigentlich sehr aufwendig ist, alle zwölf Meter Stützen in das Watt zu stellen, um eine solchermaßen flache Bauhöhe des Stegs zu erreichen.“ Trotz der Breite der Fahrbahn, die ja auch Schwerverkehr ermöglichen muss und auf der tausende Fußgänger täglich zum Klosterberg pilgern werden, hat die Brücke eine klare, einfache Konstruktion, die für jeden fassbar ist, verständlich und in ihrer Auswirkung auch nachhaltig. Denn die Brücke - statt dem bisherigen Damm - wirkt dem allmählichen Versanden (durch Ebbe und Flut) des Klosterberges entgegen. Der nun ungehinderte Durchfluss des Meeres unter der Brücke wird sogar die Sandablagerungen in den Buchten der Insel wieder abtragen. Bei all seinen Projekten ist eine unaufdringliche Präsenz des Volumens zu spüren, die konstruktiven Merkmale schaffen trotz ihrer manchmal ziemlich riesigen Ausmaße (VOEST Zentrale in Linz) trotzdem durch einen systematischen Raster und eine gewisse Kleinteiligkeit einen menschlichen Maßstab, der die Bauten angenehm wirken lässt. Und auf die Frage, welches denn die Parameter für ein Projekt seien, hörte ich: „Es gibt das Ziel alle Randbedingungen zu vereinigen. Ein gutes Projekt gibt auf die vielen Fragen, die sich uns stellen, eine Antwort.“


architektur Ausgabe 02/2014
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