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architektur Ausgabe 02/2014

magazin A rising star ... Das neueste Projekt des jungen, slowakischen Architekturbüros Nice Architects nennt sich ‚Nordstern‘. Das ist nicht nur der hellste Stern der Nordhemisphäre, nach dem sich die Seefahrer einst orientierten, sondern auch der Name eines Wohnhauses im Zentrum von Senec, einem slowakischen Sommerurlaubsort. Und das ist gar nicht so unlogisch, wenn man die chaotische Umgebung betrachtet. Die Architektur schafft hier einen hellen freundlichen Orientierungspunkt, leicht zu erinnern und originell. Der Bau liegt in der Nähe des Hauptplatzes und gegenüber der örtlichen Sternwarte. Diese Nähe und die exakte Nord-Süd- Ausrichtung der Hauptfassade waren auch die Inspiration für die Namensgebung. Auf einem dreiecksförmigen Grundstück gelegen, 12 inmitten einer Mischbebauung von Wohnhäusern und öffentlichen Bereichen, ist das Gebäude viergeschossig und hat eine Grundfläche von 250 m2. Der Anteil an öffentlichen Flächen beträgt im Erdgeschoss 144 m2 und der Wohnteil wird mit einem Stiegenhaus und Lift in der Ostecke erschlossen. Die Erschließung führt jeweils zu drei Wohneinheiten pro Stockwerk. Insgesamt sind es neun Wohnungen. Die Wohnungsgröße liegt jeweils knapp über 50 m2 - das reicht für den Familienstart und für Paare. Dieses Low-Cost-Projekt liegt bei einem Quadratmeterpreis von 500 Euro und entspricht dem Verbrauch eines Niedrigenergiehauses. Die Fenster sind genau nach Westen ausgerichtet, so können die Bewohner herrliche Ausblicke auf die untergehende Sonne erleben. Durch die Zickzack-Anordnung und Gestaltung der Balkone ergibt sich ein Zusatznutzen für die einzelnen Wohnungen: Die Spitze jedes Balkons ist nach Süden orientiert und erlaubt es dem Sonnenlicht, tief ins Innere der Appartements einzudringen. Die extrudierte Form schützt auch die Bewohner vor dem Straßenlärm und ‚umrahmt‘ gleichzeitig den Ausblick in die Fotos: Tomas Manina Natur. Im Lauf des Tages ändert sich je nach Lichteinfall die Erscheinung der Fassade - es entstehen zeichenhafte Licht- und Schattenspiele auf der schneeweißen Fläche. Das Erdgeschoss ist mit ins Grau verlaufenden Streifen abgetönt, das dient hauptsächlich dem Schutz vor Vandalismus und Sprayern. Außerdem verstärkt es die Idee des aufsteigenden Sternes. Die Einfachheit des Systems drückt sich auch in den für die Konstruktionen verwendeten Materialien aus: Ziegel und Stahlbeton. Auch die Wände der Balkone sind nur mit diesen Materialien ausgefacht. So war es auch möglich, mit lokalen Arbeitskräften ohne Spezialisten zu bauen.


architektur Ausgabe 02/2014
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