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architektur Ausgabe 02/2014

architekturszene Zeugnis einer bewegten Vergangenheit Mazedonien blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Über mehrere Jahrhunderte Zur Wiederherstellung der verwahrlosten Stadtteile schrieb die UNO zwei Jahre nach dem Beben, über die damaligen politischen Grenzen hinweg, einen Wettbewerb aus. Der Gewinner war der japanische Städtebauer 32 Kenzo Tange, der mit Bauten wie dem Friedensmuseum Hiroshima sowie mit den Hallen für die Olympischen Spiele in Tokio Berühmtheit erlangte. Gemeinsam mit einem Team aus jugoslawischen, japanischen und polnischen Architekten sollte er der Stadt am Fluss Vardar eine neue Identität verpassen. Mit seinem Entwurf für Skopje musste sich der Städtebauer nunmehr der sozialen Verantwortung stellen, den Bedürfnissen von über 312.000 Einwohnern gerecht zu werden. Außerdem galt es, das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Ortes wieder herzustellen. Doch trotz des visionären Ansatzes ereilte das Konzept des Japaners ein Schicksal, das auch heute noch viele Retortensiedlungen teilen. Plante Kenzo Tange die ideale Stadt? In der Raumplanung ist das Planen und Errichten von ganzen Städten stark umstritten. Dies liegt in erster Linie darin begründet, dass Siedlungen, die zur Gänze auf dem Reißbrett entstehen, oft nicht die vorgesehene Entwicklung einschlagen. Ein extremes Beispiel für verfehlte Planung stellt die Geisterstadt ‚New Ordos‘ in China dar. In diesem Ort, der ursprünglich für 300.000 Einwohner geplant wurde, leben heute weniger als 30.000 Menschen. Auch der Masterplan Tanges zeigt auf, dass die ‚ideale Stadt‘ nur auf dem Papier existieren kann. Trotzdem ist nicht zu leugnen, dass der Masterplan zum Wiederaufbau Skopjes ein Konzept von bemerkenswerter Größenordnung darstellt, dem die Stadt einige außergewöhnliche architektonische Werke zu verdanken hat. Gebäude, die auch heute Text: Dolores Stuttner noch das Ortsbild prägen, sind das Stadtarchiv sowie das Goce Delcev Studentenhaus von Gjorgji Konstantinovski. Hierbei handelt es sich um Bauwerke, die sich trotz ihrer massiven Gestaltung harmonisch in die Stadtgestalt integrieren. Ein weiteres nennenswertes Gebäude stellt die überdachte Eisenbahnstation, welche über eine 15 Meter hohe Plattform verfügt, dar. Dem Architekten Kenzo Tange ist es mit dem einzigartigen Design des Umsteigepunktes gelungen, eine Landmarke für die Hauptstadt Mazedoniens zu schaffen. hinweg siedelten sich verschiedene Kulturen in dem Land an, eine Tatsache, die nicht selten zu Auseinandersetzungen führte. Doch nicht nur Kriege, sondern auch Naturkatastrophen prägten den Staat. Ein Erdbeben im Sommer 1963 kostete 1070 Menschen das Leben und vernichtete über 80% der Bauwerke – auch fast die gesamte Innenstadt Skopjes. Dieses Unglück war der Auslöser für eine beachtliche Neugestaltung der heutigen Hauptstadt. © maps.google.com © Svilen Enev © Sanja Nikolic


architektur Ausgabe 02/2014
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