Page 33

architektur Ausgabe 02/2014

architekturszene 33 Während das Projekt Tanges mit prunkvollen, massiven Bauten zwar nicht geizt, weist es vor allem bei der Ausgestaltung der Zwischenräume erhebliche Schwächen auf. Die zum Teil großen Flächen weisen nur minimale Freiraumqualität auf und sind mit den Jahren zu verwahrlosten Platzhaltern verkommen. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache zuzuschreiben, dass der Städtebauer beim Entwurf desselben nicht mit der Bevölkerung, sondern mit dem Staat zusammenarbeitete. Somit konnte nicht ausreichend auf die Wünsche und Bedürfnisse der Einwohner eingegangen werden. Aus diesem Grund kam es während der Realisierung des Konzeptes zu Konflikten. Bereits vor Baubeginn entwickelte sich Skopje unabhängig von den städtebaulichen Zielen weiter und die Regierung setzte lediglich einen Teil des Planes um. Unter anderem wurde die geplante ‚Stadtmauer‘ aus Wohnbauten, welche das Zentrum umfassen und ein prägendes Element hätte darstellen sollen, nur zu einem Drittel realisiert. Ein politisch beeinflusster Masterplan Kenzo Tange entwarf sein Modell nicht ohne Hintergrundgedanken auf die sozialistische Prägung Skopjes. Die Umsetzung seines Werkes ist der Regierung der ehemaligen Republik Jugoslawien zu verdanken. Sie sah damals im großflächigen Wiederaufbau der Stadt die Chance, eine - aus politischer Perspektive ideale - Metropole zu errichten, wovon sich der Staat außerdem propagandistisches Potenzial versprach. Tange selbst bestätigte, dass die Einführung des totalitären Planes, der damaligen politischen Strömung zu verdanken war. Nachdem sich der Ort außerdem zur Gänze in öffentlicher Hand befand, konnte ein großflächig angelegter Masterplan, wie das Projekt Tanges, ohne Einwände seitens der Bevölkerung genehmigt werden. Bürgerbeteiligung war in den 1960er Jahren noch ein Fremdwort - Interessenten wurde lediglich die Möglichkeit gewährt, vor der Realisierung des Entwurfes einen Blick auf das fertige Modell zu werfen. Die Politik, die bei der Genehmigung des Konzeptes eine große Rolle spielte, war aber auch dafür verantwortlich, dass die Umsetzung der sozialistischen Vision Anfang der 1980er Jahre ein jähes Ende fand. Heute will die neue, nationalistisch geprägte Regierung nichts mehr von der kommunistischen Vergangenheit Mazedoniens wissen. Die Geschichte des Landes soll unter anderem mithilfe pseudohistorischer, architektonischer Gestaltung (architektur 08/2013) umgeschrieben werden – das in den 1960er Jahren stark gepriesene Werk Tages soll dabei möglichst in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund werden im Zuge des Projekts „Skopje 2014“ in der Metropole in naher Zukunft Gebäude im klassizistischen Stil errichtet werden. Die geplante Nutzung jener Bauwerke wird sich aber nicht unbedingt positiv auf die Situation der Stadt auswirken. Nachdem vor allem Ministerien in die Gebäude einziehen, bleibt neben dem finanziellen auch der soziale Nutzen für die wirtschaftlich angeschlagene Stadt auf der Strecke. Das wechselhafte Ortsbild als Markenzeichen Skopjes Wer sich die Metropole am Vardar genauer ansieht, wird nicht leugnen können, dass der Plan des japanischen Architekten ein unvergleichliches Zeugnis der sozialistischen Geschichte des Landes darstellt. Es steht natürlich außer Frage, dass Skopje durch das Erdbeben einen großen Teil seiner historischen Bauten und damit gleichzeitig auch zum Teil seine Identität verloren hat. Gleichzeitig gewann die Siedlung im Zuge des Wiederaufbaus aber großes Potenzial. Aufgrund der vielfältigen Gestaltung vermag der Ort dem Betrachter ein Stück seiner bewegten Vergangenheit zu erzählen. Orientalisch geprägte Stadtteile existieren neben Monumenten aus der kommunistischen Ära, während Kulturbauten wie die Oper aus dem Jahr 1968 den Raum mit ihrem skulpturartigen Aussehen dominieren. Dadurch ergibt sich das einzigartig heterogene Ortsbild, das der Großstadt eine unverwechselbare Identität verleiht. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Baustile macht die Hauptstadt Mazedoniens zu einem Beispiel dafür, wie sich das urbane Leben über stilistische Grenzen hinwegsetzen kann. fischer FAZ II Ein Anker – 2 Verankerungstiefen: fischer Bolzenanker FAZ II Eine zweite, reduzierte Verankerungstiefe, ein längeres Gewinde, eine spezielle U-Scheibe für den konstruktiven Holzbau und die Zulassungserweiterung für Seismik C1 setzen Maßstäbe. · Jetzt auch als Kurz-Version · Jetzt auch als Kurz-Version .... erhältlich bei über 200 Fachhändlern in Österreich. fischer fischer fischer fischer fischerfischer fischerfischer © David Bailey FAZ II 91x127 architektur.indd 1 05.02.2014 16:57:09


architektur Ausgabe 02/2014
To see the actual publication please follow the link above