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architektur Ausgabe 02/2014

holzbau Es kommt darauf an, was man daraus macht! Im Park des ehemaligen Schlossparks Ober St. Veit in Wien steht in einem verwunschenen Garten ein Bürogebäude aus Holz, das vielleicht Geschichte schreiben wird: Es gehört der Lukas Lang Building Technologies. Der mittlerweile 87 Jahre zählende Architekt Lukas Lang hat sich viele Jahre seines Lebens mit Holz, Holzbau und Modulsystemen beschäftigt. Mit ihm und seinem Partner Hans-Christoph Prutscher unterhielt sich Peter Reischer über den langen Weg von der Idee zum industriellen Produkt. Sie haben sich 18 Jahre mit der Idee eines Holz-Modulsystems beschäftigt. Wieso hat das so lange gedauert? P: Die Frage habe ich mir selbst auch schon oft gestellt. Im Jahr 1995 war nicht einmal die Computerkapazität vorhanden, um das Zusammenwirken der Einzelteile zu berechnen. Wir haben sämtliche Programme selber geschrieben, bis hin zu den Statikprogrammen. Es haben ja schon andere - Kamprad von IKEA, Toyota - über so etwas nachgedacht. Sie sind alle daran gescheitert, dass sie in Fertighausbauweise gedacht haben. Fertighaus hat mit Industrie überhaupt nichts zu tun, das ist maschinelle Vorfertigung und somit ganz etwas anderes. Die machen eine komplette Fassade, wir haben - wie beim Buchdruck - ‚Baulettern‘. Aus diesen kann man Häuser komponieren. 58 Fertighäuser sind wie der Buchdruck vor dem Gutenberg, wo man eine Seite geschnitzt hat. Vorgefertigt etwas liefern hat mit industrieller Fertigung nichts zu tun. Ist das Gebäude, in dem wir gerade sitzen, industriell? P: Es hat die Möglichkeit, industriell gefertigt zu werden, aber wird zurzeit noch in zu kleinen Stückzahlen hergestellt. Sie wollen nun eine Industrie zur Fertigung dieses Modulsystems. Eine Industrie vernichtet doch Arbeitsplätze. P: Die Autoindustrie hat auch keine Arbeitsplätze vernichtet, sie hat nur andere geschaffen. Wenn heute ein Haus abgerissen wird - landet es auf der Deponie. In unserem System können daraus ganz andere, neue Häuser entstehen. Es gibt kein nachhaltigeres Bausystem, als unseres. LL: Es kann auch jeder Architekt, wenn er kreativ sein will, noch Bauteile dazuerfinden und anfertigen lassen. P: Wenn die Industrialisierung zu einem erleichterten Leben verhilft, dann ist das genau der Schritt, damit sich der Durchschnittsbürger Bauen ohne Subvention leisten kann. Also ist es jetzt bei Ihnen eine Frage der Marketingstrategie, wie Sie Ihre Innovation pushen werden und können. P: Wir wollen die Position des Volkswagens im Hausbau einnehmen. In unserem System soll sich jemand, der nicht einmal an ein eigenes Haus denkt, weil er es sich nicht leisten kann, eines haben, weil es nicht mehr kostet als die Miete. LL: Er braucht nicht einmal einen eigenen Grund, er kann ihn pachten und sein Haus darauf stellen. Wenn er wegzieht, nimmt er das wiederzerlegte Haus einfach mit. P: Dieses Gebäude (LL Building Technologies) steht auf einem frostsicheren Schotterkoffer. Aus den Teilen dieses Hauses kann man zum Beispiel zwei kleinere Häuser oder fünf Pavillons bauen. Die Systematik ist die gleiche. Der Raster von 1,4 x 1,4 Meter, den Sie verwenden - woher stammen diese Maße? LL: Aus meinen Erfahrungen mit Einfamilienhäusern, bei denen ist der Raster immer zwischen 140 und 150 geschwankt. Auch bei Schulen hat er sich als günstiges Raummaß erwiesen. Alle Stiegenmaße passen sich da an. 1,40 ermöglicht ja auch Additionen und Unterteilungen. Dieser Raster hat ja auch einen Einfluss auf die Gestaltungsmöglichkeiten, er schränkt ja auch ein. P: Sicher, aber er bringt immer ein angenehmes Raumgefühl. LL: Wenn die Menschen um einen halben Meter größer wären - ist der Raster natürlich falsch. Haben Sie bei dem Gedanken und System des Rasters auch einen pädagogischen Aspekt einkalkuliert? Dass ein Haus ja auch einfacher sein kann, dass Menschen nicht immer in gekurvten Räumen und Schrägen leben können müssen? LL: Ja, sicher, aber das ist bei jedem Haus so. Dass es schön und angenehm für die Menschen, die drinnen leben, sein soll. P: So wie sich das Auto auf die Gesellschaft ausgewirkt hat, kann sich auch diese Art des Bauens auswirken. Im Moment driftet die Gesellschaft auseinander, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Kann der Architekt mit Ihrem System noch das entwerfen,Fotos: Lukas Lang Building Technologies GmbH was er will?


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