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architektur Ausgabe 02/2014

holzbau 65 Barcode in Holz Im Herbst 2012 begann die Firma Schachinger Logistik auf dem Firmengelände in Linz/Hörsching ein Experiment. In der Branche der LKW-Transporte und des Warenumschlages sollte ein, wenn nicht sogar DAS nachhaltigste Zentrallager für ein Großhandelsunternehmen entstehen. Bei einem täglichen Warenumschlag von mehreren hundert Tonnen ist das ein Meilenstein in Sachen ‚Logistik trifft Ökologie‘. Umgesetzt wurde das Projekt von POPE *PREHA L AR CHITEKTEN aus Steyr. Holz prägt das LT1 (Leuchtturm 1) Gebäude in jeder Dimension, von der Konstruktion bis hin zur Fassade. Als Primärkonstruktion wurden Träger und Stützen aus Konstruktionsleimholz mit einem Achsmaß von 22 m verwendet, die Sekundärkonstruktion besteht aus Konstruktionsleimholz von 5 m Achsmaß im Gefälle. Da in den Hochregallagern des LT1 Waren aller Art, vom Schokoriegel bis zum Christbaumschmuck, gelagert und manipuliert werden, ist das Raumklima über das Jahr straff geplant: Die Temperatur beträgt immer zwischen 14° und 18° Celsius, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 40° - 60° und das bei einem Warenaustausch von mehreren hundert Tonnen pro Tag über 14 wärmebrückenfrei ausgeführte Laderampen. Der LT1 schließt an ein bereits bestehendes Lager an und beinhaltet sowohl eine Lagerhalle von rund 11.000 m² als auch einen Bürotrakt von rund 860 m². Dem Brandschutz trägt im Büro und der Halle eine Vollschutz-Sprinkleranlage Rechnung, ebenso wurde eine Brandmeldeanlage mit Frühwarnsystem installiert. Die Kühlung der Lagerhalle erfolgt durch Kältebereitstellung aus dem Grundwasser mit einer Wärmepumpe (teilweise durch Direktnutzung mittels Free-Cooling- Schaltung der Wärmepumpe), geheizt wird ebenfalls mittels Wärmepumpe durch Grundwassernutzung. Decken-Umluft- Kühlgeräte bringen die temperierte Luft in die Lagerhalle ein. Erhellt wird der Leuchtturm energiesparend rein mit LED-Technologie mit einer Lichtpunkthöhe von 13 m in der Halle. Das i-Tüpfelchen bei diesem Projekt ist die Gestaltung der Fassade in Barcode-Optik, denn ohne Barcode geht in der Logistik gar nichts. Holzlatten aus Weißtanne erzeugen durch dunkle Zwischenräume eine Fassade mit diesem speziellen Barcode-Effekt. Und mit den strahlenden Farbakzenten in frischen Gelb-, Grün- und Rottönen versprüht das Bauwerk innen viel eher gemütliche Wohnzimmeratmosphäre als Krimi-affine Lagerhausdüsternis. Die Kosten liegen interessanterweise nur minimal über denen einer vergleichbaren Lagerhalle in konventioneller Ausführung. Und dies bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung und enormer Betriebskosteneinsparung. Das Projekt wurde am 26. 9. 2013 mit dem Confare Blue & Green Building Award ausgezeichnet. © Walter Ebenhofer


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