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architektur Ausgabe 02/2014

holzbau 66 Holz als Dämmstoff Es ist mittlerweile sogar weitgehend öffentlich bekannt, dass unsere Erdölvorräte endlich sind. In 60 Jahren gibt es wahrscheinlich kein Erdöl mehr. Deshalb sind jegliche Versuche und Innovationen, die die Erdölderivate in der Bauindustrie durch andere, möglichst erneuerbare Produkte ersetzen, zu begrüßen. Nicht nur sogenannte ‚Ökofreaks‘, sondern jeder vernünftige Mensch muss so denken und handeln. Auch wenn das kurzfristig gesehen vielleicht etwas teurer kommt - langfristig betrachtet, kann doch die Rettung unserer Umwelt nicht an einem ‚zu-teuer-Argument‘ scheitern. Die Dämmstoffe der Zukunft sollen nicht nur effizient, sondern auch klimaverträglich sein. Forscher des Fraunhofer-Institutes für Holzforschung WKI in Braunschweig haben nun ein Dämmmaterial aus Holzschaum entwickelt, das langfristig petrochemische Kunststoffe ersetzen könnte. Diese Holzschaumplatte ist ein hundertprozentiges Naturprodukt aus nachwachsenden Rohstoffen, wie es Holz eben ist. Um den Schaum herzustellen, wird das Holz zunächst in feine Partikel zermahlen, bis eine schleimige Masse entsteht. In diese Suspension wird dann Gas geleitet, um sie aufzuschäumen. Anschließend wird der Schaum ausgehärtet, wobei die holzeigenen Stoffe den Härtungsprozess unterstützen. Dieser Holzschaum lässt sich genauso einsetzen wie klassische Kunststoffschäume. Die daraus hergestellten Produkte können - an der Fassade oder am Dach - die klassischen Hartplatten oder elastische Schaumstoffe auf Basis von petrochemischen Kunststoffen ersetzen. Ein alternatives Herstellungsverfahren basiert auf speziellen chemischen Prozessen. Man kann sich das ähnlich wie beim Backen vorstellen, wenn der Teig im Ofen aufgeht und fest wird. Das Ergebnis ist ein leichter Grundwerkstoff, der sich entweder zu Hartschaumplatten oder elastischen Schaumstoffmatten weiterverarbeiten lässt. Er hat Dämmeigenschaften wie die klassischen Kunststoffschäume. Zwar gibt es heute bereits Dämmstoffe auf Holzbasis, etwa Vliese aus Holzfasern oder Holzwolle. Diese haben aber den Nachteil, dass sie fasern und weniger formstabil sind als Dämmmaterialien aus Kunststoff. Oftmals sinken Dämmvliese aus Holzfasern im Laufe der Zeit durch Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit in der Mitte ein. Dadurch geht ein Teil der Dämmwirkung verloren. Der am WKI entwickelte Holzschaum kann dagegen mit klassischen Kunststoffschäumen mithalten: Man hat die Schaumprodukte nach den Normen, © Manuela Lingnau / Fraunhofer WKI die für Dämmstoffe gelten, analysiert und in Hinblick auf die wärmedämmenden, mechanischen und hygrischen, also die Feuchtigkeit betreffenden Eigenschaften, vielversprechende Werte erhalten. Derzeit experimentieren die Braunschweiger Wissenschaftler mit verschiedenen Holzarten, um herauszufinden, welche Baumarten sich besonders gut als Grundstoff eignen. Darüber hinaus gilt es nun geeignete Prozesse zu identifizieren, mit denen sich solche Holzschäume auch im großen Maßstab industriell fertigen lassen. Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten des innovativen Werkstoffs nicht auf Dämmung begrenzt: Auch Verpackungen lassen sich auf Basis von Holzschaum herstellen – diese könnten auf lange Sicht das ebenfalls erdölbasierte Styropor ersetzen.


architektur Ausgabe 02/2014
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