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architektur Ausgabe 02/2014

start Fotos: Michael Zimmermann, Ingenieur und Photograph, David Boureau Bescheidenheit muss nicht Einfachheit sein Text: Peter Reischer Es gibt wenige österreichische und auch internationale Architekten, die über Architektur 8 sprechen. Und zwar nicht über ihre Projekte, sondern über die Themen, Wünsche, Visionen, die sie mit dem Schaffen von Architektur, von gebautem Raum verbinden. Eine dieser Persönlichkeiten ist der junge Architekt Dietmar Feichtinger, ein steirischer Österreicher, in Paris lebend. Als Architekt ist er vor allem mit seinen Brückenbauten bekannt geworden, die ‚Passerelle Simone-de-Beauvoir‘, ist schon fast zu einer Metapher der Leichtigkeit und Poesie in der Konstruktion geworden. Auf die Frage, was ihn denn so sehr an Brücken fasziniere, antwortete er: „Ich versuche aus einer Brücke einen Ort zu machen. Es geht um mehr als die reine Verbindung. Menschen werden durch Brücken in eine Situation gebracht, die sie ohne diese Bauwerke nicht erleben könnten. In der Mitte des Flusses biete ich einen öffentlichen Platz an, als Belvedere und zur Begegnung. Die Qualität dieser Situation versuche ich mit dem Bauwerk in seiner spezifischen Landschaft in Verbindung zu bringen. Mich interessiert, wie man eine Brücke in die Flusslandschaft integrieren kann. Leichtigkeit, Transparenz, Angemessenheit sind Themen, die mich beschäftigen.“ Seine Absichten zielen nicht auf ein bestimmtes, persönliches Interesse, auf SEIN Bauwerk, sondern gelten ganz allgemein den Situationen, die andere Menschen wahrnehmen, in denen sie sich ‚wohlfühlen‘. Das heißt, Architektur wird bei ihm kein Selbstzweck, sondern ein Auftrag, für mehr als nur den speziellen Auftraggeber. Diesen, im Zusammenhang mit dem Brückenbau erwähnten, ‚Wohlfühlfaktor‘ interpretiert und realisiert Feichtinger als Qualitätskriterium für seine Architektur. Das wird vor allem in seinen Schulbauten spürbar. Natürliches Licht im Raum, offene übersichtliche klar strukturierte Räume und immer wieder Verbindungen - sei es als Sichtachsen oder als Gang - prägen diese. Er formuliert es folgendermaßen: „In einer Schule ist es mir wichtig, dass Kinder sich wohlfühlen. Schulen beeinflussen die Wahrnehmung der Kinder für ihr ganzes Leben. Sie sollen lichtdurchflutet sein. Die Gänge sollen breit sein, damit die Kinder spielen können - das ist mir wichtig.“ Er vermeidet in seiner Sprachlichkeit auch das Wort Architektur, weil es ihm zu abgehoben erscheint, lieber spricht er vom ‚Bauen‘. Diese Zurückhaltung, fast möchte man sagen, Bescheidenheit, kommt auch in einem seiner letzten Projekt zum Ausdruck: der Zugang zum Mont St. Michel in Frankreich. Der Entwurf stammt eigentlich schon aus dem Jahr 2002, strebt aber gerade jetzt seiner Vollendung entgegen. Interessant ist, dass bei diesem Projekt - obwohl schon 12 Jahre


architektur Ausgabe 02/2014
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